Links der Woche 35/2019

Eine turbulente Woche liegt hinter der österreichischen Sozialdemokratie. Zeit, sich ein bisschen in Inhalte zu vertiefen. Zum Beispiel in die gewohnt leichte Kost von Thomas Piketty („Kapital und Ideologie“), in ein Portrait des Ökonomen Gabriel Zucman, auf dessen Vorschlägen Elisabeth Warrens Präsidentschafts-Kampagne basiert, und zum Schluss in eine Ausgabe der PROKLA mit dem motivierenden Titel „Krise der (europäischen) Sozialdemokratie“:

Ungleichheit ist kein Naturgesetz

Mit seinem Kapital im 21. Jahrhundert wurde Thomas Piketty schlagartig auch außerhalb von ÖkonomInnen-Kreisen bekannt. Doch hinter dem Buch steckte ein viel größeres Projekt: Die World Inequality Database, in deren Rahmen über hundert Wissenschaftler in über achtzig Ländern historische Daten über die Einkommens- und Vermögens­verteilung zusammen­tragen.Nun legt er mit Capital et idéologie ein neues Mammutwerk vor. Er beschreibt die Geschichte der Ungleichhet und schlägt konkrete Maßnahmen vor, um sie zu reduzieren. Wie bereits das Vorgängerwerk strotzt auch Capital et idéologie nur so von Zahlen.

Daniel Binswanger hat dazu für die Republik eine Rezension geschrieben. Diese ist selbst so umfangreich geworden, dass es auch eine Kurzfassung der Rezension gibt. Uff.

Zur Rezension

Zur Kurzfassung der Rezension

The French Economist Who Helped Invent Elizabeth Warren’s Wealth Tax

Benjamin Wallace-Wells portraitiert für den New Yorker Gabriel Zucman. Sein Vorschlag für eine Vermögenssteuer für Superreiche bildet den Kern von Elisabeth Warren’s Kampagne für die Präsidentschaftskandidatur der DemokratInnen. Was Zucman von KollegInnen unterscheidet ist nicht nur seine Meinung zu Superreichen, sondern auch seine Überzeugung, dass politische Systeme sehr wohl in der Lage sind, Veränderungen wie einen Stopp der Steuerflucht durchzusetzen, und zwar sehr schnell. Ein Ökonom für das Primat der Politik.

Zum Artikel (auf Englisch)

Krise der (europäischen) Sozialdemokratie

Im Mai 2019 erlitt die europäische Sozialdemokratie bei den Europawahlen ein Fiasko. Sie holte eines der schlechtesten Ergebnisse in ihrer Geschichte. Das Wahlergebnis ist Ausdruck einer tiefen Krise des sozialdemokratischen Projekts und Ergebnis seines langjährigen Niedergangs. Mittlerweile liegen die goldenen Jahre sozialdemokratischer Wahlerfolge etwa 20 Jahre zurück.

Seit den 1990er Jahren unterlag die Sozialdemokratie einem inhaltlichen wie strategischen Transformationsprozess, der als „Marktsozialdemokratie“ (Oliver Nachtwey) bezeichnet wird. Die damit einhergehenden Legitimationsdefizite entfernten die europäischen sozialdemokratischen Parteien von ihrer angestammten Klientel. Fortan wollten sie Parteien der „Mitte“ sein.

Die Krise seit 2008 beschleunigte den Niedergang, der von einer tektonischen Verschiebung innerhalb des Parteiensystems begleitet ist.

Die neue Ausgabe der PROKLA – Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft analysiert die „Krise der (europäischen) Sozialdemokratie“ und arbeitet in verschiedenen Artikeln ihre gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Gründe heraus:

Zur Ausgabe (nicht alle Artikel frei verfügbar)

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