Links der Woche – KW 27

Von wegen Sommerloch: Letzte Woche war Thomas Piketty zu Gast in der Arbeiterkammer Wien. Die ZuseherInnen erlebten einen sehr kurzweiligen Nachmittag (die Atmosphäre war ein wenig so wie hier beschrieben), aber die eigentliche Frage lautet: Seit wann interessieren sich über 1000 Menschen so sehr für Vermögensungleichheit, dass sie einen wunderbar sonnigen Freitag Nachmittag auf einem Vortrag mit erschreckend umfassendem Handout verbringen? Egal – es war super. Andere, aber auch großartige Dinge haben wir in den Links der Woche für euch zusammengetragen: Zum Beispiel einen lesenswerten Artikel zu zeitgemäßen Männer-Rollenbildern in der BRIGITTE, eine Erklärung, warum konservative AmerikanerInnen vor Fußball warnen, und warum die deutsche Bundesregierung ihren Vertrag mit Verizon gekündigt hat. Viel Spaß beim Lesen!

Wirtschaft

Moaning Moguls

Reiche Leute waren nicht immer so reaktionär, wie jetzt. Die rechtskonservative Reichen-Allianz, die gegen Staat und Steuern wettert, entstand in den USA erst ab den 1970ern. Die GroßunternehmerInnen Amerikas wurden durch die Globalisierung von ihrem Binnenmarkt und damit der Kaufkraft der nationalen KonsumentInnen unabhängig. Das habe ihre Interessenslagen verschoben, argumentiert James Surowiecki im New Yorker.

Quelle: newyorker.com

Einkommensungleichheit und Leistungsbilanz-Ungleichgewichte als Krisenursache

Der wöchentliche Link zum Arbeit&Wirtschaft-Blog darf natürlich auch dieses Mal nicht fehlen. Christian A. Belabed und Till van Treeck schreiben über Einkommensungleichheit und Leistungsbilanzungleichgewichte als Krisenursache.

Quelle: blog.arbeit-wirtschaft.at

Schulden lassen sich mit Schulden bekämpfen

Mark Schieritz erklärt am Herdentrieb-Blog, wie sich Schulden mit Schulden bekämpfen lassen. Kronzeuge für die These ist in diesem Beitrag ausgerechnet eine Studie der Deutschen Bank.

Quelle: blog.zeit.de/herdentrieb

TISA: Alles wird vermarktet

Da dachte man, mit der BürgerInnen-Initiative „Right 2 Water“ hätte man einen Erfolg im Kampf gegen die Privatisierung der Wasserversorgung erreicht, aber nicht einmal ein Jahr später liegt das Thema andernorts wieder am Tisch: TISA, ein Freihandelsabkommen, das aktuell unter Federführung der USA und Australien verhandelt wird, fasst kommunale Dienstleistungen als Privatisierungskandidatinnen wieder ins Auge. Damit nicht genug: Unter anderem soll mit der „Ratchet-Klausel“ die Rekommunalisierung von einmal privatisierten Versorgungsleistungen verboten werden.

Quelle: heise.de

Labour’s half-hearted plan for rail renationalisation is a cop-out

Wenn der Markt nicht funktioniert: Wiederverstaatlichung der britischen Bahn? Über Labours halbherzige Pläne.

Quelle: theguardian.com

International

Trapped on the Fringe of Freedom

Wohin flüchten Menschen aus Syrien? Die Festung Europa ist für sie schwer zu erreichen. Einige versuchen es über Bulgarien. Dieser Film zeigt einen Ausschnitt aus dem Leben von 1000 Flüchtlingen, die mit Hilfe von Schleppern bis ins bulgarische Harmanli Flüchtlingslager kamen. In ehemaligen Militärsbaracken warten die Menschen auf die Bearbeitung ihres Asylantrags – im ärmsten Land Europas.

