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	<description>Blog der Sektion 8</description>
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		<title>&#8220;eine süße, kleine Idee&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 21:45:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzmarktkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer- & Budgetpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[attac]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzmarktsteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Gerti Jahn]]></category>

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		<description><![CDATA[Die oberösterrichische SPÖ-Landtagsabgeordnete Gerti Jahn featured auf ihrem Blog ein Video mit Heike Makatsch und Jan Josef Liefers zum Thema Finanztransaktionssteuern. Das ganze ist Teil einer Kampagne von Attac Deutschland, Österreich sowie Friends of the Earth Europe unter dem Titel &#8220;Make Finance Work&#8221; bzw. &#8220;Steuer gegen Armut&#8220;.

Wie es sich für eine internationale Kampagne für eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die oberösterrichische SPÖ-Landtagsabgeordnete Gerti Jahn <a title="Steuern gegen Armut @ gerti-jahn.net" href="http://www.gerti-jahn.net/?p=630">featured auf ihrem Blog</a> ein Video mit Heike Makatsch und Jan Josef Liefers zum Thema Finanztransaktionssteuern. Das ganze ist Teil einer Kampagne von Attac Deutschland, Österreich sowie Friends of the Earth Europe unter dem Titel &#8220;<a title="Make finance work" href="http://www.makefinancework.org/" target="_blank">Make Finance Work</a>&#8221; bzw. &#8220;<a title="Steuer gegen Armut!" href="http://www.steuergegenarmut.de   " target="_blank">Steuer gegen Armut</a>&#8220;.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="561" height="454" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/laS_UOGbOmU&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="561" height="454" src="http://www.youtube.com/v/laS_UOGbOmU&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Wie es sich für eine internationale Kampagne für eine internationale Steuer gehört, gibt es das Video auch in Englisch, dort sprechen Richard Curtis and Bill Nighy von einer &#8220;Robin Hood Tax&#8221;:</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="560" height="340" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/qYtNwmXKIvM&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="340" src="http://www.youtube.com/v/qYtNwmXKIvM&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Bitte mehr davon!</p>
<p>PS: Kleine Anmerkung am Rande: Wie sofort auffällt ist die deutsche Fassung ca. eine Minute kürzer als die englische. Was fehlt ist das erste Argument für die Einführung einer Transaktionssteuer in der englischen Fassung, nämlich dass der Bankensektor zuerst Milliarden an Nothilfen bekommen hat, sich dennoch weiterhin Milliarden an Bonuszahlungen ausschüttet und so zumindest einen kleinen Beitrag zur Krisenbewältigung leisten würde.</p>
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		<title>Das Transferkonto und die Joanneum-Research-Studie: Ergänzende Kritik</title>
		<link>http://blog.sektionacht.at/2010/01/das-transferkonto-und-die-joanneum-research-studie-erganzende-kritik/</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 13:27:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ChrisBerka</dc:creator>
				<category><![CDATA[Steuer- & Budgetpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Joanneum Research]]></category>
		<category><![CDATA[Transferkonto]]></category>

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		<description><![CDATA[Christopher Berka
Mein Gastkommentar in der Presse vom 23.01.2010 zum Thema Transferkonto lässt viele Fragen und teilweise auch Vorwürfe offen. Leider ergibt ein solcher Rahmen nicht die Möglichkeit alle Punkte in einer ansprechenden Ausführlichkeit zu diskutieren. Dieser Blog-Eintrag legt meine Thesen und Argumente zum tatsächlichen Hintergrund des Transferkontos sowie zur Kritik an der Transferstudie des Grazer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Christopher Berka</em></p>
<p>Mein <a title="Berka Presse-Gastkommentar" href="http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/534866/" target="_blank">Gastkommentar in der Presse vom 23.01.2010</a> zum Thema Transferkonto lässt viele Fragen und teilweise auch Vorwürfe offen. Leider ergibt ein solcher Rahmen nicht die Möglichkeit alle Punkte in einer ansprechenden Ausführlichkeit zu diskutieren. Dieser Blog-Eintrag legt meine Thesen und Argumente zum tatsächlichen Hintergrund des Transferkontos sowie zur Kritik an der Transferstudie des Grazer Joanneum Research deshalb umfassender dar.</p>
<p><strong>Zur Kritik an der Notwendigkeit und zum Hintergrund eines Transferkontos</strong></p>
<p>Im Gastkommentar der Presse war der Fokus auf die  politischen Hintergründe des Transferkontos gerichtet und nicht auf die Kritik der Studie des Grazer Joanneum Research – es handelt sich dabei um einen politischen Kommentar (Die Überschrift wurde von der Presseredaktion von „Zu den wahren Hintergründen des Transferkontos“ auf „Profiteure kommen ungeschoren davon“ geändert).</p>
<p>Die Studie hätte methodisch sauberer durchgeführt werden müssen, worum es aber eigentlich geht sind die Hintergründe. Es ist denkbar, dass die Transferkontostudie völlig unabhängig von Wirtschafts- und Budgetkrise so stark von der ÖVP in die Öffentlichkeit getragen wurde und wird. Es ist legitim zu glauben, dass einige Menschen im Kummer-Institut bzw. innerhalb der ÖVP dieser Studie einen hohen wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Wert beimessen und sie deshalb so stark befördern. In meiner subjektiven Wahrnehmung (Irrtum ist immer und jederzeit möglich) kann ich diese Story lediglich nicht glauben. Österreich steht vor einer der größten budgetpolitischen Herausforderung der letzten Jahrzehnte. Eine Konsolidierung ab 2011-2012 wird unumgänglich sein. Einsparungen in der öffentlichen Verwaltung werden nicht ausreichen – zusätzliche Leistungskürzungen bzw. Steuererhöhungen werden notwendig sein, um den Staatshaushalt zu konsolidieren, alleine um die Vorgaben des Stabilitätspaktes zu erfüllen.</p>
<p>Die Hartnäckigkeit mit welcher eine inhaltlich und methodisch so fragwürdige Studie in der Öffentlichkeit breit getreten wird, ist für mich ein klares Indiz für eine langfristige Strategie mit einem ganz konkreten Ziel. Der Weg der Argumentation, der hier so konsequent bestritten wird soll dazu dienen die Kürzungen von Sozialausgaben mithilfe einer irreführenden Leistungsgerechtigkeitsdebatte zu legitimieren.</p>
<p>Dabei ist es politisch vollkommen legitim und für eine konservative Partei wie die ÖVP nur konsequent Kürzungen der Staats- bzw. Sozialausgaben zu verlangen, aber dann sollte dies (Transparenz!) seitens der BefürworterInnen auch klar der Bevölkerung mitgeteilt werden.</p>
<p><span id="more-405"></span></p>
<p><strong>Transparenz und Schwelleneffekte </strong></p>
<p>Ein „Mehr“ an Transparenz ist zwar nicht immer und zu jedem Preis (Datenschutz), aber in vielen Bereichen  prinzipiell wünschenswert (Stichwort: Bankenhilfspaket).  Allerdings ergibt sich gerade im Bereich der Sozialleistungen kein großer Spielraum für zusätzliche Durchsichtigkeit. All jene Menschen, die Transferleistungen beziehen, müssen ihr Einkommen und das ihrer Familie vor den zuständigen Behörden ohnedies komplett offenlegen. Die Behörden wissen also welche Familien, welche Transfers in welcher Höhe bekommen. Die verstreuten Informationen müssten lediglich zusammengeführt werden. Die notwendigen Daten sind vorhanden und die Transparenz auf individueller Ebene ist hier im Gegensatz zu anderen Bereichen hoch.</p>
<p>Um festzustellen, dass das von der ÖVP eingeführte einkommensunabhängige Kinderbetreuungsgeld Schwelleneffekte produziert, muss nicht eine umfassende Studie in Auftrag gegeben werden.  Dieser Umstand war immer bekannt.</p>
<p>Dort wo es möglich und sinnvoll ist, sollten Transparenz erhöht sowie Schwelleneffekte beseitigt werden. Am einfachsten wäre Letzteres möglicherweise  zu erreichen indem Schritt für Schritt Geldleistungen durch Sachleistungen (gratis Kinderbetreuung) substituiert werden würden. Dies könnte zusätzliche positive Effekte mit sich bringen (bessere Chancengleichheit zwischen Frau und Mann etc.).</p>
<p><strong>In welchen Bereichen es tatsächlich an Transparenz mangelt</strong></p>
<p>Wenn wir in Österreich über Transparenz sprechen wollen, dann sollten wir einen Blick auf die Verteilung der Vermögen werfen. Hier geht die Transparenz, im Gegensatz zu anderen Bereichen, gegen Null.  Dazu nur soviel: Neueste Erhebungen der Nationalbank (<a title="ÖNB-Studie zu Vermögensverteilung" href="http://www.oenb.at/de/img/2_schlager_schuerz_tcm14-143473.pdf" target="_blank">PDF</a>) haben gezeigt, dass bei Immobilienerbschaften in Österreich ein Gini-Koeffizient von 0,94 vorliegt. Der Gini Koeffizient zeigt bei einem Wert von “0” eine absolut gleichmäßige Verteilung an (jede Person in Österreich würde in diesem Fall in etwa im selben Ausmaß Immobilienvermögen erben), ein Wert von“1” bedeutet hingegen absolute Ungleichheit (Eine Person in Österreich erbt das gesamte Immobilienvermögen, alle anderen erben praktisch nichts).</p>
<p>Alleine dieser Wert ist, im Gegensatz zur Tatsache, dass bei Sozialtransfers mit „Freigrenze“ Schwelleneffekten auftreten, tatsächlich eine neue Erkenntnis. Dort wo es möglich und sinnvoll ist, sollten Transparenz erhöht sowie Schwelleneffekte beseitigt werden (Zuverdienstgrenze beim Kinderbetreuungsgeld) .  Dazu benötigen wir aber weder ein Transferkonto noch eine konstruierte Debatte über Leistungs- und Verteilungsgerechtigkeit.</p>
<p><strong>Eine Frage von Kosten und Nutzen</strong></p>
<p>Wenn das Transferkonto kommt, verursacht es Kosten. Die budgetären Mittel, die in die Erstellung eines solchen Kontos fließen würden, könnten (gerade in Zeiten bevorstehender, umfassender Budgetkonsolidierung) besser eingesetzt werden.</p>
<p><strong>Zur Kritik an der Transferstudie des Grazer Joanneum Research</strong></p>
<p>Im Gastkommentar werden drei zentrale Kritikpunkte an der Studie geäußert: Rechenfehler, absurde Annahmen und Schlussfolgerungen.  Ich möchte in dieser ausführlicheren Replik zwei Dimensionen hinzufügen: wissenschaftlicher Anspruch und wissenschaftliche Unabhängigkeit.  Diese Dimensionen sollen zeigen, warum ich die Studie als „unseriös“ erachte.</p>
<p><strong>Zum wissenschaftlichen Anspruch und zur Unabhängigkeit</strong></p>
<p>Schon seit längerer Zeit ist innerhalb der Wirtschaftswissenschaften der Trend in Richtung Auftragsforschung festzustellen.  Viel zu oft lassen die Ergebnisse daraus sehr leicht auf die AuftraggeberInnen schließen.  Interessensvertretungen (AK vs. WK) oder parteinahe Institutionen (Kummer vs. Karl-Renner) sind dabei besonders leicht anhand der Forschungsresultate zu identifizieren. Die Ökonomie ist als Sozialwissenschaft ein besonders umkämpftes Feld. Heterodoxe (oft fälschlich pauschal als „Linke“ bezeichnete) ÖkonomInnen können in etwa behaupten, Lohnzurückhaltung (Politik der zurückliegenden Jahrzehnte) sei wachstumshemmend, während ihre Opponentinnen aus dem Mainstream (orthodoxe ÖkonomInnen) schlicht und ergreifend das Gegenteil behaupten <span style="text-decoration: underline;">können</span>.  Beides ist, gegeben bestimmte Annahmen, (auch wissenschaftlich) grundsätzlich vertretbar.</p>
<p>Die Studie des Grazer Joanneum Research kann und darf daher nicht unabhängig von ihrer Auftraggeberin betrachtet werden. Deshalb richten sich die Vorwürfe auch nicht an eine bestimmte Person.</p>
<p>Wissenschaftlicher Anspruch und Unabhängigkeit sind zwar eng miteinander verbunden, doch ist es möglich, auch in politischer Abhängigkeit Ergebnisse so zu präsentieren, dass sie einem grundlegenden wissenschaftlichen Anspruch genügen und sich zu einem gewissen Grad von den AuftraggeberInnen zu emanzipieren.  Genau diese Anforderung kann die Studie aber nicht erfüllen:</p>
<p><strong>1) </strong>Eine Verteilungsstudie (und nichts anderes kann eine Transferstudie sein) muss notwendigerweise, zumal sie sich auf Beispiele konzentriert,  mit empirischen Daten arbeiten.  In der Studie selbst wird  der EU SILC Datensatz , welcher sich für die Fragestellungen ausgezeichnet eignen würde, nur kurz verwendet. Statt mit diesen empirischen Daten weiterzuarbeiten, werden anschließend jedoch lieber aus der Luft gegriffene Beispiele konstruiert. Dabei spielt es für die AutorInnen keine Rolle ob diese Konstrukte in der Realität von Relevanz sind. Es wird nicht überprüft ob auch nur eine einzige Familie in der Steiermark bzw. in  Österreich existiert, deren Lebenssituation mit einem dieser theoretischen Konstrukte halbwegs übereinstimmt. Hätten die AutorInnen dies gemacht, hätten sie beispielsweise dokumentieren müssen, dass lediglich 40 Kinder in der gesamten Steiermark in einer Kindergrippe untergebracht sind (vgl. Pirklbauer (2009)).</p>
