Links der Woche – KW 24

Die rot-blaue Koalition im Burgenland war für viele keine Überraschung: einer von ihnen – Martin Blumenau – hat recht unaufgeregt dazu Stellung genommen. Ein Arzt berichtet aus der Praxis seines derzeitigen Arbeitsalltags in Griechenland über die unmittelbaren gesundheitlichen Auswirkungen: wer kein Geld hat, hat dort mittlerweile eine klar verringerte Überlebenswahrscheinlichkeit.

Juncker nennt Orbán einen Diktator, sagt dann aber wiederum, dass er das oft macht, aber nur im Schmäh: Maximilian Steinbeis beschreibt anhand dessen auf seinem Blog, welche sozialen Normen gegenwärtig innerhalb von Kommission und Rat am Wirken sind und warum Orbán’s Ausscheren aus dem Stil der Mitte weniger problematisch für die herrschende Kultur ist als die Herausforderung durch Varoufakis. Und Christina Pausackl thematisiert im DATUM das System des ‚Proporz‘ auf Wiener Bezirksebene.

Arbeit und Wirtschaft

Greenpeace ruft dazu auf, vor einer Verhandlung des Europäischen Parlaments zu TTIP am 10. Juni zu den EU-Abgeordneten Kontakt aufzunehmen um das laufende Interesse am Thema zu signalisieren und bieten dazu hier auch eine Plattform an, auf der das ganz einfach geht. Und Wikileaks sammelt für eine Belohnung für das geheime TTIP-Kapitel.

Europe at the Crossroads: Alexis Tsipras hat vor kurzem einen Artikel für Le Monde Diplomatique geschrieben, den man nun auch auf Englisch nachlesen kann.

Jean-Claude Juncker hat unlängst Viktor Orbán vor versammelten JournalistInnen als Diktator begrüßt. Darüber sagt er: „Viktor Orbán begrüße ich seit zwei Jahren als Diktator. Es ist ein deutlicher Freundschaftsbeweis.“ Zum Feind wird man in den Augen der EU-Officials somit scheinbar leichter, wenn man wie Varoufakis die Etikette der Ecofin-Kollegialität durchbricht als durch orbáneske Politik. Für einen wie Orbán scheint, solange er ein bisschen Spaß verträgt, im Freundeskreis Junckers allemal Platz zu sein. Nachzulesen bei Maximilian Steinbeis.

Der Bericht der ILO zu Beschäftigung und sozialen Verhältnissen: ‚World Employment and Social Outlook 2015 der ILO – the changing nature of jobs‘ prognostiziert, dass eine Anpassung der sozialen Sicherungsmechanismen und des Arbeitsrechts an die geänderten Verhältnisse dringend nötig ist.

Eine Ethnologin und ein Kulturanthropologe zeigen im Standard, dass der Kilopreis von 16 Cent für Orangen auf knallharter Ausbeutung beruht.

Griechenland muss sparen, und das sieht so aus: Krebskranke bleiben ohne Hilfe, Polio kehrt zurück, Diabetiker erblinden. Georgis Vichas berichtet aus der Praxis.

Ein kritisches Interview mit dem Mathematiker Claus Peter Ortlieb über „griechische Krisen, große Zahlen und die Lebenslügen der Volkswirte“ im Interview in der FAZ.

Frauen

Die Standard berichtet über unsere Sexualstrafrechtskampagne!

Ein Artikel im Alternet beschreibt Anhand von Beispielen wie Unterbrechung von Frauen in Diskussionsrunden und Missachtung in gesellschaftlichen Runden den gender confidence gap.

Gesellschaft

Quincy Cloet und Kerry Longhurst zeigen in diesem kurzen Artikel auf EurActiv sehr eindrücklich warum der Eurovision Songcontest naturgemäß auch politisch sein muß. „By blending light entertainment with the promotion of tolerance, served with a huge side-order of kitsch, Eurovision is at Europe’s avant-garde. It might appear frothy and frivolous, but the Eurovision song contest is at heart a highly political creature.“

Im Herbst 2014 haben Demonstrantinnen und Demonstranten in Burkina Faso ihren Langzeitherrscher Blaise Compaoré aus dem Amt vertrieben. Die Wiener Zeitung berichtet nun über den Musiker Sams’K Le Jah, der mit seiner Musik und seiner Arbeit als Radiomoderator maßgeblich dazu beigetragen hat.

Die Slovakei – einst geradezu herausragend korrupt – setzt auf neue Standards: Gabriel Sipos berichtet über das neue Slowakische Transparenzregister.

Innenpolitik

30 Jahre später und wir verstehen die FPÖ noch immer nicht, meint Walter Hämmerle in der Wiener Zeitung.

Eine wie immer sehr eigenständig-kritische Position nimmt auch in der Causa Rot-Blau Martin Blumenau ein: er findet, dass der hysterisch-hämische Umgang mit dem rotblauen Tabubruch nur ein weiteres Symptom der Erstarrung der politischen Klasse ist.

Im VICE Magazin erklärt ein Steirer, warum er sich eine schwarz-blaue Koalition für sein Bundesland wünscht.

„In der Wiener Politikerhierarchie steht ein Bezirksvorsteher dennoch über einem Gemeinderat, dem Landeshauptmann-Stellvertreter oder einem Nationalratsabgeordneten. Dessen monatliches Bruttogehalt von 8.582,90 Euro gilt als Maßstab für die Position eines Politikers. Je höher sein Einkommen, desto wichtiger sein Amt. Quasi. Tiller und seine 22 Kollegen verdienen im Monat 10.042 Euro. Stellt sich die Frage: wofür? Was macht eigentlich ein Wiener Bezirksvorsteher für sein Geld, einer, der rechtlich kaum Kompetenzen hat? Welche Aufgaben bleiben seinen Stellvertretern, die mit 4.292 Euro immerhin die Hälfte eines Nationalratsabgeordnetengehalts verdienen? Und überhaupt: Warum braucht ein Bezirksvorsteher zwei davon?“ 23 Bezirksvorsteher, doppelt so viele Stellvertreter, und keiner von den Bürgern gewählt: Wien schleppt ein Proporzproblem in die Wahl im Herbst, findet Christina Pausackl im DATUM.

Und zu guter Letzt eine Neuerscheinung am Buchmarkt: anläss­lich des 20-jährigen Jubi­lä­ums des EU-Beitritts ana­ly­siert der Sam­mel­band „Poli­ti­sche Ökono­mie Öster­reichs“ gesell­schaft­li­che, ökono­mi­sche und poli­ti­sche Entwicklungen.

 

 

 

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