Links der Woche – KW 25

Diese Woche in den Links der Woche: Weil die Produktion zurückgeht, wirkt sich die anhaltende Krise bislang positiv auf den Umweltschutz aus – zumindest entsprechend den gegenwärtig dominanten Modellen und Annahmen. Dabei drängt die Energiewende, und wird vom fallenden Preis für fossile Energieträger zusätzlich bedroht: das Jahoda-Bauer-Institut hat dazu etwas Kluges und Lesenswertes geschrieben. Über von Hayek, Liberalismus und die dafür nicht unbedingt notwendige Demokratie geht es auf Opendemocracy, über die chinesische ArbeitnehmerInnenbewegung im Dissent Magazine, und Barbara Coudenhove-Kalergi attestiert der SPÖ im Standard die Aufgabe des Grundwerts des Internationalismus.

Österreich

Sogar orf.at übt sich mittlerweile offensiv im Faktenchecken und hat gemeinsam mit dem Innenministerium, der Polizei, UNHCR und der Caritas drei der meistbenutzten Memes zum Thema Asyl auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

Martin Blumenau liefert einen zweiten Teil seiner Analyse von rot-blau im Burgenland.

Die burgenländische Sozialdemokratie hat den Grundwert des Internationalismus aufgegeben, schreibt Barbara Coudenhove-Kalergi im Standard. „Was die burgenländischen Sozialdemokraten mit ihrem vielzitierten Tabubruch aufgegeben haben, ist nicht nur der Respekt vor einem Parteitagsbeschluss. Sie haben einen ihrer Grundwerte preisgegeben. Dieser heißt Internationalismus. Die historische Linke hat – wie übrigens auch das Christentum – stets klargemacht, dass sie grundsätzlich für alle Menschen da ist. Die Nationalisten dagegen sagten und sagen von jeher: nur für unsere Leute. Wenn dieser Unterschied verschwindet, kommt alles ins Rutschen. Nationale Sozialisten sind keine Sozialisten und auch keine Sozialdemokraten. Und „Deutsche Christen“ (eine Nazi-Erfindung) sind keine Christen.“

Es kommt nicht oft vor, dass wir auf Christian Ortner’s Geschreibsel verweisen. In der Presse schreibt er: „SPÖ wie ÖVP sind bei näherer Betrachtung ja keine Parteien mehr, sondern bloße Interessenvertretungen – nicht zuletzt der Interessen ihrer jeweiligen Führungsschicht und all jener Funktionäre in der zweiten und dritten Ebene, deren bürgerliche Existenz in vielen Fällen vom politischen Überleben der jeweiligen Führungskader abhängt.“

Die Gefahr des billigen Öls. Wie der fallende Preis für fossile Energieträger die wichtige Energiewende in Österreich gefährden kann. Das Jahoda-Bauer_Institut über die Gefahren für die Energiewende.

Novomatic kauft sich entgegen anderslautender Pläne ins Lotterien-Geschäft ein – der Standard berichtet.

Minderjährige Flüchtlinge nehmen in ganz Europa zu – für die staatliche Betreuung stellen sie eine besondere Herausforderung dar: Katharina Glawischnig und Marion Hackl beschreiben für den Mosaik-Blog die Lage.

Geschlechterrollen

Anatol Stefanowitsch, Keynote-Speaker des diesjährigen Momentum-Kongresses im Herbst in Hallstatt, berichtet am Sprachlog über eine spannende neue Studie zu geschlechtergerechter Sprache und Lebensentscheidungen:

Tuğçe Albayrak ist anderen Menschen zu Hilfe geeilt und hat dafür mit ihrem Leben bezahlt. Nun wird dennoch vor allem darüber gesprochen, wie sie sich anders verhalten hätte können: In dem Prozess zu ihrem Tod vor einem deutschen Gericht offenbart sich, wie viel Machismo in den Köpfen unserer Gesellschaft immer noch vorhanden ist – am 10 vor 8 Blog der FAZ.

Und wieder wehren sich WissenschaftlerInnen mit einer extrem coolen Hashtagkampagne gegen paternalistischen Sexismus: ein Professor hatte sich beklagt, dass gemischt-geschlechtliche Arbeit immer zu Liebe (bei Männern und Frauen) oder Tränen (nur bei Frauen) führe.

Ideologie und Geschichte

‚Hating the Underdog‘ – Medienstrategien zur Marginalisierung von Protestbewegungen und anderen kritischen Gruppen in Form eines Listicles gibt es auf Cracked.

Über von Hayek, Liberalismus und die dafür nicht unbedingt notwendige Demokratie geht es in diesem Artikel auf Opendemocracy.

Über die zweifelhafte Rolle von PsychologInnen bei der Überprüfung der für Arbeitslosenleistungen erforderlichen Arbeitswilligkeit im Vereinigten Königreich schreibt ‚The conversation‘.

Ausland

Zwar wird in jedem Gremium der Europäischen Union über die ankommenden Flüchtlinge und noch zu erwartenden Flüchtlinge gesprochen, mit Entscheidungen – gar mit guten – darf aber nach derzeitigem Stand nicht gerechnet werden. Kaum ein Land ist bereit, sich in dieser Frage signifikant zu bewegen, die Notwendigkeit zur Einstimmigkeit tut den Rest. Das Zentrum für politische Schönheit ist bereits in der Vergangenheit mit Aktionismus aufgefallen, der den Nagel auf den Kopf trifft und dabei auch zu drastischeren Methoden greift: als das offizielle Deutschland den Jahrestag des Mauerfalls feierte, stellten die Menschen hinter dem Zentrum für politische Schönheit Kreuze für die Toten im Mittelmeer auf; ein Waffendeal mit Saudi-Arabien wurde dank der KünstlerInnen von einer Randmeldung zum Thema in aller Munde, bei dem sie nebenbei auch den Standard gegenwärtig zulässiger Heuchelei in Frage stellten. Derzeit arrangieren die Menschen hinter dem Zentrum für politische Schönheit die Bestattung einiger im Mittelmeer ertrunkener Menschen im Kreise von deren Familien in Deutschland, zu denen sie unterwegs waren. Deutschland hat es in der Hand, in der Flüchtlingspolitik etwas zu ändern, so ihr Argument. „Deutschland ist die Schaltzentrale der EU-Abschottungspolitik.“ Die taz berichtet.

ArbeitnehmerInnen sind in China nach wie vor keine politische Macht, mit der zu rechnen ist, obwohl die Mobilisierung im Steigen begriffen ist: William Hurst beschreibt im Dissent Magazine das aktuelle Geschehen und erklärt die Hintergründe.

Yanis Varoufakis im Interview im Tagesspiegel zu den de facto derzeitigen Möglichkeiten des griechischen Staates bei der Steuereintreibung: „Die großen Steuersünder, wenn wir die vor Gericht zerren, dann dauert es bis zum Prozess bis 2023. Bis dahin nehmen wir keinen Penny ein. Wir haben ja nicht mehr wirkliche Steuerbüros, weil die Löhne dort so brutal gekürzt wurden, dass die Leute sich andere Jobs gesucht haben. Ich habe mich als Finanzminister erkundigt: Wie viele Steuerprüfer habe ich zur Verfügung? Wissen Sie, was die Antwort war? Einhundert für ganz Griechenland. Einhundert.“

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