<p><strong>2) </strong> Die Präsentation der Ergebnisse sollte – auch wenn dies oft schwierig erscheint – in einer möglichst wertfreien Sprache erfolgen, schließlich handelt es sich um wissenschaftliche Erkenntnisse. Ausdrücke wie „gerecht“ oder „ungerecht“ sollten vorsichtig eingesetzt und möglichst vermieden werden. Denn im Gegensatz zu Begriffen wie „egalitär“ oder „weniger egalitär“ behandeln sie subjektive Eindrücke wie objektive Gegebenheiten. In wissenschaftlichen Studien sind solche Begriffe daher Fehl am Platz. Diese gehören vielmehr in die politische Diskussion, in Kommentare oder Artikel in Zeitungen (Hier kann jede Person für sich entscheiden, was „gerecht“ ist und was nicht). Was das Wort „Sektempfang“ in einer Verteilungsstudie zu suchen hat, bleibt das Geheimnis der AutorInnen. Ein Auszug aus der Kurzfassung der Transferstudie des Grazer Joanneum Research soll dies kurz illustrieren.</p>
<blockquote><p>„Die Frage „Wozu überhaupt noch arbeiten“ bekommt angesichts dieser Zahlen einen anderen Klang. Es handelt sich dabei nicht mehr nur um das Raunzen von zwei Wohlsituierten, die sich bei einem Sektempfang darüber beklagen, dass sie mit einem zusätzlichen Aufsichtsratsmandat zur Hälfte für den Fiskus arbeiten. Es wird ein ehrlicher Ruf der Verzweiflung von Familien in der Gründungsphase, wenn es finanziell überall am meisten mangelt, es aber aussichtslos erscheint, sich durch eigene Leistung von der derzeitigen Situation zu verbessern. Gerade in der Lebensphase mit einer naturgegeben hohen Leistungsbereitschaft, wird es jungen Familien verunmöglicht, etwas Aufzubauen, stattdessen wird Mehrleistung mit einem Grenzsteuersatz von 100 % bestraft.“ (Prettenthaler (2008))</p></blockquote>
<p>Zunächst wird hier ein selbst konstruierter (empirisch nicht beobachteter, tatsächlicher) Ausnahmefall generalisiert, womit suggeriert wird, dass ein Großteil der Familien sämtliches Einkommen, das über einen bestimmten Betrag hinausgeht zu 100% wieder abgeben muss, was schlicht und ergreifend falsch ist. Selbst wenn diese Behauptung zutreffend wäre, genügt die Sprache hier wissenschaftlichen Mindeststandards nicht.</p>
<p>Ein weiteres Beispiel für sprachliche Dramaturgie, statt nüchterner Tatsachenfeststellung findet sich in folgender Passage, die nicht weiter kommentiert werden soll.</p>
<blockquote><p>„ „Wildwuchs“ ist eine treffende Bezeichnung für diesen wenig wünschenswerten Zustand eines Systems, das sich ständig weiter verzweigt und in dem keine Woche vergeht, in der nicht irgendwelche Zuschüsse, sozial gestaffelte Tarifsenkungen oder ähnliches gefordert und meistens unter völliger Abwesenheit eines analytischen Blicks auf das Gesamtsystem auch implementiert wird. „Wild“ trifft als Bezeichnung für dieses System deshalb zu, weil es völlig unkontrolliert ist, und weil auch keine Institution erkennbar ist, die sich dieses Problems mit steuernder Absicht annimmt. Weiters trifft als Bezeichnung dafür der Begriff „Wuchs“ zu, weil alle Hinzufügungen historisch durchaus nachvollziehbar sind, das Ganze aber mittlerweile eine quantitative Dimension angenommen hat, die auch das ursprüngliche Ziel, mehr soziale Gerechtigkeit herzustellen, aus den Augen verloren hat und mittlerweile für beträchtliche Schwellenphänomene, Armutsfallen und ungerechtfertigte Benachteiligungen verantwortlich ist.“ (Prettenthaler (2008))</p></blockquote>
<p><strong>3)</strong> Zu guter Letzt ist ein zentraler Anspruch jedweder wissenschaftlichen Arbeit die Reduktion von Komplexität bzw. die Aussonderung von Redundanzen, um die wichtigsten Ergebnisse klar und verständlich für eine möglichst große Zahl an Leserinnen und Leser bereitzustellen. Hier liegt ein weiteres Manko der Studie begraben. Der angesprochene „Schwelleneffekt“ (mehr Brutto weniger Netto) wird nämlich tatsächlich, wenn überhaupt, von zwei Transfers verursacht: Wohnbeihilfe und Kinderbetreuungsgeld.  Anstatt dieses Ergebnis aber zu dokumentieren wird nicht nur einfach darüber hinweg gegangen, sondern es werden zusätzliche Transfers in die Analyse einbezogen, die quantitativ praktisch unbedeutend sind.  So werden beispielsweise „Zuschüsse zu Turnusse der Kindererholung in Ferien“ sowie „Förderung der Kindererholungsaktion“ angegeben. Dieser Betrag ist jährlich in jedem Fall mit 450 Euro gedeckelt. Dieser Zuschuss steigert das monatlich verfügbare Einkommen also um maximal 37,5 Euro (zum Vergleich &#8211; das Kinderbetreuungsgeld geht in die Transferbilanz mit 436 Euro im Monat ein). Betrachten wir die „Förderung der Kindererholungsaktion“ isoliert, sprechen wir von einer monatlichen Subvention von maximal 8,33 Euro.  Wenn es außerdem darum geht Anreizwirkungen zu untersuchen, ist es fragwürdig ob etwa der Kinderzuschuss wirklich ein Anreizproblem darstellt. Dieser wird für bedürftige Eltern nämlich ausschließlich im ersten Lebensjahr des Kindes bereitgestellt (Näheres dazu unter Annahmen).</p>
<p>Dramatisierende Sprache, Generalisierung von empirisch nicht beobachtbaren Ausnahmefällen sowie mangelnde Fokussierung auf die zentralen Ergebnisse, dokumentieren klar und deutlich die Seriosität dieser Studie.</p>
<p><strong>Zu den absurden Annahmen und den dazugehörigen Schlussfolgerungen</strong></p>
<p>Blenden wir vorübergehend alle oben beschriebenen Probleme aus und widmen uns den Annahmen, die in der Studie offenbar getroffen, aber nie thematisiert werden.  Wenn in der ökonomischen Forschung Anreizwirkungen im Zentrum des Interesses stehen ist es notwendig ein Modell zu formulieren. Es muss sich dabei nicht um ein formales Modell handeln, aber ich benötige einen Rahmen, in dem ich mich in meiner Argumentation bewegen kann. Die Joanneum Studie kennt als einzige Anreizwirkung für  die Individuen bzw. Familien offenbar das aktuelle (in diesem einem Monat, also „heute“) Nettoeinkommen inkl. Transfers. Damit schreibt sie den Akteuren implizit ganz bestimmte Verhaltensannahmen zu und trifft nebenbei auch Annahmen über das ökonomische Umfeld, in dem sich die Individuen bewegen. Diese Vorgehensweise ist in der Ökonomie geläufig, sie muss aber in jeder Studie dokumentiert und begründet werden.  Es folgt nun eine (nicht vollständige) Aufzählung einiger Annahmen, die hier still und heimlich getroffen wurden.</p>
<p>1) Es existiert keine bzw. lediglich friktionelle Arbeitslosigkeit</p>
<p>Ein Individuum kann nicht mehr arbeiten bzw. eine besser bezahlte Stelle annehmen, wenn keine entsprechende Nachfrage dafür existiert.  Bei hoher Arbeitslosigkeit sind die Erwerbschancen entsprechend geringer. Viel bedeutender erscheint aber die Tatsache, dass bei hoher Arbeitslosigkeit die Verhandlungsmacht der ArbeitgeberInnenseite grundsätzlich besser ist.  Das strategische Verhalten im Hinblick auf die optimale Anpassung von Arbeitszeit und Arbeitslohn (sodass bei möglichst geringem Arbeitseinsatz noch möglichst viel an Transferleistungen aus dem System abgeschöpft werden kann) wird somit stark eingeschränkt. Grundsätzlich unterstellt die Studie ein neoklassisches Arbeitsmarktmodell, mit all den Folgen für die Bestimmung von Wohlstand und Wachstum (die hier aus Platzgründen nicht weiter ausgeführt werden können).</p>
<p>2) Die Individuen sind extrem kurzfristig ausgerichtet (sie kennen kein „Morgen“)</p>
<p>Mit Ausnahme der Wohnbeihilfe, knüpfen viele, als problematisch beschriebene, Transfers an den ersten zwei bis drei Lebensjahren der  Kinder an.  Für das Kinderbetreuungsgeld wird dabei grundsätzlich die Variante (30+6) gewählt. Warum geht aus dem Text nicht hervor. Der Zuschuss zur Kindergrippe ist ebenfalls beschränkt. Dieser steht, sofern die Einkommensvoraussetzungen erfüllt sind, lediglich bis zum 3. Lebensjahr des Kindes zur Verfügung. Der Kinderzuschuss wird überhaupt bloß im ersten Lebensjahr ausbezahlt. Wir wissen nun aber, dass die Kosten für Kinder mit zunehmendem Lebensalter tendenziell steigen (Schulbildung, Mobilität etc.).  Spätestens mit der Vollendung des 3. Lebensjahres fallen die entsprechenden Zuschüsse weg. Bemühen wir an dieser Stelle ausnahmsweise ein populärwissenschaftliches Beispiel zur Verdeutlichung. „Eine vollzeitbeschäftigte Supermarkt Kassiererin bezieht Kinderbetreuungsgeld. Mit einem Bruttogehalt von 1.250 Euro liegt sie knapp unter der jährlichen Zuverdienstgrenze von 16.200 Euro. Zum 2. Geburtstag ihres Kindes bekommt sie einen Job als Filialleiterin mit einem monatlichen Salär von 1.800 Euro Brutto angeboten.  Sie würde einen (großen Teil) des zusätzlichen Einkommens abgeben, da sie die Zuverdienstgrenze für das Kinderbetreuungsgeld überschreitet.  Die Studie suggeriert, dass sie diesen Job nicht annehmen wird. Sie muss mehr arbeiten, das verfügbare Einkommen steigt jedoch nicht oder nur sehr gering (im theoretischen Extremfall könnte es sogar leicht zurückgehen).  Was nun aber passiert am 3. Geburtstag des Kindes? Das Kinderbetreuungsgeld ist weg und sie ist hat noch immer den schlechter bezahlten Job, die Stelle an der Filialleitung hat mittlerweile eine andere Person angenommen. Ihre Chefin ist nicht gerade gut auf sie zu sprechen, weil sie vor einem Jahr von ihr im Stich gelassen wurde. Mit einer Beförderung könnte es auf Zeit womöglich nicht mehr wirklich gut aussehen. Dies ist unangenehm, da gerade in den nächsten Jahren die Kosten für das Kind eher ansteigen werden.“</p>
<p>Sobald Familien über einen längeren Zyklus (bis zum 15-18 Geburtstag des Kindes/der Kinder) verglichen werden, spielen die oben beschriebenen Effekte praktisch keinerlei Rolle mehr. Ich würde hier die Annahme treffen, dass Familien nicht nur bis zum 3. Lebensjahr des Kindes/der Kinder sondern eben darüber hinaus denken. In meiner Vorstellung (Modell) würden die Schwelleneffekte daher kaum eine Rolle spielen – wie bereits gesagt, alles eine Frage der Annahmen. Welche „plausibler“ sind, muss jede Person für sich selbst bewerten, sofern es nicht durch Befragung der Familien zu ermitteln wäre.</p>
<p>3) Eltern (insb. Mütter) sind indifferent zwischen höheren Markteinkommen und einem „Mehr“ an Kindern (und somit einem „Mehr“ an Transfers)</p>
<p>Gehen wir noch mal zurück zu unserer Supermarkt Kassiererin, zu jenem Augenblick an dem sie sich entscheiden muss zwischen besser bezahltem Job und weniger Arbeit, dafür mehr Transfers. Neben dem kurzfristigen Horizont, wäre auch eine andere Annahme denkbar. Insbesondere Mütter sind möglicherweise indifferent zwischen einem höheren Markteinkommen und einem „Mehr“ an Kindern und somit auch an Transfers.  Statt den besser bezahlten Job anzunehmen, entscheiden sich Menschen mit niedrigem Einkommen systematisch dafür Kinder „zu produzieren“.  Dies wird in der Joanneum Studie tatsächlich als Problem identifiziert (Anm.: Ein Blick in Guger (2009) wäre ausreichend gewesen, um festzustellen, dass die Anzahl der Kinder mit steigendem Haushaltseinkommen zu- und nicht abnimmt).  Über die tatsächlichen Kosten (über den Lebenszyklus) eines zusätzlichen Kindes machen sich die Eltern keine Gedanken. Sie beziehen lediglich die Zuschüsse, die großteils innerhalb der ersten 3 Lebensjahre des jeweiligen Kindes anfallen, in ihre Maximierungsüberlegungen ein. 2 Jahre nach der Geburt des Kindes, wird eine neue Entscheidung zwischen mehr oder besser bezahlter Arbeit (sofern es der Arbeitsmarkt überhaupt zulässt &#8211; mit steigendem Alter, steigen die Chancen am Arbeitsmarkt ja nicht gerade an) oder aber einer neuerlichen Schwangerschaft (diese dauert in der Regel 9 Monate) fällig.</p>
<p>4) Die Menschen kennen sämtliche Transfers und nehmen diese auch in Anspruch</p>
<p>Damit Anreizeffekte überhaupt eine Rolle spielen können, müssen die Individuen die entsprechenden Möglichkeiten überhaupt erst kennen. Einerseits wird nun aber in der Studie behauptet, dass System sei intransparent und kompliziert und selbst „eine Dissertantin, ihre halbe Dissertationszeit benötigt, um das System halbwegs zu durchschauen“ (vgl. Prettentaler im Standardkommentar vom 22.10.09), andererseits gehen die AutorInnen dennoch a priori davon aus, dass</p>
<p>a) Alle Individuen sämtliche Transfers kennen und auch in Anspruch nehmen<br />
b) Die budgetären Mitteln auf den jeweiligen Ebenen ausreichen um all die Anträge zu befriedigen</p>
<p>Ich möchte diese Kritik nicht falsch verstanden wissen.  Intransparenz im Angebot von Sozialleistungen kann ökonomisch unmöglich gewünscht sein. Aber strategisches Verhalten (wie es in der Studie unterstellt wird) bedingt ein gewisses Ausmaß an Wissen. Es ist logisch unmöglich, dass die Menschen das System nicht „kennen“, sich aber trotzdem strategisch so verhalten, also ob sie es „kennen würden“.</p>
<p>Wenn die AutorInnen feststellen, dass es aufgrund der zahlreichen Transfers, der komplizierten Berechnungsmethoden für die Anspruchsberechtigung usw. zu Unklarheiten kommt, so wäre es wiederum von ökonomischen Interesse gewesen, wie viele Menschen tatsächlich auf eine bestimmte Leistung Anspruch hätten, diese aber eben nicht geltend machen. Ähnliche Phänomene sehen wir ja bei der Negativsteuer, wo beinahe 50 % der Anspruchsberechtigten keinen Antrag stellen (siehe Daten zur ANV in der Lohnsteuerstatistik 2005).</p>
<p><strong>Zu der wissenschaftlichen Notwendigkeit von Annahmen in der Ökonomie</strong></p>
<p>Wie ich zu zeigen versuchte, beruht die Studie auf sehr speziellen &#8211; eigentlich„absurden“ – Annahmen. Es existieren bedeutendere ökonomische Untersuchungen, die Annahmen verwenden, welche Viele als nicht minder „absurd“ bezeichnen würden. In qualitativ hochwertigen, seriösen Studien werden diese Annahmen jedoch klar und deutliche dargelegt und erörtert. Verschiedene Leute können dann anderer Auffassung sein, die Annahmen kritisieren und einen Gegenvorschlag erarbeiten. Sie aber ex ante nicht darzulegen, ist sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus ethischer Perspektive grob fahrlässig.</p>