Quelle: Vimeo.com

The European Political Twittersphere

Für alle Freunde bunter Netzwerk-Grafiken hat Axel Maireder von der Uni Wien gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut GfK eine Studie zur politischen Twittersphäre in Europa publiziert: „Dabei zeigt sich, dass sich die europäische Twittersphäre entlang von Nationalitäten und politischen Präferenzen differenziert. Dabei teilt sich die Twittersphäre in vielen Länderclustern in eine Mainstream-Community und einen oppositionellen Cluster. Auch Gruppierungen wie die spanische Bewegung 15M finden sich zu alternativen Clustern zusammen. Zudem existiert ein eurozentristisches Kern-Cluster.“

Quelle: gfk.com

Warum Linke und Rechte in einen Topf geworfen werden

Vom 1. bis 3. Juli konstituiert sich das neue Europaparlament. Lisa Mittendrein und Valentin Wedl von ATTAC Österreich haben aus diesem Anlass einen Gastkommentar auf derstandard.at veröffentlicht. Sie kritisieren den medialen Mainstream, der jede Opposition zum Austeritätskurs als „antieuropäisch“ stigmatisiert.

Quelle: derstandard.at

Optimismus und Visionen statt “Klasseninteresse”

Anlässlich des 150. Jahrestags der Gründung der Internationalen Arbeiter-Assoziation (IAA) 1864 reflektiert Antje Schrupp auf ihrem Blog über Klasseninteresse, Feminismus und die Rolle von politischem Optimismus. Ihr Gedanke zur Strategie: „Nicht theoretische Standpunkte auszuarbeiten, sondern mit den anderen reden, vertrauensvolle Beziehungen aufbauen, Konflikte offen austragen, und aushalten, dass man auch mal nicht einig ist. Also einfach: Hingehen und mit den anderen reden, ohne die Absicht, am Ende ein gemeinsames Papier verfasst zu haben.“

Quelle: antjeschrupp.com 

Geschlechterpolitik und Gesellschaft

Was bedeutet heute Mannsein?

BRIGITTE-Autor Till Raether hat die Schnauze voll vom Gejammer seiner Geschlechtsgenossen und beantwortet auf lesenswerte Weise die Frage: Was bedeutet heute Mannsein?

Quelle: brigitte.de

„Wir müssen die Arbeit umverteilen“

Der Soziologe Richard Sennett plädiert für eine generelle Verkürzung der Arbeitszeit nicht nur mit dem Argument der Umverteilung des knapper werdenden Arbeitsvolumens, sondern auch mit emanzipatorischen Aspekten:“Die Ideologie, die derzeit vorherrscht, suggeriert den Menschen, dass nur außergewöhnliche Anstrengungen sie in diesem System am Leben halten. Es wird das Maximum verlangt und dieses dient als Norm, um die Arbeitnehmer zu disziplinieren.“

Quelle: zeit.de

Das Ende der Geschichten

Wie funktionieren Geschichten in der Politik? Christoph Hoeft am Blog des Göttinger Instituts für Demokratieforschung über das politische Narrativ der Sozialdemokratie.

Quelle: demokratie-goettingen.de

Wie Jürgen Habermas zum Stardenker avancierte

Robert Misik schreibt im Profil mit bewunderndem und zugleich kritischem Blick über den „Jahrhundertphilosophen“ Jürgen Habermas. Wofür ist der eigentlich berühmt, fragt sich Misik: „Für seine Fachphilosophie, seine monumentalen Studien über Vernunft und Rechtsphilosophie? Für sein Hauptwerk, die Theorie des „kommunikativen Handelns“? Diese Arbeiten sind tatsächlich nur Spezialisten verständlich. Oder schätzt man ihn vor allem wegen seines mittlerweile 60 Jahren währenden Stroms an politischen Interventionen in Essays und Artikeln, wegen der zahllosen Debattenbeiträge des „Bürgers Habermas“? Aber diese wuchtigen Kommentare haben nur deshalb so viel Gewicht, weil sie mit der Autorität des Großphilosophen ausgestattet sind. Wie man es dreht, man dreht sich im Kreis: Habermas ist berühmt dafür, Habermas zu sein.“

Quelle: profil.at

Kultur und Fußball

Herzlichen Glückwunsch, Boris Büchler!

Ein wenig Fußball muss schon sein. Zumindest ein paar Gedanken zum Fußball-Journalismus. Der ZDF-Journalist Boris Büchler wurde vom deutschen Innenverteidiger Per Mertesacker nach dem Spiel Algerien – Deutschland recht ruppig abgekanzelt. Ja darf man das denn, der „eigenen“ Mannschaft ein paar kritische Fragen stellen, wenn sich die Spieler mitten im Turnier doch um wichtigere Dinge kümmern müssen (Weltmeister werden)? Na klar, meint Frank Lübberding im FAZ-Feuilleton. Wozu ist denn Sportjournalismus sonst da? Das sollten sich andere FachvertreterInnen vielleicht auch mal fragen.

