Links der Woche – KW 26

Diese Woche in den Links der Woche: Der Brexit als Symptom der neoliberalen Entpolitisierung, unter feministischen Gesichtspunkten und im Kontext historischer Weltordnungen. Außerdem: Die Utopie des „Aktienmarktsozialismus“, welche Stereotype wir in unserer Kindheit gehört haben und vieles mehr. Viel Spaß beim Lesen!

Brexit

Der Brexit ist nur ein Symptom der wirtschaftsliberalen Entpolitisierung. Großartiger Artikel im Tagesanzeiger über die wirtschaftspolitische Lage der westlichen Welt: „Das Hauptargument der Anti-Elite-Elite ist: Kontrolle. Man muss sie sich zurückholen. Man erinnert an vergangene Grösse, heroische Vorzeit, goldene Jugend: eine mächtige Erzählung. Die mit einem klaren Versprechen untermauert wird: gegen Ausländer. Damit wird beim Wähler an das einzige Asset appelliert, das in einer globalisierten Welt nicht beliebig verschiebbar ist: der eigene Passport. Für Bessergestellte bedeutet dieses Versprechen: leichteren Zugang zu Chefsesseln. Und für die Verlierer: mehr Stolz – durch die Schaffung einer neuen Unterschicht, der es schlechter geht. […] Dazu kommt, dass die digitale Revolution das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit verändert hat. Für eine computergesteuerte Fabrik braucht es Investitionen, nicht Angestellte. Das heisst: Kapital wird immer entscheidender. Und wird, da es flüchtig ist, immer weniger besteuert. Das Resultat ist eine Wer-hat-dem-wird-gegeben-Ökonomie. In der die Verlierer die Steuern zahlen.“

Neues Deutschland fasst zusammen, wie Europas Linke auf den Brexit reagiert haben.

Der König ist tot! Scheiße, wer übernimmt jetzt? David Cameron hatte vor dem Referendum angekündigt, das Austrittsverfahren nach Art. 50 unmittelbar einzuleiten. Jetzt ist er zurückgetreten, ohne das zu tun, wohl wissend, dass sich auch keiner seiner Nachfolger trauen würde. „(…) the enormity of that step started to sink in: the markets, Sterling, Scotland, the Irish border, the Gibraltar border, the frontier at Calais, the need to continue compliance with all EU regulations for a free market, re-issuing passports, Brits abroad, EU citizens in Britain, the mountain of legislation to be torn up and rewritten … the list grew and grew.“ Die zukünftige Führung der Tories ist damit ein vergifteter Kelch geworden, wie der Independent schreibt.

Feministing setzt den Brexit und seine möglichen Folgen in eine feministische Perspektive.

Kai Ehlers diskutiert den Brexit in einem historischen Kontext der internationalen Weltordnung(en).

 

Ökonomie und Arbeit

Auf derFreitag ist ein Interview mit Aleksandra Manske nachzulesen, die die Erwerbsmodelle und deren sozialen Folgen in der Kreativwirtschaft erforscht.

Der Ökonom Giacomo Corneo (FU Berlin) plädiert im brandeins für einen Aktienmarktsozialismus. In diesem Modell ist der Staat Haupteigentümer jedes börsennotierten Unternehmens. Daneben existieren viele kleine Privatfirmen. Ob das Modell Umsetzung findet weiß Corneo nicht, aber er sagt, alleine das Denken in Alternativen übt Druck auf das aktuelle System aus. Seine These ist, dass der Kapitalismus den Wohlfahrtsstaat tendenziell wie einen Fremdkörper abstößt. Nur einmalige historische Ereignisse konnten einst zu seiner Entstehung führen. Allein das Drohpotenzial, den Kapitalismus durch ein Modell wie den Aktienmarktsozialismus ersetzen zu könnte auch im aktuellen System viel bewegen.

Verschiedenes

Walter Ötsch diskutiert auf Makroskop die Entwicklung der AfD von einer ordoliberalen ÖkonomInnenpartei hin zu einer rechtspopulistischen Protestpartei.

Wissenschaftler haben untersucht, welche Stereotype und Rollenbilder durch Kinderhörspiele vermittelt werden, wie hier nachzulesen ist.

Der Widerstand von Betreibern gegen das Glücksspielverbot ist schlicht atemberaubend, wie der Standard berichtet: „Die Automaten werden immer öfter einbetoniert oder mit Reizgas- oder Nebelvorrichtungen ausgestattet, um einen Abtransport zu verhindern. Ohne Atemschutzmasken geht dann oft nichts mehr.“ Tatort-Stoff!

Im sechsten Teil unserer Serie „Linke Köpfe“ behandeln wir den österreichischen Autor, Politik und Abgeordneten zum Nationalrat Julius Deutsch.

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