<p><strong>Zu den Schlussfolgerungen</strong></p>
<p>Die Schlussfolgerungen ergeben sich in der Studie von Prettenthaler et al. nicht aus empirischen Untersuchungen sondern direkt aus den getroffenen Annahmen. Die AutorInnen versuchen in ihrem Resümee, folgende Fragen zu beantworten.</p>
<p><em>Respektiert es (das (Transfer)System) die Leistungsanreize der Individuen und erlaubt somit eine ausreichende Produktion von Wohlstand, der umverteilt werden kann?</em></p>
<p>Hier wird ernsthaft behauptet, dass diese Frage <span style="text-decoration: underline;">eindeutig</span> mit „Nein“ zu beantworten ist, mit der Begründung, dass sich Schwellenphänomene für viele Familientypen ergeben. Dass diese großteils von Kinderbetreuungsgeld und Wohnbeihilfe erzeugt werden, wird genauso verschwiegen, wie die sehr speziellen Annahmen (siehe oben), die hier implizit über die Verhaltensweise der Individuen getroffen wurden.</p>
<p><em>Gibt es einzelne Gruppen, deren Klage, im System ungerecht behandelt zu werden, durch objektive Fakten belegbar ist?</em></p>
<p>Hier möchte ich den Schlusssatz der Studie zitieren: <em>„Die dritte Frage [Anm.: obige Frage] ist eindeutig mit Ja zu beantworten.“ </em>(Prettenthaler (2009)). Auch hier glauben die AutorInnen offensichtlich eine eindeutige Antwort gefunden zu haben.  Ich darf an dieser Stelle nochmals in Erinnerung rufen: Es ist weder bekannt noch wurde überprüft, ob es in der Steiermark (bzw. Österreich) auch nur eine einzige Familie gibt, deren Lebensrealität mit jener von den konstruierten Pseudofamilien halbwegs übereinstimmt. Es wurde in keiner Familie nachgefragt, ob beispielsweise die Mutter schon einmal einen besseren Job ausgeschlagen hat, weil sie dadurch kurzfristig Transfereinbußen beim Kinderbetreuungsgeld hätte hinnehmen müssen.</p>
<p><strong>Zu den Rechenfehlern</strong></p>
<p>Oftmals ist es populär eine Studie schlicht und ergreifend aufgrund von einfachen Rechenfehlern anzugreifen. Dies ist aber an dieser Stelle nicht mein Ziel. Rechenfehler können immer vorkommen. Angesichts der haarsträubenden Annahmen, Schlussfolgerungen sowie der mangelhaften Präsentation, nehmen sie  höchstens eine Nebenrolle ein. Nichtsdestotrotz werden in der Studie einige Fehler gemacht, von welchen einige kurz aufgezeigt werden sollen.</p>
<p>Die Studie liegt in einer Kurz- sowie einer Langfassung vor (Prettenthaler (2008), Prettenthaler (2009)). Nach ausführlicher Kritik der Berechnungen in der Kurzfassung haben die AutorInnen offenbar den Versuch unternommen, diese zu verbessern. Besonders eklatant Unterschiede ergeben sich bereits im zentralen 3-Familien-Beispiel der Studie zwischen Kurz- und Langfassung.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://blog.sektionacht.at/resources/tabelle-pirklbauer(2009).png"><img class="aligncenter" title="Tabelle Pirklbauer (2009)" src="http://blog.sektionacht.at/resources/tabelle-pirklbauer(2009).png" alt="" width="472" height="134" /></a></p>
<p>Es ergeben sich Differenzen in den Berechnungen für ein und denselben Sachverhalt von über 21%! Eine Klarstellung wie diese eklatanten Unterschiede entstehen können, fehlt in der Langfassung genauso wie eine exakte Dokumentation der Berechnung.</p>
<p>Außerdem werden die Steuerreform 2009,  die 13. Familienbeihilfe sowie der  AlleinverdienerInnenabsetzbetrag in den Berechnungen nicht berücksichtigt.</p>
<p><em>Der &#8220;Trick&#8221; mit dem 13. und 14. Gehalt</em></p>
<p>Eine wichtige Erkenntnis einer Sozialtransferstudie, wird normalerweise aus dem Verhältnis von Markteinkommen zu Transferleistungen gewonnen. Guger (2009) berechnet beispielsweise den Anteil der Sozialtransfers am verfügbaren Einkommen nach unterschiedlichen Einkommensklassen. Die Joanneum Studie nimmt als Basis Bruttomonatseinkommen, was prinzipiell für externes Publikum anschaulicher sein mag, im speziellen Fall von Österreich aufgrund der begünstigten Besteuerung des 13. und 14. Gehalts aber irreführend ist. Die wichtigsten Transfers (Kinderbetreuungsgeld, Wohnbeihilfe etc.), mit Ausnahme der 13. Familienbeihilfe – die aber in der Studie ohnehin nicht berücksichtigt wird &#8211; werden nämlich monatlich ausbezahlt. Das verfügbare monatliche Einkommen muss daher das 13. und 14. Gehalt aliquot beinhalten, um einen sinnvollen Vergleich mit den Transferleistungen anstellen zu können.  Außerdem sollte es klar sein, dass durch eine solche Darstellung, 1/7 (2/14) des tatsächlichen Jahresgehalts ausgeblendet wird. Dies lässt die Unterschiede in den (vermeintlichen) monatlich verfügbaren Nettoeinkommen inkl. Transfers absolut dementsprechend „kleiner aussehen“, als sie tatsächlich sind (um etwa 14 %).</p>
<p>Außerdem spielt auch die Milderung der Progression bei den hohen Einkommen eine zentrale Rolle. Der effektive Spitzensteuersatz liegt in Österreich bei 43,7 % und nicht bei 50 %. Nachdem die Schwelleneffekte (ausgelöst durch Wohnbeihilfe und Kinderbetreuungsgeld) aber deutlich tiefer liegen, macht es für eine reine Betrachtung von eben diesen, keine großen Unterschied &#8211; wohl aber für die Analyse des Gesamtsystems.</p>
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		<title>Und sie bewegt sich doch!</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jan 2010 09:21:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leonido</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sektion 8]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialdemokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Denkfabriken]]></category>
		<category><![CDATA[momentum]]></category>

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		<description><![CDATA[Leonhard Dobusch
Für Politik im allgemeinen und die Sozialdemokratie im besonderen gilt, dass sich beklagen einfach und sinnlos, etwas dagegen tun schwierig und sinnvoll ist. Umso erfreulicher ist es dafür, wenn Kritik in konstruktive Initiativen mündet. Gleich zwei derartige Initiativen laden nun zur Mitwirkung ein, die eine zum ersten, die andere bereits zum dritten Mal:
 Denkfabriken
Auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="www.dobusch.net" href="http://www.dobusch.net"><em>Leonhard Dobusch</em></a></p>
<p>Für Politik im allgemeinen und die Sozialdemokratie im besonderen gilt, dass sich beklagen einfach und sinnlos, etwas dagegen tun schwierig und sinnvoll ist. Umso erfreulicher ist es dafür, wenn Kritik in konstruktive Initiativen mündet. Gleich zwei derartige Initiativen laden nun zur Mitwirkung ein, die eine zum ersten, die andere bereits zum dritten Mal:</p>
<p><a title="Denkfabriken" href="http://denkfabriken.at/" target="_blank"><strong><strong> </strong></strong></a><strong><strong><a href="http://blog.sektionacht.at/resources/denkfabrik-logo.png"><img class="alignright" title="Logo Denkfabrik" src="http://blog.sektionacht.at/resources/denkfabrik-logo.png" alt="" width="258" height="221" /></a></strong>Denkfabriken</strong></p>
<p>Auf Einladung der Sozialistischen Jugend (SJ) findet am 13. Jänner, 19.00 Uhr im Wiener Rabenhof, die Auftaktveranstaltung zur <a title="Denkfabriken" href="http://www.denkfabriken.at" target="_blank">Denkfabrik</a> statt:</p>
<blockquote><p>„Die Denkfabrik“ versteht sich als Plattform für Diskussionen auf breiter Ebene. Wir wollen die Herausforderungen und Problemstellungen für die Sozialdemokratie gemeinsam mit allen, die mitmachen wollen, diskutieren und angehen und so ein kreativer und konstruktiver Impulsgeber innerhalb der SPÖ sein.</p></blockquote>
<p>Die SJ hat dabei eine illustre Runde <a title="Denkfabrick-ProponentInnen" href="http://denkfabriken.at/proponentinnen/" target="_blank">ProponentInnen</a> versammelt, die von den Ex-FrauenministerInnen Helga Konrad und Erwin Buchinger über den Journalisten <a title="Misik-Blog" href="http://www.misik.at" target="_blank">Robert Misik</a> bis hin VertreterInnen nahezu sämtlicher SPÖ-Vorfeldorganisationen wie <a title="Kinderfreunde" href="http://www.kinderfreunde.cc" target="_blank">Kinderfreunde</a>, <a title="aktion kritischer schülerInnen" href="http://www.aks.at" target="_blank">aktion kritischer schülerInnen</a>, <a title="FSG-Jugend" href="http://www.junge-fsg.at" target="_blank">FSG-Jugend</a> und <a title="VSStÖ" href="http://www.vsstoe.at" target="_blank">VSStÖ</a>.</p>
<p><a title="Momentum-Kongress.org" href="http://www.momentum-kongress.org/" target="_blank"><strong><strong> </strong></strong></a><strong><strong><a href="http://blog.sektionacht.at/resources/momentum010-cover.jpg"><img class="alignright" title="Cover Momentum 010" src="http://blog.sektionacht.at/resources/momentum010-cover.jpg" alt="" width="238" height="403" /></a></strong>Momentum 010: Solidarität</strong></p>
<p>Ebenfalls unter den Denkfabrik-ProponentInnen ist die politischen Leiterin der Kongressreihe Momentum, Barbara Blaha. Teilnahmebedingung für &#8220;<a title="Momentum010: Solidarität" href="http://www.momentum-kongress.org/"><em>Momentum 010: Solidarität</em></a>&#8221; von 21. bis 24. Oktober in Hallstatt/OÖ ist wie jedes Jahr das Verfassen eines kurzen Beitrages zu einem der ausgeschriebenen Themennetzwerke. Für den Kongress 2010 sind das die folgenden:</p>
<p><em>Netzwerk#1: Solidarische Wirtschaftspolitik</em></p>
<ul>
<li> <a title="Track #1" href="http://momentum09.org/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=15&amp;Itemid=76" target="_blank">Track #1: Verteilung und Umverteilung</a></li>
<li> <a title="Track #2" href="http://momentum09.org/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=16&amp;Itemid=75" target="_blank">Track #2 Transnationale Solidarität: Die Zärtlichkeit der Völker</a></li>
<li> <a title="Track #3" href="http://momentum09.org/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=17&amp;Itemid=74" target="_blank">Track #3 Arbeitsrecht und Arbeitsverhältnisse</a></li>
</ul>
<p><em>Netzwerk#2 Solidarität organisieren</em></p>
<ul>
<li> <a title="Track #4" href="http://momentum09.org/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=18&amp;Itemid=78" target="_blank">Track #4 Zukunft der Gewerkschaften</a></li>
<li> <a title="Track #5" href="http://momentum09.org/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=19&amp;Itemid=79" target="_blank">Track #5 Community Organizing und Graswurzel-Bewegungen</a></li>
<li> <a title="Track #6" href="http://momentum09.org/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=20&amp;Itemid=80" target="_blank">Track #6 Demokratische Organisationen in Wirtschaft und Politik: Von Lokal bis Global</a></li>
</ul>
<p><em>Netzwerk#3 Solidarität und Gesellschaft</em></p>
<ul>
<li> <a title="Track #7" href="http://momentum09.org/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=21&amp;Itemid=82" target="_blank">Track #7 Zukunft des Wohlfahrtsstaates</a></li>
<li> <a title="Track #8" href="http://momentum09.org/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=22&amp;Itemid=83" target="_blank">Track #8 Hegemonie in der Mediengesellschaft</a></li>
<li> <a title="Track #9" href="http://momentum09.org/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=23&amp;Itemid=85" target="_blank">Track #9 Was ist Solidarität</a></li>
</ul>
<p>Bleibt nur noch zu hoffen, dass viele der in den Denkfabriken angestoßenen Diskussionen in Momentum-Beiträgen münden und es so zu einem diskursiven Miteinander dieser Initiativen kommt.</p>
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		<title>Kärntner Volksfronten</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Dec 2009 14:02:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[BZÖ]]></category>
		<category><![CDATA[FPÖ]]></category>
		<category><![CDATA[Judäische Volksfront]]></category>
		<category><![CDATA[Kärnten]]></category>
		<category><![CDATA[Mashup]]></category>
		<category><![CDATA[Volksfront von Judäa]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p><object width="425" height="344"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/BBGmUI0u7Ic&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;rel=0"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/BBGmUI0u7Ic&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;rel=0" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344"></embed></object></p>
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		<title>Sozialdemokratie und Zeitgeist</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Dec 2009 23:34:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>niki</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialdemokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Analogie]]></category>
		<category><![CDATA[Kriegskredite]]></category>
		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Nikolaus Kowall
Die Zustimmung zu den Kriegskrediten von 1914 war der sozialdemokratische Beitrag zur Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Die Agenda 2010 war der deutsche sozialdemokratische Beitrag zur neoliberalen Wende und ihrer Krise. Das öffentliche Eingeständnis eines nationalistischen Irrweges wurde nach 1918 versäumt. Mit verheerenden Folgen. Das öffentliche Eingeständnis eines neoliberalen Irrweges – wie es SPD-Generalsekretärin Andrea [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="exilnik" href="http://exilnik.blogspot.com" target="_blank"><em>Nikolaus Kowall</em></a></p>