Quelle: faz.net

Why Hate Soccer?

Für alle die Ann Coulters beängstigende Hasstiraden über Fussball kennen, hat Lisa Wade auf ihrem Blog Society Papers die Hintergründe der aufkeimenden Fußballphobie in manchen amerikanischen sozialen Schichten analysiert: „In a sense, soccer represents a double-threat — it’s European and Hispanic! — to those who feel threatened by the encroachment of cultural globalization. Coulter admits as much when she says, “If more ‘Americans’ are watching soccer today, it’s only because of the demographic switch effected by Teddy Kennedy’s 1965 immigration law.”“

Quelle: thesocietypages.org

Die wichtigsten Kinofilme in Video-Kritiken der F.A.Z.

Gegen die Langeweile an sommerlichen Büronachmittagen an denen trotz Arbeitsflaute noch nicht nach Hause gegangen werden kann: eine feine Auswahl von Videofilmkritiken der FAZ der letzten zehn Jahre, die jedem bildungsbürgerlichen Standard genügen.

Quelle: faz.net

Comic-Roman „Sechs aus 49“

Für Comicfans bietet die FAZ online die deutsche Version der bédénovela „Les autres gens“ („Sechs aus 49“): so wie bei einer täglichen TV-Fortsetzungsserie wird online täglich eine neue Folge geboten. Inhaltlich geht um die Geschichte der Pariser Jus-Studentin Mathilde, die einem Unbekannten dabei half, seine Lottozahlen auszuwählen, und dafür von ihm zur Hälfte am Gewinn beteiligt wird: 30 Millionen Euro – sehr fein und hohes Suchpotenzial!

Quelle: faz.net

klingendes Österreich

Das Rätsel Österreich

Ein Blick von Außen auf Österreich in den Stuttgarter Nachrichten. Zwar keine sehr profunde Analyse, aber irgendwie doch erhellend: „Was ist besser, was ist nachhaltiger? Überzeugte Liberalität oder habituelle Toleranz? In Österreich, wo man das Vermeiden von Debatten schon in früher Kindheit lernt, erntet man auf die Frage nur ein wissendes Lächeln. “ 

Quelle: stuttgarter-nachrichten.de

Hits mit Blut und Boden

Die Berliner TAZ über Andreas Gabalier: „Gabalier geht raffinierter zu Werke als der reaktionäre volkstümliche Musiker-Bodensatz. Er ist nicht nur ein Provokateur, der mit faschistoider Ästhetik mehr Aufmerksamkeit bekommt. Versteckt in der vermeintlichen Harmlosigkeit gemütlicher Schunkelei, betreibt Andreas Gabalier auch punktgenau die Anrufung einer Rückkehr in den Schoß der Heimat.“

Quelle: taz.de

Überwachung und Korruption

NSA von allen Seiten unter Druck

Erich Möchel schreibt ein spannendes neues „inside“ NSA & Überwachung: Die Beziehung zwischen Deutschland und den USA ist stark strapaziert. So kündigte etwa das deutsche Innenministerium die Verträge der Bundesregierung mit dem US-amerikanischen Netzbetreiber Verizon, der für die NSA-Überwachungsprogramme eine zentrale Rolle spielt.

Quelle: fm4.orf.at

The unstoppable walk to political reform

Ein Ted-Talk des amerikanischen Rechts-Aktivisten und Harvard-Professor Lawrence Lessing: „Seven years ago, Internet activist Aaron Swartz convinced Lawrence Lessig to take up the fight for political reform. A year after Swartz’s tragic death, Lessig continues his campaign to free US politics from the stranglehold of corruption. In this fiery, deeply personal talk, he calls for all citizens to engage, and offers a heartfelt reminder to never give up hope.“

Quelle: ted.com

mayday.us

Im Mai und Juni 2014 hat das Mayday Political Action Committee ein Crowdfundingexperiment gestartet: Den Mayday PAC. Mit der Mithilfe von Lawrence Lessig wurde für eine fundamentale Reform des US-Kongresses bzw. des US-Politikfinanzierungssystems gesammelt. Das Experiment war ein enormer Erfolg.

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