Wer sind die ausländischen WienerInnen? Ein Blick in die Statistik

Gastbeitrag von Klemens Himpele*

In Wien leben rund 1,8 Millionen Menschen, davon ist ein Drittel im Ausland geboren und ein Viertel hat eine ausländische Staatsangehörigkeit. Wien ist damit eine bunte Metropole – und weist auch im internationalen Vergleich einen relativ hohen Wert an Migration aus. Das ist keine neue Entwicklung, Wien war immer eine Stadt der Zuwanderung – mit Ausnahme der Zeiten des Dritten Reiches und des Kalten Krieges. Eine ausländische Staatsbürgerschaft ist jedoch gleichbedeutend mit keinem bzw. (im Falle von EU-BürgerInnen) einem auf die Ebene der Bezirke eingeschränkten Wahlrecht.

Wer sind nun diese Menschen, die in Wien leben und eine ausländische Staatsbürgerschaft haben? Zunächst kann relativ einfach die Frage beantwortet werden, welche Staatsbürgerschaft diese Menschen haben: Die größte ausländische Bevölkerungsgruppe bei den über 16-Jährigen sind die SerbInnen, die 4,0 % der Gesamtbevölkerung stellen, gefolgt von türkischen (2,5 %), deutschen (2,3 %) und polnischen (2,1 %) StaatsbürgerInnen. Auf Platz 5 folgt – bereits mit einigem Abstand – Rumänien (1,3 % der Wiener Gesamtbevölkerung). Es gibt bei den ausländischen WienerInnen also keine Konzentration auf eine Staatsbürgerschaft, sondern die Gruppe der AusländerInnen ist sehr heterogen. Das ist eine Chance für Wien. Insgesamt 74,8 % der WienerInnen über 16 Jahre haben eine österreichische Staatsbürgerschaft, 11,1 % die Staatsbürgerschaft eines EU-Staates und 14,1 % sind aus sogenannten Drittstaaten (dazu gehören die relativ großen Gruppen der serbischen und türkischen StaatsbürgerInnen).

Knapp drei Viertel leben seit mehr als drei Jahren in Österreich

Nun gibt es die unterschiedlichsten Gründe, als AusländerIn in einem Staat zu leben: Man ist bereits hier geboren, man ist aus unterschiedlichsten Gründen zugewandert (Ausbildung, private Gründe, Flucht etc.) oder man ist nur temporär im Land (Studium, Expat). Über die Gründe der Wanderung kann die amtliche Statistik keinerlei Aussagen treffen – über die Dauer des Aufenthaltes jedoch schon. Von den in Wien lebenden AusländerInnen über 16 Jahren sind 10,0 % weniger als ein Jahr im Land. Bei den EU-BürgerInnen sind es 13,4 %, bei den Drittstaatsangehörigen 7,2 %. Weitere 18,5 % sind zwischen einem und drei Jahren hier (EU: 24,0 %; Drittstaatsangehörige: 14,2 %), das heißt 71,5 % sind bereits seit mehr als 3 Jahren in Österreich. Es lässt sich noch weiter zurückschauen: Über 10 Jahre sind 42,3 % der ausländischen StaatsbürgerInnen (die 16 Jahre und älter sind) in Österreich.

Zuwanderung verändert sich

Die hier lebenden AusländerInnen spiegeln einen langen Prozess wieder, da Migrationsbewegungen sich verändern. Über die aktuelle Zuwanderung lässt sich daher ein – wenn auch unscharfes – Bild für die Zukunft zeichnen. Unscharf deswegen, weil nicht alle, die heute kommen, auch bleiben. Und unscharf auch deswegen, weil der Status quo sich auch wieder ändern kann. Allerdings lassen sich in den letzten Jahren einige Trends beobachten:

  • Die Zuwanderung erfolgt in erheblichem Teil aus Europa: Knapp 74 % der 2014 zugewanderten Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft kommen aus einem europäischen Land (inklusive Länder, die teilweise in Europa liegen). 55 % der Zuwanderung kommt aus der EU.
  • Die Zuwanderung ist osteuropäisch und deutsch: Unter den Top 10-Ländern befinden sich sieben osteuropäische Staaten und Deutschland. Zudem sind – kriegsbedingt – Syrien und Afghanistan in den Top 10. Das ehemalige Top-Zuwanderungsland Türkei liegt heute auf Platz 23 und spielt damit keine große Rolle mehr – ein Beispiel für den Wandel der Migration.
  • Zuwanderung ist jung und verjüngt Wien. Die Zuwanderung findet ganz überwiegend in der Altersgruppe der 10- bis 29-Jährigen statt. Das hat seinen Grund in den Biografien, da man häufig zu Beginn der Ausbildung oder für einen Job in eine neue Stadt geht.
  • Zuwanderung ist zunehmend gut gebildet: Betrachtet man die Zuwanderung im Erwerbsalter (25 bis 64 Jahre), so hatten von den 2001-2004 zugewanderten Personen 31 % einen Pflichtschulabschluss. Heute (Zuwanderung 2011-2014) sind es lediglich noch 14 %. Umgekehrt hatten 2001-2004 lediglich 26 % einen akademischen Abschluss, heute sind es 46 %.

Es lässt sich also sagen: Die Gruppe der AusländerInnen in Wien ist bunt. Viele der AusländerInnen sind bereits seit einer langen Zeit in Wien. Die aktuelle Zuwanderung kommt vor allem aus Europa, wenngleich sich die Flüchtlingsströme ebenfalls in den Daten widerspiegeln. Und: Die ZuwandererInnen sind zunehmend gut gebildet, wie auch die Bevölkerung in Österreich insgesamt.

* Klemens Himpele leitet die Magistratsabteilung 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien

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