<p>Die Zustimmung zu den Kriegskrediten von 1914 war der sozialdemokratische Beitrag zur Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Die Agenda 2010 war der deutsche sozialdemokratische Beitrag zur neoliberalen Wende und ihrer Krise. Das öffentliche Eingeständnis eines nationalistischen Irrweges wurde nach 1918 versäumt. Mit verheerenden Folgen. Das öffentliche Eingeständnis eines neoliberalen Irrweges – wie es SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles in ihrem kürzlich erschienen <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/887/497195/text/">Buch</a> ablegt – ist heute die einzige Chance auf einen radikalen Neubeginn. Im Interesse der Sozialdemokratie und der von ihr vertreten Menschen.</p>
<p>Die sozialdemokratische Bewegung rühmt sich ihrer demokratischen und pazifistischen Geschichte. Nicht ganz zu Unrecht, hat sie doch zwischen den Kriegen sowohl in Deutschland als auch in Österreich meist alleine die Fahne der demokratischen Republik hochgehalten. Zeitgleich haben sich sowohl das bürgerliche Lager, als auch die Kommunisten autoritären bis schließlich totalitären Denk- und Handlungsmustern zugewandt. Im österreichischen Bürgerkrieg von 1934 hat die SDAP sogar die bürgerliche Demokratie mit der Waffe in der Hand gegen die Bürgerlichen verteidigt. Die Sozialdemokratie hat im Gegensatz zu Nationalisten (NS-Regime), Konservativen (Austrofaschismus) und Kommunisten (DDR) niemals ein diktatorisches Regime errichtet. Weder im deutschsprachigen Raum noch sonst wo. Sie war nie so dogmatisch um für ihre Überzeugungen Regime zu errichten, Angriffskriege zu führen oder Imperien auszurufen.</p>
<p><strong>Zwei große historische Irrtümer </strong></p>
<p>Die theoretische Offenheit der Sozialdemokratie ermöglicht immer wieder Adaptionen an die empirische Realität. Dieser reformistisch-evolutionäre Ansatz schützt allerdings nicht nur vor Dogmatismus, sondern öffnet auch Raum für Irrtümer. Dabei kam es gelegentlich zu Handlungen wider sozialdemokratischen Kernauffassungen. Klar ist es leichter im Nachhinein die Grenzen zwischen legitimer Alltagsstrategie und Verletzung substanzieller Wertvorstellungen zu erkennen, als in der Hitze des politischen Alltagsgefechts. Faktum ist, dass die deutsche Sozialdemokratie aus heutiger Sicht zwei Mal in ihrer Geschichte unantastbare Werthaltungen dem politischen Zeitgeist geopfert hat: <span id="more-396"></span></p>
<p>1914 erlag sie von einem Tag auf den anderen der spontanen nationalen Welle die ganz Europa erfasst hatte und ebnete dem nationalistischen Reißwolf den Weg. In der jüngsten Dekade erlag sie scheibchenweise der neoliberalen Doktrin, die die ganze Welt erfasst hatte und ebnete der aktuellen Krise den Weg. Anno 1914 lieferte sie die internationale Solidarität ans Messer und übernahm die vulgären Diskurse eines aggressiven Nationalismus. In der letzten Dekade lieferte sie die gesellschaftliche Solidarität ans Messer und übernahm die vulgären Diskurse eines aggressiven Neoliberalismus. Damals eine militärische Aufrüstung zu Gunsten einer imperialistischen Großindustrie und ihres nationalistisch verblendeten Bürgertums. Zuletzt eine ökonomische Aufrüstung zu Gunsten einer internationalen Großindustrie und ihres wirtschaftsliberal verblendeten Bürgertums. Im ersten Fall verdrängte eine irrwitzige nationale Solidarität – bekannt unter dem Begriff Burgfrieden – die sozialdemokratische Brüderlichkeit unter den Völkern. Im zweiten Fall verdrängte eine aggressive ökonomische Wettbewerbsdoktrin – eine Art nationalliberaler Burgfriede – die sozialdemokratische Brüderlichkeit zwischen den Völkern und in der eigenen Bevölkerung.</p>
<p><strong>Was wäre wenn?</strong></p>
<p>„Den Satz „Was wäre wenn“ gibt es in der Geschichte nicht“, warnen uns die gymnasialen Geschichtslehrer/innen mit ernster Mine. Es sind jene die uns bei anderer Gelegenheit mit andächtiger Stimme verkünden, dass man aus der Geschichte lernen müsste. Nun, das geht aber nur, wenn man sich vorstellen kann, dass Geschichte hypothetisch einen anderen Lauf genommen hätte. Da die Menschen die Geschichte machen und ihr Verlauf von deren Handlungen abhängt, ist es sehr wohl sinnvoll zu überlegen was Akteur/innen anders hätten tun können. Nur so kann die Geschichte bei der Gestaltung der Zukunft hilfreich sein.</p>
<p>Was wäre also passiert, wenn die SPD 1914 der Fels in der Friedensbrandung gewesen wäre, wenn sie im Reichstag gegen die Kriegskredite gestimmt und auf der Straße gegen das Völkerschlachten mobilisiert hätte? Es ist äußerst unplausibel, dass die teilweise auch von der Kriegseuphorie erfasste Arbeiterklasse sich an die Seite der SPD gestellt hätte oder gar ein von Deutschland ausgehender Eurostreik die Kriegsmaschinerie zum Erliegen gebracht hätte. Viel wahrscheinlicher ist, dass in Berlin die einzige wahrnehmbare Demo im Reich zustande gekommen wäre. Eine zahlenmäßig kleine, die von Passant/innen beschimpft und bespuckt worden wäre. Nach einer gewaltsamen Auflösung durch die Polizei, wären die Führungspersönlichkeiten der SPD – so wie Karl Liebknecht 1916 – wegen Hochverrats verurteilt worden und hätten die Kriegsjahre im Kerker verbracht. Das Einstehen für die Grundsätze hätte im Sommer 1914 einen realpolitischen Rohrkrepierer zur Folge gehabt.</p>
<p>Doch was für eine unfassbare moralische Autorität hätten diese Gefangenen im Herbst 1918 gehabt, wenn sie von der spontanen und friedlichen deutschen Revolution befreit worden wären? Mit welcher Glaubwürdigkeit hätten diese Persönlichkeiten die obrigkeitskritische Nachkriegsdynamik aufgreifen, die Kriegshetzer des Kaiserreiches als alleinige Verantwortliche für das Desaster darstellen und einer Dolchstoßlegende vorbeugen können? Mit welch weißer Weste hätte man den Nationalismus als die Bestialität der Epoche brandmarken können? Mit welch sensationellem Ergebnis wäre die geeinte SPD (sie hätte sich ja nie gespalten) aus den Wahlen von 1919 hervorgegangen? Mit welcher internationalen Anerkennung wäre eine solche SPD-geführte Regierung an ihre Schwesterparteien in England und Frankreich heran- und in Friedensverhandlungen eingetreten? Hätte Clemenceau dieser Friedensregierung in Versailles die gleichen harten Bedingungen diktiert? Wäre der Revanchismus in Deutschland jemals so stark geworden? Hätte man das dunkelste Kapitel in der deutschen Geschichte verhindern können? Würden heute in Berlin, Wien und Frankfurt noch hunderttausende Juden leben?</p>
<p>Legt man dieses Denkprinzip auf die letzte Dekade um, ergeben sich erstaunliche Analogien, auch wenn die historischen Dimensionen – bei aller Bedeutung der neoliberalen Wende und der Finanzkrise für die Menschen – trotzdem andere sind. Was also wäre passiert, wenn die SPD im letzten Jahrzehnt der Fels in der Brandung der sozialen Marktwirtschaft gewesen wäre? Wenn sie seit 1998 stets klassisch sozialdemokratische Wahlkämpfe geführt hätte und mit den Gewerkschaften gegen eine neoliberale Politik mobilisiert hätte? Wahrscheinlich wäre die SPD wie schon seit den 1980er-Jahren in Opposition geblieben, weil sie den Zeitgeist und die liberale Mitte eben nicht auf ihrer Seite hatte. Wahrscheinlich wäre sie von der rechtsliberalen deutschen Presse ordentlich geprügelt worden. Wahrscheinlich hätten die Leitfiguren in Werbebranche, Talkformaten und Finanzwelt die Führungsriege der SPD herablassend belächelt. Das Einstehen für die Grundsätze hätte in den 2000er-Jahren einen realpolitischen Rohrkrepierer zur Folge gehabt.</p>
<p>Doch was für eine unfassbare moralische Autorität hätten diese Führungspersönlichkeiten gehabt, wenn sich die Geschichte im Zuge der Finanzkrise plötzlich auf ihre Seite gestellt hätte? Mit welcher Glaubwürdigkeit hätten diese Persönlichkeiten die Propagandisten der Finanzialisierung als alleinige Verantwortliche für das Desaster brandmarken können? Mit welch weißer Weste hätte man den Neoliberalismus als den Irrtum der Epoche darstellen können? Mit welchem sensationellen Ergebnis wäre die geeinte SPD (sie hätte sich im Westen ja nie gespalten) aus den letzten Wahlen hervorgegangen? Mit welcher internationalen Anerkennung wäre eine solche SPD-geführte Regierung an Verhandlungen über eine neue Finanzarchitektur herangegangen?</p>
<p><strong>Opposition ist kein Mist </strong></p>
<p>Doch nicht nur der Ruf und die Glaubwürdigkeit der Sozialdemokratie, auch das reale sozioökonomische Gefüge Deutschlands sähe mit hoher Wahrscheinlichkeit anders aus als es derzeit der Fall ist, wäre die SPD in dieser letzten Dekade nicht an der Regierung gewesen. „Opposition ist Mist“ tönte Franz Müntefering. Das ist völlig unzutreffend, weil es nicht die Aufgabe einer Partei ist an der Regierung zu sein, sondern spezifische Inhalte umzusetzen. Diese Denke ist unsexy für die Parteiführung, aber elementar wichtig für die im Vordergrund stehenden politischen Ziele und gilt vor allem für die Sozialdemokratie, die – wie Erhard Eppler am jüngsten Parteitag völlig richtig anmerkte – „die politischste aller Parteien“ ist. Es können Konstellationen eintreten, wo man in einer richtigen Opposition mehr bewegen kann als in einer falschen Regierung. Ein klassisches sozialdemokratisches Profil von der Opposition aus wäre in der letzten Dekade zehnmal sinnvoller gewesen als die pseudomoderne Selbstaufgabe der Regierung Schröder. In keinem anderen Staat Europas ist der wirtschafts- und sozialpolitische Mainstream dermaßen nach Rechts abgeglitten wie im Deutschland der 2000er-Jahre. Wäre dies im gleichen Ausmaß passiert, wenn die linke Mitte opponiert hätte? Hätte sich eine CDU-Regierung anno 2002 die gleichen massiven rot-grünen Einschnitte getraut gegen SPD und Gewerkschaft durchzusetzen? Hätte sich jemals eine westdeutsche Linkpartei etablieren können?</p>
<p><strong>Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung </strong></p>
<p>Die SPD hatte schon im Vorfeld beider Ereignisse viele Fehler gemacht. Vor 1914 hat sie auf Grundlage des revolutionären Attentismus auf den unvermeidbaren „großen Kladderadatsch“ (Bebel) gewartet, anstatt zu begreifen, dass sie Geschichte nur mittels Taten selbst machen kann. Eine Theorie der reformistischen Tat anstelle der radikalen Phrase hätte die Einsicht in die Notwendigkeit von Handlung im Allgemeinen, und bei Kriegsausbruch im Speziellen erhöht. Vor Rot-Grün reichen Fehler bereits in die 1970er-Jahren zurück, so etwa die Ignoranz gegenüber der ökologischen Frage, wohl einer der wesentlichen Gründe für das Scheitern des Fordismus. Aber das Rad der Geschichte kann nie zurückgedreht werden, man muss das Beste aus dem machen was man hat. Trotz aller Fehler der Vergangenheit, für einen Kurswechsel ist es nie zu spät. Nach dem ersten Weltkrieg hätte eine einsichtige Sozialdemokratie das Ruder eventuell noch herumreißen können, ebenso wie es eine einsichtige Sozialdemokratie das auch heute tun kann. Damals hat es die SPD großteils verabsäumt die notwendigen Schritte zu setzen. Der jüngste Parteitag lässt hoffen, dass sie es heute tun wird. Wie hätte ein Politikprogramm nach dem Kriegsirrtum 1918 aussehen müssen bzw. wie müsste es 2009 nach Irrtum der letzten Dekade aussehen:</p>
<ul>
<li>Öffentliche Entschuldigung für die eigene Verblendung und glaubwürdige Korrektur der vergangenen Fehler.</li>
<li>Austausch aller maßgeblichen Akteur/innen des Irrtums und schonungslose Klarstellung ihrer historischen Rolle</li>
<li>Eingeständnis der deutschen Kriegsschuld wie es der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Eduard Bernstein ab 1918 vergeblich einforderte.</li>
<li>Eingeständnis des erheblichen Schuldanteils Deutschlands an Finanzialisierung und Krise 2009. Die Schuld kann nicht auf die USA abgeschoben werden.</li>
<li>Entschiedener Kampf gegen alle national-chauvinistischen und revanchistischen (2009: ultraliberalen und finanzialistischen) Bestrebungen.</li>
<li>Einigung mit der USPD (Linke) auf Basis einer antinationalistisch-pazifistischen (anti-neoliberalen) Grundhaltung sowie eines sozioökonomischen Kompromissprogramms zwischen den Strömungen.</li>
<li>Verwirklichung wichtiger Elemente des Programms von 1945 auch 1918 sowie 2009: Teilverstaatlichung und Kontrolle der Banken, Regulierung der internationalen Finanzarchitektur, Umsetzung etlicher sozialpolitischer Maßnahmen mittels Umverteilung.</li>
</ul>
<p>Selbstverständlich wirft unsere Zeit in den Bereichen Ökologie, Europa, arbeitslose Existenzsicherung oder geistiges Eigentum neue Fragen auf, die vor allem auch von der SPD beantwortet werden müssen. Nichts desto trotz bietet der traditionelle sozialdemokratische Kompass eine empirisch immer wieder bewährte politische Agenda, deren prinzipielle Ausrichtung nicht ausgewechselt werden muss. Der deutsche Soziologe Ferdinand Tönnies schloss sich 1930 der SPD an um die Nazis zu bekämpfen. Er war der Auffassung, wenn es keine Sozialdemokratie gäbe, müsste man sie erfinden. Die SPD muss sich dieser Jahre auf Basis guter alter sozialdemokratischer Werthaltungen wieder (er)finden.</p>
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		<item>
		<title>Direkte Demokratur</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Dec 2009 21:09:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leonido</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Direkte Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Minarettverbot]]></category>
		<category><![CDATA[Ochlokratie]]></category>

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		<description><![CDATA[Demokratie hat Grenzen. Sie verlaufen entlang der Menschenrechte.
