Archiv | Geschlechterpolitik

Frauenquote: Erklärungsbedarf für Parteivorstandsmitglieder

Was passiert eigentlich in einer Sitzung des SPÖ-Parteivorstands? Von außen ist das nicht leicht nachzuvollziehen. Die Vorstandsmitglieder diskutieren die Themen auf der Tagesordnung und stimmen darüber ab – so der grobe Rahmen. Aus welchen Motiven sie Entscheidungen treffen ist oft schwer zu verstehen, und normalerweise fragt sie auch niemand danach.

Bei der Entscheidung der Vorstandsmitglieder, auf das Mandat von Barbara Prammer einen Mann nachrücken zu lassen und damit die Frauenquote im SPÖ-Nationalratsklub weiter zu senken, interessiert uns aber das besonders. Schließlich ist der Parteivorstand laut Statut dafür zuständig, die Quote einzuhalten. (§ 18 (8): “Bei Freiwerden eines Nationalratsmandates entscheidet der Bundesparteivorstand nach vorhergehender Beratung mit der Bundesfrauenorganisation, welche(r) ErsatzkandidatIn in den Nationalrat berufen werden soll.)

Warum haben fast alle Mitglieder des Bundesparteivorstands so gestimmt, dass die festgelegte Frauenquote weiterhin verletzt wird? Darum haben wir gedacht, wir fragen einfach nach.

Liebes Mitglied des Bundesparteivorstands: Was waren deine Gründe, warum du der vorgeschlagenen Nachrückung eines Mannes auf das Mandat zugestimmt habt? Fandest du den Vorschlag gut, warst du dir unsicher mit dem Statut, gab es ganz andere Gründe?

Gemeinsam haben die sozialdemokratischen Jugendorganisationen (SJ, VSStÖ und AKS), zwei Wiener Sektionen (Sektion 8, Alsergrund und Sektion 1, Josefstadt) und die Sektion Wilten (Innsbruck) einen Antrag auf Einsetzung eines Schiedsgerichts gestellt, weil unserer Meinung nach dieser Beschluss der statutarisch festgelegten Frauenquote widerspricht. Wirst du dem Antrag auf Einsetzung des Schiedsgerichts zustimmen?

Damit die demokratischen Gremien der SPÖ funktionieren, müssen sie für die Mitglieder transparent und die dort getroffenen Entscheidungen nachvollziehbar sein. Die Antworten auf unsere Fragen werden wir daher bei uns am Blog sammeln. Wer selbst eines oder mehrere Mitglieder des Bundesparteivorstands kontaktieren möchte, findet hier eine Liste mit Kontaktmöglichkeiten. Wer jemanden kontaktiert hat, bzw. eine Antwort bekommen hat, kann das als Kommentar posten – so behalten wir den Überblick!

 

 

PS: Wer Mitglied des Parteivorstands ist, steht unter spoe.at/impressum. Die Zuordnung zu Bundesländern oder Organisationen erfolgte mittels Online-Recherche – sollte uns dabei ein Fehler unterlaufen sein, weist uns gerne darauf hin!

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Ihresgleichen geschieht: Mehr Binnen-I wagen?

Leonhard Dobusch

Ohne Binnen-I, dafür mit Sternchen, Unter-und Schrägstrich - eigentlich ziemlich ästhetisch, dieses Falter-Logo :-)

Ohne Binnen-I, dafür mit Sternchen, Unter- und Schrägstrich – eigentlich ziemlich ästhetisch, dieses Falter-Logo :-)

Ich bin langjähriger Falter-Leser. Mehrere Jahre lang ließ ich mir den Falter sogar um horrende Summen im Rahmen eines Auslandsabos nach Berlin schicken. Und auch heute lese ich den Falter immer noch sehr gerne, besonders Armin Thurnhers Formulierungsfreude in seinen “Seinesgleichen geschieht”-Leitartikeln erfreut mich jedesmal aufs Neue. So auch diese Woche, in der Thurnher über den “Kampf um die Sprache” schreibt und kritisiert, dass ich seinen “Kollege[n] Florian Klenk als ‘sprachkonservativ’ ein[ordne], bloß weil der einen Artikel des Schriftstellers Daniel Scholten aus dem Merkur zitiert hatte.”

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Kuriose Koalitionen: Krone, Klenk und andere Sprachkonservative

Leonhard Dobusch

Wenn Briefe an die Kronen Zeitung den politischen Diskurs bestimmen, dann ist das in den seltensten Fällen erfreulich. So ist das auch bei der aktuellen Diskussion rund um einen offenen Brief, der behauptet eine “von oben her verordnete konsequente getrenntgeschlechtliche Formulierung zerstört die gewachsene Struktur der deutschen Sprache bis hin zur Unlesbarkeit und Unverständlichkeit.” In der Printausgabe der Krone wurde der offene Brief mit einer Karikatur bebildert, die wirklich aussagekräftig die Seriösität des Anliegens illustriert:

krone-karrikatur

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Ich bin natürlich gegen Gewalt an Frauen, aber …

Eine Studie, die belegt, dass Gewalt gegen Frauen in Europa ein systematisches Massenphänomen ist, wurde letzte Woche veröffentlicht. Das passt nicht ins Weltbild jener, die eine Diskriminierung von Frauen in unserer Gesellschaft prinzipiell bestreiten. Ihre Gegenstrategie ist eine simple Täter-Opfer-Umkehr.

Nikolaus Kowall

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16 Tage (17): Frauen in Indien

Anlässlich der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen bloggen wir jeden Tag zum Thema Frauen, Feminismus und Gleichberechtigung. Und weil 16 Tage nicht genug sind, auch am 17. Tag: Frauen in Indien

Eva Persy

Ein lesenswerter Artikel vom März in der ZEIT beschreibt sehr eindrücklich die Situation von Frauen in Indien. Mittlerweile ist der mediale Rummel rund um Gewalt in Idien wieder sehr ruhig geworden. Eine der interessantesten Einsichten des Artikels ist, dass es weltweit erste Priorität von Frauenpolitik sein müsse, die überhöhte Sterberate von Mädchen und Frauen zu reduzieren:

Ehefrauen werden verbrannt, Witwen verstoßen, Mädchen sterben an systematischer Unterernährung. Westliche Ökonomen haben erstmals die schreckliche Bilanz gezogen: Über zwei Millionen Tote – pro Jahr.

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