Leonhard Dobusch
Die Schweizer Volksabstimmung ist vor allem ein Lehrstück über die Grenzen direkter Demokratie. Sie reiht sich ein in die traurige Serie von Abstimmungen über die sogenannte „Homo-Ehe“ in zahlreichen US-Bundesstaaten – allen voran die Abstimmung über „Proposition 8“ 2008 in Kalifornien, mit der die bereits erlaubte Eheschließung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Demokratie hat Grenzen. Sie verlaufen entlang der Menschenrechte.</strong></p>
<p><em><a title="www.dobusch.net" href="http://www.dobusch.net" target="_blank">Leonhard Dobusch</a></em></p>
<p><strong><span style="font-weight: normal;">Die Schweizer Volksabstimmung ist vor allem ein Lehrstück über die Grenzen direkter Demokratie. Sie reiht sich ein in die traurige Serie von Abstimmungen über die sogenannte „Homo-Ehe“ in zahlreichen US-Bundesstaaten – allen voran die Abstimmung über „<a title="Proposition 8 @ Wikipedia (en)" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Proposition_8" target="_blank">Proposition 8</a>“ 2008 in Kalifornien, mit der die bereits erlaubte Eheschließung für gleichgeschlechtliche Paare wieder verboten wurde. Was ist das für eine Demokratie, in der die Mehrheit über die Rechte einer Minderheit befragt wird?</span></strong></p>
<p><strong><span style="font-weight: normal;">„<em>Demokratie ist die Entscheidungsfähigkeit der Mehrheit unter Berücksichtigung der Minderheit</em>,“ hat Heide Schmidt einmal formuliert. Genau diese „Berücksichtigung der Minderheit“ ist es, die in aufgeklärt-demokratischen Systemen auch gegen noch so überwältigende, parlamentarische oder basisdemokratische Mehrheiten verteidigt und geschützt werden muss. Denn was Karl Popper in „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ für Freiheit postuliert hat, gilt auch für Demokratie: ihre Beschränkung ist Bedingung ihrer Existenz.</span></strong></p>
<p><strong><span style="font-weight: normal;">Demnach muss die Freiheit des Einzelnen begrenzt werden, um in mit Hilfe des Rechtsstaats die Freiheit des Einzelnen gegen das „Recht des Stärkeren“ zu verteidigen. Demokratie wiederum wird auch erst durch ihre Begrenzung mehr als eine bloße „Diktatur der Mehrheit“: Volksherrschaft ohne Gewaltenteilung und ohne demokratisch unantastbare Grund- und Menschenrechte ist Demokratur, oder wie die alten Griechen zu sagen pflegten: <a title="Ochlokratie @ Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ochlokratie">Ochlokratie</a>.<span id="more-392"></span><br />
</span></strong></p>
<p><strong><span style="font-weight: normal;">Dass auch abseits einer schrankenlos-direkten Demokratie die Durchsetzung von Minderheiten- und Menschenrechte noch schwer genug sein kann, dafür ist wiederum Österreich ein gutes (Negativ-)Beispiel: Über 30 Jahre ist der Kärntner <a title="Ortstafel-Sturm @ Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ortstafelsturm" target="_blank">Ortstafel-Sturm</a> nun her, zweisprachig sind heute immer noch die allerwenigsten Ortstafeln in den betroffenen Regionen. Aber nicht nur in Kärnten haben Menschenrechte und Religionsfreiheit einen schweren Stand: Als „Völlig unverständlich“ bezeichnete beispielsweise der oberösterreichische Landeshauptmann und Ex-Religionslehrer Josef Pühringer das Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs, der Kreuze in Schulklassen als Verstoß gegen die Trennung von Staat und Kirche verurteilt hat.</span></strong></p>
<p><strong><span style="font-weight: normal;">Wenn es etwas Gutes gibt an der Schweizer Abstimmung über das Minarettverbot, dann dass das Ergebnis eindrucksvoll demonstriert hat, wie dünn und brüchig die Fassade von Zivilisation und Freiheit tatsächlich ist. Und sie zeigt, dass die auch von vielen Linken wie dem Publizisten <a title="christian-felber.at" href="http://www.christian-felber.at/" target="_blank">Christian Felber</a> (z.B. jüngst in einem <a title="Felber vs. Ortner @ Falter" href="http://www.falter.at/web/shop/detail.php?id=30598&amp;SESSID=425d885b4a0ff64eb73bd0bbdd60a188" target="_blank">Streitgespräch mit Christian Ortner</a>) geforderte, direktere Demokratie keineswegs automatisch „mehr“ oder sogar „bessere“ Demokratie bedeuten muss.</span></strong></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Misik über &#8220;die Leistungsträger&#8221;</title>
		<link>http://blog.sektionacht.at/2009/12/misik-uber-die-leistungstrager/</link>
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		<pubDate>Tue, 01 Dec 2009 08:19:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>

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		<title>Uni-Besetzungen: Die Europakarte</title>
		<link>http://blog.sektionacht.at/2009/11/uni-besetzungen-die-europakarte/</link>
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		<pubDate>Sat, 14 Nov 2009 09:12:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Audimax-Besetzung]]></category>
		<category><![CDATA[Europakarte]]></category>
		<category><![CDATA[Unibrennt]]></category>
		<category><![CDATA[Universitätspolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Unsere Unis auf einer größeren Karte anzeigen
Tom Schaffer hat auf seinem Blog begonnen, die europäische Dimension der aktuellen Universitätsprotestbewegung mit Hilfe von Google-Maps zu dokumentieren. (via)
Legende:
Rot: Besetzt
Gelb: Geräumt
Grün: Freigegeben
Blau: Andere Proteste
Bei unklarer Informationslage ist in der Beschreibung ein Fragezeichen.
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			<content:encoded><![CDATA[<p><iframe width="425" height="350" frameborder="0" scrolling="no" marginheight="0" marginwidth="0" src="http://maps.google.at/maps/ms?ie=UTF8&amp;hl=de&amp;msa=0&amp;msid=116283369278129786033.0004778dfa81fb402d565&amp;source=embed&amp;ll=49.21042,8.876953&amp;spn=23.014452,46.582031&amp;output=embed"></iframe><br /><small><a href="http://maps.google.at/maps/ms?ie=UTF8&amp;hl=de&amp;msa=0&amp;msid=116283369278129786033.0004778dfa81fb402d565&amp;source=embed&amp;ll=49.21042,8.876953&amp;spn=23.014452,46.582031" style="color:#0000FF;text-align:left">Unsere Unis</a> auf einer größeren Karte anzeigen</small></p>
<p>Tom Schaffer hat auf seinem <a title="Tom Schaffer" href="http://zurpolitik.com/2009/11/10/unsere-unis-eine-karte/" target="_blank">Blog </a>begonnen, die europäische Dimension der aktuellen Universitätsprotestbewegung mit Hilfe von Google-Maps zu dokumentieren. (<a title="Commandantina" href="http://bureau.comandantina.com/archivos/2009/11/die_unis_brennen_1.php" target="_blank">via</a>)</p>
<p><em>Legende:</em><br />
Rot: Besetzt<br />
Gelb: Geräumt<br />
Grün: Freigegeben<br />
Blau: Andere Proteste<br />
Bei unklarer Informationslage ist in der Beschreibung ein Fragezeichen.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>10 Thesen für eine bessere Lehre</title>
		<link>http://blog.sektionacht.at/2009/11/10-thesen-fur-eine-bessere-lehre/</link>
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		<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 17:36:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>yussi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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		<category><![CDATA[Lehre]]></category>
		<category><![CDATA[Universitätspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[Yussi Pick
Vorbemerkungen: In den letzten Tagen ist Unipolitik wieder in aller Blogs. Völlig zurecht hat Niki Kowall an dieser Stelle kritisiert (&#8221;Augenmerk auf die Lehre&#8220;), dass sich die Diskussion in der höheren Bildungspolitik nur um die „big picture“ Themen Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren dreht, nicht aber um die Qualität der Lehre. Er hat dabei den Ball [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Yussi goes to..." href="http://yussipick.wordpress.com/" target="_blank"><em>Yussi Pick</em></a></p>
<p><strong>Vorbemerkungen: </strong>In den letzten Tagen ist Unipolitik wieder in aller Blogs. Völlig zurecht hat <a title="Exilnik" href="http://exilnik.blogspot.com" target="_blank">Niki Kowall</a> an dieser Stelle kritisiert (&#8221;<a title="Niki Kowall &quot;Augenmerk auf die Lehre&quot;" href="http://blog.sektionacht.at/2009/11/augenmerk-auf-die-lehre/">Augenmerk auf die Lehre</a>&#8220;), dass sich die Diskussion in der höheren Bildungspolitik nur um die „big picture“ Themen Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren dreht, nicht aber um die Qualität der Lehre. Er hat dabei den Ball aufgenommen, den Jakob Huber in seinem Beitrag &#8220;<a title="Jakob Huber &quot;..Bessere Unis!&quot;" href="http://blogs.webzeilen.net/huber/2009/11/06/sanfte-lenkung-oder-fairness-bessere-unis/" target="_blank">Sanftheit oder Fairness? Bessere Unis!</a>&#8221; gespielt hat. Während Niki vor allem den Status Quo kritisiert, habe ich aufbauend und ergänzend, 10 Thesen zur Verbesserung der derzeitigen Situation geschrieben. Es ist das Ergebniss von sechs Jahren Unierfahrung in Österreich und einem Jahr als Teaching Assistant in den USA.­</p>
<p>Es sind bewusst kleine, unaufwändige und wenig kostspielige Veränderungen, die meine Studienerfahrung an der Uni Wien wesentlich besser gemacht hätten. Es sind keine großen, systemüberwindenden Würfe. Das könnte auch zu Schwierigkeiten bei der Umsetzung führen: Wenige davon sind per top-down Verordnung zu erreichen; die Thesen sind kulturverändernd, plädieren für eine Änderung des Lehrverhaltens jedes/r einzelnen ProfessorIn.</p>
<p>Die Liste ist weder vollständig noch geordnet und aus Perspektive eines Geisteswissenschaftlers geschrieben, was dennoch nicht zu allzu vielen „bei uns ist das aber ganz anders“-Reaktionen führen sollte.</p>
<p><strong>1. Referatsflut eindämmen</strong></p>
<p>Es kursieren zwei Argumente für die Methode „Studierendenreferate in Seminaren“. Erstens ist ein großer Teil von akademischer Arbeit die Präsentation von Ergebnissen, was während des Studiums geübt werden soll; zweitens besteht die romantische Vorstellung, Studierende würden Teilbereiche eines Themas bearbeiten und präsentieren. Die Realität sieht anders aus. Referate blockieren echtes Lernen und echte Diskussionen. Studierende lernen nichts, wenn sie Referate von KollegInnen anhören. Referate sind durchschnittlich schlecht gehalten (Wie können sie auch gut sein, wenn Studierende nie Rückmeldung darauf bekommen) und basieren nicht auf vorangegangenem Forschen. Will man in Seminaren wissenschaftliche Konferenzen simulieren (das scheint zumindest in der CTL Veranstaltung vom 17. April 2009 Mainstream zu sein, es stellt sich die Frage, ob Seminare, wenn schon Simulation, dann jene eines ForscherInnenteams sein sollte), so müssten Studierende zuerst eine Arbeit schreiben und erst dann ihre Ergebnisse präsentieren. Stattdessen halten Studierende Referate die zwar informieren, aber dadurch das Thema nicht aus einer wissenschaftlichen Perspektive vorstellen (Wie können sie auch, wenn sie noch nicht begonnen haben das Thema wissenschaftlich zu bearbeiten). <span id="more-382"></span></p>
<p>Es gibt zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: Entweder Studierende müssen vor Präsentation ihres Themas eine wissenschaftliche Arbeit dazu abgeben oder es muss auf Referate verzichtet werden. Auch wenn ich sie nicht während meiner Unikarriere gesehen habe, kann ich mir nicht vorstellen, dass es außer Referaten keine andere Lehrmethode in der Hochschuldidaktik gibt.</p>
<p><strong>2. Transparente Benotung und Feedback</strong></p>
<p>Eigentlich ein „No-Brainer“, gleichzeitig aber ein durchaus schwieriges Unterfangen. In der Schulpolitik wäre es noch relativ leicht, transparentere Benotung zu gewährleisten: Anonymisierung von Schularbeiten; Benotung der anonymisierten Schularbeiten von fremden LehrerInnen, etc. Auf der Uni ist das nicht mehr so leicht möglich. Dennoch gibt es ein paar Grundregeln, die leicht implementiert werden können: Seminararbeiten dürfen nicht einfach so benotet werden. Es muss eine Überarbeitungsphase geben. In meiner Unikarriere habe ich ein einziges Mal eine Seminararbeit mit Anmerkungen zurück bekommen. Zwar war der größte Kritikpunkt des Lehrenden, dass mir die Überschrift des vierten Kapitels auf Seite 8 gerutscht ist, dennoch hatte ich zum ersten und einzigen Mal das Gefühl, dass meine Seminararbeit aktiv von einer Lehrperson gelesen wurde. Natürlich ist die ProfessorInnenseite verständlich, die mit einem Stapel von 50 Seminararbeiten pro Seminar schon ohne zweite Phase überfordert sind. Das spricht wieder für den für Studierende gewöhnungsbedürftige bis unangenehmen Vorschlag in These Nr. 1, die Arbeiten nicht nach dem Semester sondern während des Semesters zu verlangen. Außerdem – und das wird in These 3 diskutiert werden – ist nicht einzusehen, dass an dieser sinnfreien Seitenanzahl von 20 festgehalten wird. Klar ist, dass diese Maßnahme schwer kostenneutral einzuführen sein wird, als erster Schritt können aber etwa vermehrt Peer Reviews eingesetzt werden. Wenn Studierende gegenseitig ihre Texte lesen und feedbacken, würden auch die quälenden Gruppenarbeiten erträglicher (weil sinnvoll).</p>
<p>Fazit: Durch das Schreiben von Seminararbeiten allein werden wissenschaftliche Skills der Studierenden nicht besser. Durch die Diskussion der Arbeit mit einer Lehrperson schon.</p>
<p><strong>3. Weniger Seminararbeiten, mehr Essays</strong></p>
<p>Die beiden vorhergegangenen Thesen haben eine Fragestellung von zwei Seiten aufgeworfen: Unter welchen Voraussetzungen ist es Studierenden zumutbar, wissenschaftliche Arbeiten unter dem Semester und nicht in der vorlesungsfreien Zeit zu verfassen? Und unter welchen Voraussetzungen ist es Lehrenden zumutbar, diese Arbeiten fundiert und individuell zu kritisieren. Die Antwort ist einfach: Weg von (Pro)Seminararbeiten – vor allem in den ersten Semestern/Proseminaren – hin zu argumentativen Texten. Proseminararbeiten und auch die meisten Seminararbeiten sind Zusammenfassungen wissenschaftlicher Erkenntnisse, also nichts anderes als die Tätigkeit, auf 12-20 Seiten Wortwolken rund um herausgesuchte Zitate zu bauen. Statt dieser meist stupiden Tätigkeit ist es für die weitere Studienkarriere wesentlich hilfreicher, das Aufstellen von Thesen und schriftliches Verteidigen/Argumentieren dieser zu üben. Diese Texte, die nicht länge, als sieben Seiten sein müssen, haben den Vorteil, auch unter dem Semester geschrieben und werden zu können. Es ist Studierenden sogar zuzumuten, zwei dieser Papers zu verfassen und so auf einen gleich hohen Seitenzahlgesamtschreibaufwand bei höherer Qualität zu kommen als bei einer Proseminararbeit.</p>
<p><strong>4. Einrichtung eines Writing Centers</strong></p>
<p>Schreiben ist eine der Haupttätigkeiten des wissenschaftlichen Arbeitens. Trotzdem kümmert sich die universitäre Lehre nicht darum, dass Studierende es können – sie setzt es voraus. In der Schule wird es nicht gelehrt, wie sollen Studierende es also können? Soll die Universität es ihnen beibringen? Nein, Schreiben kann nicht beigebracht werden. Es soll keine Lehrveranstaltung „Wissenschaftliches Schreiben“ in den ersten Semestern des Studiums geben.</p>
<p>Hier zeigt sich die Unkreativität universitärer Lehre. Sie glaubt, zu Lernendes kann nur in Lehrveranstaltungen vermittelt werden. Dabei würde eine Institution, die an vielen anderen Unis der Welt völlig selbstverständlich ist, reichen: Ein Writing Center. Es soll die erste Anlaufstelle für Studierende sein, die an irgendeiner Stelle im wissenschaftlichen Schreibprozess Schwierigkeiten haben. Sei es bei der Formulierung einer These, beim Erstellen einer Gliederung, Argumentieren oder in der Endredaktion: Eine universitäre Einrichtung – am besten in der Bibliothek angesiedelt – in der Studierende von SchreibtrainerInnen Hilfe und Feedback erhalten, würde die Qualität von wissenschaftlichen Arbeiten enorm heben. Nicht der/die ProfessorIn ist die erste Person, die eine Seminararbeit sieht und sofort benotet, sondern Peers, die nur dafür bezahlt werden, Texte besser zu machen. Wissenschaftliches Schreiben ist ohnehin lange genug eine sehr einsame Arbeit.</p>
<p><strong>5. Mehr Texte in Seminaren</strong></p>
<p>Eine Problematik, mit der sich die Unis in Österreich seit neuestem beschäftigen, ist die Frage, wie „Forschungsgeleitete Lehre“ funktionieren kann. Die einfache Antwort: Gebt uns aktuelle Artikel und Bücher/Kapitel zu lesen! Eine Studienkollegin von mir muss für ihre Diplomprüfung in einer Sprachwissenschaft einen Artikel lesen, in dem sinngemäß steht: „Bald werden silberne Scheiben, von denen der Computer mit Laser Daten ablesen kann, die Verwendung von Wörterbüchern revolutionieren.“ Es wäre schön, wenn diese Geschichte als Ausnahme vom Tisch gewischt werden könnte. Die gute Nachricht ist: Diese Lehrperson arbeitet zumindest mit Artikeln. Das ist nicht immer der Fall. Oft gibt es nicht einmal Literaturlisten in Seminaren (geschweige denn aktuelle), viele Studierende können keine fünf akademischen Journale ihrer Disziplin aufzählen, wissen selten was der/die ProfessorIn eigentlich forscht und wissen vor allem nicht über aktuelle Publikationen Bescheid. Das ist nicht ihre Schuld. Es ist die Schuld der Referatskultur (siehe These 1). Wäre es nicht viel sinnvoller, anstatt sinnloser wöchentlicher Referate zur Vorbereitung des Themas jede Woche ein bis zwei Texte zu lesen zu geben? Bisher wurden Referate – angeblich um den Teilaspekt eines Themas zu beleuchten – gehalten und danach (irgendetwas) diskutiert. Die DiskutantInnen (also alle nicht referatshaltenden Studierenden, die die Scheu vor dem in der LV den Mundaufmachen überwunden haben) hatten dabei zwei Ressourcen für ihre Argumente: Das Referat, dessen durchschnittliche Qualität im Laufe dieser Thesen bereits mehrfach angezweifelt wurde, und ihr Vorwissen – beides keine besonders stichhaltigen Quellen. Würde man Studierenden statt Referaten Texte vorlegen, wäre die Diskussion im Seminar qualitätvoller und die Summe aller Teilaspekte nachhaltiger vermittelt, als durch schlecht gehaltene Referate.</p>
<p><strong>6. Verkettungen nur, wo sie sinnvoll sind</strong></p>
<p>Voraussetzungsketten haben sich in den letzten Jahren langsam eingeschlichen. Man kann LV-B nur machen, wenn man LV-A absolviert hat. Manchmal macht das inhaltlich Sinn. Meistens ist es aber nur ein einfacher Weg der Finanz- und Controllingabteilung, Studierende in Kohorten und Jahrgänge einzuteilen. Für die Planung ist es gut, für die Studiendauer der Studierenden nicht. Es ist eine Dreifaltigkeit, die unnötige Verkettungen für Studierende zu einem Problem macht: Jahrgangssystem, Anmeldung zu Lehrveranstaltungen vor Beginn des Semesters und eben Verkettungen. Dieses Dreigestirn zwingt Studierende vermehrt dazu, Lehrveranstaltungen zu besuchen, die sie nicht besuchen wollen. Haben sie sich einmal angemeldet – ohne den Inhalt der Lehrveranstaltung zu kennen, schließlich steht im Vorlesungsverzeichnis nicht sehr oft mehr als ein Titel – haben sie durch die Verkettung nur zwei Möglichkeiten: Die für sie uninteressante LV zu besuchen oder abzubrechen und damit ihr Studium um ein Jahr zu verzögern – denn LV-A wird nur im Wintersemester angeboten. Verkettungen sind also aus einer Planbarkeitsperspektive das non plus ultra, schrauben aber sonst nur die Quote gelangweilter Studierender in die Höhe, die die LV unfreiwillig weiter besuchen.</p>
<p><strong>7. Shopping Week</strong></p>
<p>Der Weg weg von Referaten hin zu Texten und weg von Seminararbeiten hin zu Essays hätte noch einen Vorteil: Studierende könnten vor Begin der Lehrveranstaltung besser einschätzen, ob sie ihren Vorstellungen entspricht. Bisher gibt es über die Lehrveranstaltung nicht viel mehr Informationen als den Titel. Das wäre nicht so schlimm, könnte man sich die LV für eine gewisse Zeit ansehen. Das wird aber durch die Anmeldephase vor Beginn des Semesters verhindert: Zwar kann man sich gegen eine Lehrveranstaltung entscheiden, aber nicht ohne sein Studium zu verzögern.</p>
<p>Diesen blinden Entscheidungen für  Lehrveranstaltungen kann eben dadurch entgangen werden, dass Lehrende vor Beginn des Semesters den Seminarfahrplan mit Angaben zu zu lesenden Texten online stellen. Zusätzlich dazu sollte die Anmeldephase in die zweite oder dritte Semesterwoche verschoben werden. Zugegeben, ein Alptraum für jene Kräfte an der Uni, die Qualität gerne mit Zahlen ausdrücken und unter dem Schlagwort „Planbarkeit“ die Anmeldesysteme in ihre Kontrolle gebracht haben. Dennoch: Studierenden die Möglichkeit zu geben, eine Lehrveranstaltung und ihre/n -leiterIn ein bis zwei Wochen lang anzusehen, bevor sie sich ein ganzes Semester verpflichten würde die Uni ein großes Stück besser und Studierende ein großes Stück interessierter machen.</p>
<p><strong>8. Orientierungsphase sinnvoll gestalten</strong></p>
<p>Die durch die UG-Novelle zu implementierenden Studieneingangsphasen können als Chance genutzt werden, sinnvolle Orientierungsphasen zu implementieren. Sie können aber auch – weniger sinnvoll – als bloße Zugangsbeschränkungen gesehen werden. Auch wenn ich Zugangsbeschränkungen sehr kritisch gegenüberstehe, gibt es einen wichtigeren Fokus, denn woran bei den Diskussionen um Orientierungsphasen – und das wird auch bei der Gestaltung der Studieneingangsphasen nicht anders werden – nie gedacht wird, ist die Situation nach der negativen Orientierung. Damit meine ich, was ein/e StudierendeR macht, wenn er/sie sich gegen die Studienrichtung entschieden hat oder auch die Uni sich gegen den/die StudierendeN entschieden hat. Zu dem Zeitpunkt, wo die Entscheidung gefällt ist, sind nämlich alle anderen Orientierungsphasen auch schon angelaufen und der/die Studierende muss ein Semester warten, um sich in die nächste Orientierungsphase zu stürzen. Die Entscheidung für ein Studium muss man absurderweise noch immer vor der Orientierungsphase treffen. NACH der Orientierungsphase kann man sich nicht für Studium A oder B entscheiden, sondern nur mehr für oder gegen Studium A.</p>
<p>Dieses Dilemma ist leicht aufzulösen: Die Entscheidung für eine Studienrichtung soll erst nach einer Orientierungsphase fallen müssen. Es gibt genug Lehrinhalte, die in einem ersten Semester disziplinübergreifend gelehrt werden können und die in einer solchen allgemeinen Orientierungsphase abgewickelt werden können. Dabei will ich die Uni in ihrer Phantasie nicht überfordern: Die allgemeinen Orientierungsphasen können durchaus in größere Disziplinen (Fakultäten) unterteilt werden, wie ja auch die Interessen der Erstsemestrigen meist in eine Richtung gehen. Es soll aber durchaus möglich sein, Lehrveranstaltungen aus absolut anderen Disziplinen anzusehen.</p>
<p>Konkret: Im ersten Semester machen Studierende eine Hand voll Kernlehrveranstaltungen der jeweiligen Fakultät; Sozialwissenschaftliches Arbeiten, Methoden, Wissenschaftstheorie, etc. Zusätzlich dazu besuchen die Erstsemestrigen je eine Lehrveranstaltung aus zwei bis vier Studienrichtungen ihrer Wahl, die ihnen natürlich im späteren Studienverlauf problem- und bürokratielos angerechnet werden. Als begleitende Maßnahme besuchen sie ein Tutorium, das von einem/r Doktoratsstudierenden geleitet wird und in dem sie über Studienwahl, Startschwierigkeiten, etc. mit Studierenden interdisziplinär reflektieren. Nach einem Semester entscheiden sie sich dann für eine Studienrichtung.</p>
<p><strong>9. BibliothekarInnen als Ressourcen nicht als VerwalterInnen</strong></p>
<p>Die wichtigste Institution des akademischen Schreibens sind die Bibliotheken. Leider sind viele der Fachbibliotheken an der Uni Wien keine Bibliotheken, sondern nur Räume in denen Bücher stehen. Die besseren Bibliotheken sind zumindest gleichzeitig Arbeitsräume für Studierende – allerdings nur für die einsamste aller Arbeiten: dem Schreiben. Nachdem LehrveranstaltungsleiterInnen zum Leid vieler Gruppenarbeiten eingeführt haben, hätten die Bibliotheken längst reagieren müssen und Gruppenarbeitsräume einrichten müssen. Denn von den Studierenden eine Sozialform abzuverlangen, aber nicht einmal den Hauch einer Infrastruktur dafür zur Verfügung zu stellen ist eigentlich ein Witz. Das Argument des fehlenden Raumes sei der Fairness halber erwähnt. Eine Verbesserung ist allerdings sehr schnell, sehr leicht zu treffen: In Moment sind die BibliothekarInnen vor allem BücherschlichterInnen und EinordnerInnen. Die einzige Auskunft, die sie einem/r wissenschaftlich arbeitenden Studierenden geben können ist, in welchem Regal das Buch steht. Das ist eine Verschwendung an Potential. Alle Angestellten in den Fachbibliotheken sollten ebenfalls das sein: vom Fach. Sie sollten Studierenden als Ressource dienen, als Recherchehilfe. Natürlich können sie nicht zu jedem Thema SpezialistInnen sein, aber sie sollten einen grundsätzlichen Überblick  über Forschungsliteratur, aktuelle Diskurse, Fragestellungen haben und damit Studierenden als erste Anlaufstelle bei Rechercheproblemen dienen.</p>
<p><strong>10. Vier kleine zum Abschluss</strong></p>
<p>Ich gehöre zu den Menschen, die sich immer schon gewundert haben, warum man sich als ersten Wunsch von der Glücksfee nicht einfach unendlich viele Wünsche wünscht. Dementsprechend sind hier kleinere Thesen als eine zehnte zusammengefasst.</p>
<ul>
<li><em>a.Textbasierte Vorlesungen:</em> Vorlesungen sind autodidakte Lehrveranstaltungen. Das heißt, man muss nicht hingehen. Aus einem mir nicht nachvollziehbaren Grund werden Studierende dennoch gezwungen in VOs zu gehen, weil es für viele einfach kein Skriptum gibt und sich Studierende auf schlecht zusammenfassende Mitschriften von KollegInnen verlassen oder selbst in die VO schleppen müssen. Selbst wenn man ProfessorInnen die Freiheit zugesteht, kein Skriptum für ihre Vorlesung zu schreiben, sollte dennoch Pflicht werden, eine Basis an Texten zu veröffentlichen mit Hilfe derer die Prüfung ohne Anwesenheit in der VO mit einem Sehr Gut bestanden werden kann. Wenn man besonders studierendenfreundlich ist, könnte man den Stoff noch auf eine gewisse Seitenanzahl beschränken. Wir wollen aber nicht übermütig werden.<br />
Was auf jeden Fall, ohne große Kosten und sofort eingeführt werden kann und sollte, ist die Digitalisierung von Vorlesungen. Nur wenige PionierInnen bietet ihre Vorlesungen bereits als mp3 zum Download an.</li>
<li><em>b.Studierende sind keine Bürde:</em> Ich hätte gerne an einer Uni studiert an der ProfessorInnen Studierende nicht als Bürde ansehen. Ja, eine Stunde Sprechstunde in der Woche hält vom Schreiben und damit Publizieren ab. Trotzdem will ich nicht vor verschlossenen Türen wieder umdrehen &#8211; vor allem wenn ich extra Arbeitszeiten getauscht habe, um Ihre Sprechstunde besuchen zu können. Ich weiß, ich bin nicht der einzige Studierende, der Ihnen ein Email schreibt, aber in 48 Stunden kann das wohl beantwortet werden. Und wenn sie schon „Herr Kollege“ zu mir sagen, dann meinen sie das doch auch so. Nur ein bisschen.</li>
<li><em>c.Einrichtung eines Learning Centers:</em> Das steht wirklich ganz ganz unten auf der Liste. Aber irgendwann, wenn alle anderen Verbesserungen erreicht sind, könnte man anerkennen, dass manche Studierende Lernschwächen haben könnten und trotzdem eine Daseinsberechtigung an der Uni haben. Wenn man diesen Schritt getan hat, dann könnte man ein Learning Center einrichten, in dem man diesen Studierenden einen Rahmen gibt, in dem sie die Prüfung absolvieren können, etwa durch Ausdehnung der Prüfungszeit. Dort könnten die Studierenden dann auch hingehen, um ihr Lernen zu verbessern, sich neue Techniken anzueignen.</li>
<li><em>d.Weg mit der Bürokratie:</em> Ich habe am 18. Juni 2008 mein Diplomarbeitsthema eingereicht. Genau zwölf Monate später hatte ich meine Sponsion. In den ersten sechs Monaten habe ich 20 Stunden gearbeitet, 16 Semesterwochenstunden absolviert und 130 Seiten Diplomarbeit geschrieben. In den folgenden sechs Monaten habe ich auf Formulare gewartet, sie abgeholt, gewartet, unterschreiben lassen, abgegeben, gewartet und abgeholt. Die Bürokratie (vor allem) am Ende des Studiums macht dieses unerträglich und unnötig lang – dafür den Abschied wesentlich leichter.</li>
</ul>
<p><em>Weitere Texte zum Download finden sich auf: <a title="Yussi goes to..." href="http://www.yussipick.net" target="_blank">www.yussipick.net</a></em></p>
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		<item>
		<title>Augenmerk auf die Lehre</title>
		<link>http://blog.sektionacht.at/2009/11/augenmerk-auf-die-lehre/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Nov 2009 19:28:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>niki</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Argentinien]]></category>
		<category><![CDATA[Audimax]]></category>
		<category><![CDATA[Jakob Huber]]></category>
		<category><![CDATA[Lehre]]></category>
		<category><![CDATA[Universitätspolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwei Aspekte stehen im  Vordergrund der durch die Uni-Besetzungen losgetretenen Debatte: Die Finanzierung der Hochschulen sowie der Kampf gegen Zugangsbeschränkungen. Völlig unterbelichtet wird eine Diskussion über die Qualität der Lehre. Jakob Huber hat eine diesbezügliche Diskussion in seinem Beitrag &#8220;Sanftheit oder Fairness? Bessere Unis!&#8221; begonnen, das Thema möchte ich nun an Hand meiner persönlichen Studienerfahrungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zwei Aspekte stehen im  Vordergrund der durch die Uni-Besetzungen losgetretenen Debatte: Die Finanzierung der Hochschulen sowie der Kampf gegen Zugangsbeschränkungen. Völlig unterbelichtet wird eine Diskussion über die Qualität der Lehre. Jakob Huber hat eine diesbezügliche Diskussion in seinem Beitrag &#8220;<a title="Jakob Huber &quot;..Bessere Unis!&quot;" href="http://blogs.webzeilen.net/huber/2009/11/06/sanfte-lenkung-oder-fairness-bessere-unis/" target="_blank">Sanftheit oder Fairness? Bessere Unis!</a>&#8221; begonnen, das Thema möchte ich nun an Hand meiner persönlichen Studienerfahrungen aufgreifen. </strong></p>
<p><strong></strong><a title="exilnik" href="http://exilnik.blogspot.com/" target="_blank"><em>Nikolaus Kowall</em></a></p>
<p>Wenn man der Auffassung ist, dass weder punktuelle Tests noch die Maturanoten eines irrwitzigen Schulsystems über die Zukunftschancen eines jungen Menschen entscheiden sollten, kann man nur gegen universitäre Zugangsbeschränkungen sein. Wenn man der Auffassung ist, dass Kinder aus sozial oder geographisch benachteiligten Regionen, deren Eltern noch nie eine Uni von innen gesehen haben ermutigt werden sollten den Sprung auf die Uni zu wagen, kann man nicht für Studiengebühren sein. Wenn man der Auffassung ist, dass sie bestmögliche Bildung für alle ein sinnvolleres und gerechteres Konzept ist als ein System privater Eliteunis und wenn man möchte dass sich universitäre Bildung sich nicht nur an Hand ökonomischer Verwertungskriterien orientiert, muss man für eine ordentliche öffentliche Finanzierung der Universitäten eintreten. In einer rechtsliberal dominierten Meinungsöffentlichkeit, ist es notwendig für alle diese Forderungen zu kämpfen. Für den Studienalltag der Studierenden stehen aber oft andere Fragen im Vordergrund, als jene organisatorischen Rahmenbedingungen, die beim Sprung auf die Uni ausschlaggebend waren.</p>
<p>Der folgende Text ist ein Plädoyer dafür den Fokus nicht nur auf die Organisation, sondern auch auf die Qualität der Universität zu lenken. Dabei gehe ich von meinen persönlichen Erfahrungen mit Volkswirtschaft an der WU und Geschichte an der Uni Wien aus und konzentriere mich auf die Sozial- und Geisteswissenschaften. Bei den anderen Studienrichtungen kenne ich mich nicht aus. Jakob Huber hat <a title="Jakob Huber &quot;..Bessere Unis!&quot;" href="http://blogs.webzeilen.net/huber/2009/11/06/sanfte-lenkung-oder-fairness-bessere-unis/" target="_blank">einige konkrete Ideen</a> für Innovationen im Bereich der Lehre gebracht, so schlägt er etwa ein Grundstudium der Sozial- und Geisteswissenschaften und plädiert für mehr Elemente des Selbststudiums mittels neuer Medien. An diese Ausweitung der Diskussion auf die Lehre möchte ich anschließen. Da ich derzeit in Argentinien lebe und mit vielen Studierenden der Sozial- und Geisteswissenschaften diskutiere, werden die Argumente – dort wo es Sinn macht – im Vergleich mit der Situation in Buenos Aires herausgearbeitet. <span id="more-380"></span></p>
<p>Die öffentliche Universität von Buneos Aires (UBA) ist ein bürokratischer Koloss, mit dem ich selbst im Zuge eines 8-wöchigen Spanischkurses meine Erfahrungen gemacht habe. Mein Kurs (Niveau 5) wurde wegen Mangel an Angemeldeten abgesagt. Natürlich hat man mich nicht informiert, nach Gesprächen mit fünf völlig ahnungslosen „Verantwortlichen“ ließ ich mich ins Niveau 4 versetzten. Der Informationsfluss funktioniert weder auf dieser noch auf sonst einer Fakultät, das Betreuungsverhältnis ist generell schlecht. Von Punks besetzte Häuser in Wien sind in einem besseren Zustand als die Räumlichkeiten dieser Universität. Die Heizung funktioniert natürlich nicht und der enorme Straßenlärm dröhnt durch die undichten Fenster. Die UBA ist ein <em>Monstrum</em> mit über 300.000 Studierenden (Uni Wien: 70.000). Sie gehört in mindestens zehn kleinere Unis aufgedröselt, benötigt gewaltige bauliche Investitionen sowie eine wesentlich effektivere Verwaltung. Trotz dieser miesen Rahmenbedingungen glaube ich, dass die Ausbildung in den sozial- und geisteswissenschaftlichen Fächern deutlich besser ist als in Wien. (siehe dazu &#8220;<a title="Exlnik &quot;Gebildetes Argentinien&quot;" href="http://exilnik.blogspot.com/2009/11/gebildetes-argentinien-anlasslich-der.html" target="_blank">Gebildetes Argentinien</a>&#8220;) Politikwissenschaft und Soziologie gelten an der UBA keineswegs als einfache Studien, Kommunikationswissenschaft wird sogar als besonders anspruchsvoll betrachtet. Das hat mehrere Gründe:</p>
<p><strong>Die Quellen:</strong> Mein Volkswirtschaftsstudium an der WU war nicht schlecht, aber im Nachhinein wird mir klar, wie viel mehr man hätte herausholen können. So wurde etwa ein einziges Mal im Rahmen des Studiums ein Buch gelesen, und das nicht in einem Pflicht- sondern Vertiefungsfach. Auch kürzere Originaltexte gab es nur in wenigen Lehrveranstaltungen. Viel öfter arbeitete man mit Skripten, mit Mitschriften oder mit Sekundärliteratur. Das halte ich für einen totalen Fehler, denn nichts hat mich jemals so viel weiter gebracht, wie Smith, Ricardo, Marx, Keynes, Schumpeter oder Hayek original zu lesen. Es ist unvergleichbar viel nachhaltiger sich die Originalgedanken im Detail anzueignen, als die oberflächlichen, gekürzten und in ihrer Wichtigkeit subjektiv gewerteten Skripten irgendwelcher mittelmäßigen Professor/innen zu lesen. Es ist aber auch eine Knochenarbeit, die von cleveren Lehrenden begleitet gehört. Originaltexte lesen, im Anschluss strukturiert darüber diskutieren und den Inhalt interpretieren. Das wäre meiner Auffassung nach eigentlich Studieren. Dies ist einer von drei Gründen, weshalb argentinische Sozialwissenschaftler/innen wesentlich profunder ausgebildet sind als jene bei uns. Sie lesen jede Menge Originaltexte und vor allem ganze Bücher.</p>
<p><strong>Der Inhalt:</strong> Studieren in Wien entspricht oft dem Zusammenstückeln eines Fleckerlteppichs, ich möchte das an Hand meines Geschichtsstudiums illustrieren. Das <a title="Vorlesungsverzeichnis Geschichte" href="http://online.univie.ac.at/vlvz?kapitel=701&amp;semester=W2009" target="_blank">Vorlesungsverzeichnis</a> der Geschichte (mit 6.000 Studierenden die größte im deutschsprachigen Raum) ist ein Hochgenuss. Da wird ein Schmankerl nach dem anderen angeboten, die man sich dann jedes Semester herauspickt. Einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Themen herzustellen ist jedoch oft schwierig. Selbst wenn sich im Laufe des Studiums ein paar solide Wissensbastionen ergeben, letztlich entsteht der Eindruck man habe viel isoliertes Detailwissen angesammelt, aber das große Ganze blieb einem teilweise verborgen. Anders in Buenos Aires, wo sich die Studierenden erste einmal die klassischen Überblicksvorlesungen reinziehen müssen. Das manifestiert sich organisatorisch im so genannten „Ciclo Básico Común“ (CBC), einer einjährigen Eingangsphase. Egal was man an der UBA studiert, man muss die beiden Vorlesungen „Staat und Gesellschaft“ sowie „Wissenschaftstheorie“ belegen. Zwei weitere Fächer orientieren sich an der Fakultät und zwei weitere an der Studienrichtung. Für Soziologie und Politikwissenschaft ergeben sich damit z.B. identische CBC’s.</p>
<p>Ich glaube es würde Sinn machen, in den Sozialwissenschaften einen solchen „Ciclo Básico Común“ einzuführen. Eine inhaltliche Grundlage die garantiert, dass es ein gemeinsames Terrain gibt auf dem sich alle überblicksmäßig auskennen. Dazu würde sich auch eine Verlängerung des Studiums um zwei Semester auszahlen, acht Semester Geschichte ist sowieso ein Witz für dieses Wissensuniversum, von dem dreijährigen Bachelor-Schwachsinn ganz zu schweigen. Selbstverständlich müsste die staatliche Unterstützung der Studierenden entsprechend adaptiert werden, damit es sich auch sozial schlechter gestellte Studierende leisten können länger nicht zu arbeiten. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen, und auch das zweites Jahr dem allgemeinen Wissensstock widmen, allerdings innerhalb der jeweiligen Studienrichtung, wie ich am Beispiel von Geschichte ausführen möchte. Z.b. könnte es Überblicksvorlesungen bezüglich Epochen (Antike, Mittelalter), Räumen (österreichische Geschichte, europäische Geschichte) oder Aspekten (Wirtschaftsgeschichte, Frauengeschichte) geben, die jede/r absolvieren muss. Das ist eine Verschulung, aber ich ärgere mich oft maßlos nur Bruchteile der Geschichte des antiken Griechenlands oder der Entstehung der britischen Demokratie intus zu haben. Ich finde Historiker/innen sollten über beides bescheid wissen. Nach diesen beiden verschulten Jahren sollte dafür absolute Wahlfreiheit herrschen (Methodenfächer ausgenommen), es bestünde also noch genug Zeit sich mit ganz spezifischen Themenfeldern zu beschäftigen. Analog sollte man in allen anderen Sozialwissenschaften im zweiten Studienjahr traditionelle Überblicksinhalte vermitteln. Ich bin überzeugt es hilft für eine umfassende Ausbildung mehr als sich ohne jeden Konnex ein Studium lang willkürlich Schmankerl aus einzelnen Themenbereichen herauszupicken. Der CBC und die traditionellen Überblicksvorlesungen sind der zweite Grund, weshalb meine Freund/innen und Bekannten in Buenos Aires auf einer solideren Wissensgrundlage stehen als wir.</p>
<p><strong>Die Beurteilung:</strong> Die oft katastrophal schlecht strukturierten und präsentierten Referate der Studienkolleg/innen sind ebenso Beurteilungsgrundlage wie die Abschlussarbeit. Diese wird zum jeweiligen Referatsthema zwei Tage vor dem letzten Abgabetermin hektisch niedergeschrieben. Wer sich nicht offensichtlich dumm anstellt bekommt zumindest ein Gut. Von den Themen der Anderen hat man letztlich keine Ahnung, bestenfalls gewann man einen Einblick in das eigene Thema. Aus meiner Erfahrung glaube ich, dass eine gut gemachte schriftliche Uni-Arbeit – wenn es Mindeststandards von Seiten der/des LV-Leiters/in gibt – trotzdem das ist, womit man noch am meisten lernt. Die Abschlussarbeit kann aber immer nur einen Aspekt der Übung behandeln, denn jede/r Teilnehmer/in schreibt ja über ein anderes Thema. Ich glaube es sollte über Möglichkeiten nachgedacht werden, wie alle Teilnehmer/innen vom gesamten Stoffgebiet etwas mitbekommen und nicht nur vom eigenen Referatsthema. Das ist der dritte und recht banale Grund, weshalb die argentinischen Studierenden wesentlich profunder ausgebildet sind als jene bei uns. Dort wird traditionell abgeprüft, Studierende müssen für Vorlesungen und Übungen richtige Bücher lesen. Der Stapel den sie für eine Prüfung zu pauken haben ist 15 cm. hoch. Sie lesen, lesen und lesen.</p>
<p><strong>Die Schwäche der Methodenfächer:</strong> In vielen sozialwissenschaftlichen Studienrichtungen gibt es einen Stock an Methodenfächern, was prinzipiell zu begrüßen ist. Doch die Intention ist oft besser als die Umsetzung. Wissenschaftstheoretische Erkenntnisse in Kombination mit methodischem Verständnis (wie gehe ich an einen sozialwissenschaftlichen Text heran etc.) ergeben einen Kompass, der entscheidend für die Arbeit im Wissenschaftsbetrieb ist. Ist man diesbezüglich sattelfest, kann man sich alles was man persönlich wissen möchte als Autodidakt erarbeiten. Leider sind Methodenfächer oft völlig isoliert vom Rest des Studiums und es ist für Studierende schwer, einen Zusammenhang zu ihrem Studienalltag herzustellen.</p>
<p><strong>Die Wissensvermittlung in der Vorlesung: </strong>Faktum ist, dass viele Lehrende didaktisch katastrophal sind und keine Anstrengungen unternehmen, ihr Wissen in attraktiver Form zu vermitteln. Während in den USA zu Recht auch großer Wert auf das Wie und nicht nur auf das Was gelegt wird, sind es in Österreich nur einzelne Ausnahmelehrende, die in einer Vorlesung wirklich für Spannung oder gar für Begeisterung sorgen können. Natürlich ist nicht jede Person witzig, charismatisch oder rhetorisch brillant, aber einige Mindeststandards die Form der Präsentation betreffend, kann man schon verlangen. Einer gewissen Vorbildung bezüglich interessanter Wissensvermittelung könnte man Uni-Lehrende ruhig unterziehen. Eine Kultur der aufregenden Wissensvermittlung – ohne Abstriche beim Inhalt versteht sich – wäre auch bei uns absolut anzustreben.</p>
<p><strong>Die Wissensvermittlung in der Übung:</strong> Oft sind Uni-Lehrende einfach nur extrem bequem und heilfroh, den Unterricht auf Referat auslagern zu können. Dann werden in der ersten Stunde Referatsthemen vergeben, den Rest des Semesters hören sich die Studierenden die stinklangweiligen Referate ihrer Kolleg/innen an, die methodisch noch deutlich schlechter aufbereitet sind als der Vortrag der Lehrenden selbst. Übung und Referat sind quasi identische Begriffe. Das Referat ist meiner Auffassung nach das didaktische Grundübel in den Sozialwissenschaften. Leider halten die Studierenden diesen Betrieb für normal. Sie wissen gar nicht wie fordernd und aufregend Uni sein könnte. Das alles hat nichts mit freier Lehre zu tun, sondern mit Ignoranz und Mangel an Motivation vieler Lehrender. Das Referat gehört aus dem Unibetrieb verbannt. Überhaupt gilt für Übungen: Weniger ist mehr: Die Quantität an zu absolvierenden Pflichtübungen im Curriculum kann ohneweiters zu Gunsten der Qualität der einzelnen Übungen gekürzt werden.</p>
<p>Wo die Schule zu autoritär ist, ist die SOWI zu Laissez-faire. Und zwar Laissez-faire im schlimmsten Sinne, nämlich in jenem der „Wurschtigkeit“. Das liegt auch, aber nicht nur an den schlechten Betreuungsverhältnissen und den überfüllten Hörsälen. Schlechte oder chaotische Referate werden nicht sofort abgebrochen und an den Start zurückgeschickt, sondern beinhart bis zum Schluss akzeptiert. Minutenlange inhaltsleere oder konfuse Monologe von ahnungslosen (meist männlichen) Studienkollegen im Hörsaal werden akzeptiert, weil ja jede Meinung zählt. Lustlos hingeknallte Arbeiten werden oft bestenfalls überflogen und mit Gut oder Sehr gut bewertet. Generationen von jungen Uni-Lehrenden sind es gewohnt, das unheilvolle Wurschtigkeitsregime einfach gleichgültig weiterzuführen. Freunde von mir, die auf der Uni arbeiten und ein bisschen mehr verlangen, stoßen auf teils erbitterte Widerstände. Es mag sein, dass der Unibetrieb in Argentinien konservativer ist. Mit verpflichtenden Überblicksvorlesungen, mit ganzen Büchern, die gelesen werden müssen, mit richtig großen Klausuren, die bestanden werden müssen. Faktum ist, dieser Weg führt zu einer solideren Ausbildung als das bei uns der Fall ist.</p>
<p>Zwischen autoritär und laissez-faire gibt es viel Spielraum und auch andere Modelle als das argentinische, können erfolgsversprechend sein. Optimal sind fachkundige Lehrende, die einen partnerschaftlich durch den Stoff führen. Also Leute mit Autorität die nicht autoritär sind. Nennen wir das den „Vermittlungsstil der partnerschaftlichen Führung“. An der WU gab es einige wenige Lehrende, die diesem Idealbild nahe gekommen sind, allen voran ein Professor der ökonomischen Theoriegeschiche. Seine Übung war folgendermaßen aufgebaut: Die Teilnehmer/innen wurden in Lesegruppen unterteilt, die bis zur nächsten Stunde einen <em>Originaltext</em> oder ein <em>Kapitel eines echten Buches</em> in der Kleingruppe zu lesen hatten, sowie Fragen schriftlich beantworten mussten. Die Antworten wurden dem Prof. vorab geschickt, anhand derselben wählte er eine Gruppe aus, die spontan zur Präsentation dran kommen konnte. Es hatten also immer alle den Text gelesen, denn man konnte ja immer dran kommen. Alle wussten worum es geht, was die Qualität der Diskussionen, die den spontanen Präsentationen folgten, deutlich steigerten. Am Ende des Semesters gab es noch einen schriftlichen Abschlusstest über das gesamte Stoffgebiet. Hatte man die Diskussionen mitverfolgt und am Vortag alle Fragen aller Einheiten nochmals wiederholt, konnte nichts schief gehen. Wer meinen Theoriegeschichte-Prof. kennt, weiß, dass er alles andere als ein autoritärer Typ ist. Aber er hat seine Studierenden gefordert und ihnen dabei Wissen vermittelt wie wenige andere.</p>
<p>Übrigens: Eine anspruchsvollere sozialwissenschaftliche Ausbildung hätte auch einen politstrategischen Vorteil. Das inhaltliche Unterfutter der tendenziell linken Absolvent/innen sozialwissenschaftlicher Studiengänge wäre deutlich profunder. Das würde der Seriosität und der Schlagkraft ihres gesellschaftlichen Wirkens, wo auch immer sie tätig sein mögen, mit  Sicherheit nicht schaden.</p>
<p>Ich plädiere dafür, nicht nur über Zugangsbeschränkungen und Uni-Finanzierung, sondern vor allem auch über die Qualität in den Sozialwissenschaften öffentlich zu diskutieren. Das Thema ist mindestens genauso wichtig und ein Kulturbruch bei Lehrenden und Studierenden absolut erforderlich.</p>
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