Links der Woche – KW 25

Die Links der (letzten) Woche sind da! Dieses Mal zum Thema Geschlechterrollen in Computerspielen – dieses relativ moderne Medium ist alles andere als Post-Gender. Wie kann es sein, dass Frauen in Computerspielen immer noch hauptsächlich als zu rettende Prinzessinnen oder Hintergrund-Deko mit Doppel-D vorkommen? Außerdem mit dabei: Wie geht es Cameron’s Anti-Juncker-Kampagne? Und ein Nachruf: Diddl ist tot. Aus dem Artikel: „Es ist das Ende einer langen Diktatur.“  Viel Spaß beim Lesen!

Gender und Gaming

Women as Background Decoration

Sehenswert: die neuste Webdoku von Anita Sarkeesian zu Sexismus und Misogynie in Computerspielen ist soeben erschienen. Sie widmet sich der weiblichen Gaming-Figur „Women as Background Decoration“ – nicht spielbare weibliche Charaktere, deren Sexualität oder Opferrolle als Stimmungs-Vehikel genützt wird. „These sexually objectified female bodies are designed to function as environmental texture while titillating presumed straight male players. Sehenswert sind auch die ersten drei Teile ihrer Doku-Reihe Tropes vs. Women. Für alle die Anita Sarkeesian noch nicht kennen, gibt es hier einen älteren Artikel aus der FAZ. Ihre Arbeit ist ein Lehrstück für antifeministischen online-Hass: Als sie vor zwei Jahren in einem Kickstarter Projekt Geld für Ihr Dokuprojekt gesammelt hat ist ihr eine geradezu absurd misogyner Shitstorm männlicher Spieler entgegengeschwappt.

Quelle: youtube.com und feministfrequency.com

Nutten, Bier & Burger – was das Gamer-Herz begehrt?

Zum Glück kriegt die Kritik am Frauenbild in Spielen gerade mehr Aufmerksamkeit: Lesenswert ist z.B. auch der Beitrag der österreichischen Bloggerin Glamgeekgirl (Almud Auner) zum Wiener Launch von „Watchdogs“.

Quelle: glamgeekgirl.net

Videospiele: Kein Platz für Frauen?

Rainer Sigl wundert sich im Standard darüber, warum es so wenig spielbare Frauencharaktere gibt und bringt die großteils abstrusen und haarsträubenden Anwtorten der großen Spielekonzerne.

Quelle: derstandard.at

Editor’s blog: I am sexist

Etwas Hoffnung in diesen Zusammenhang macht der Kommentar des „Eurogamers“-Redakteur Tom Bramwell, der hier unerwartet selbstkritisch feststellt, dass er über die letzten Jahre ebenso sexistisch wie die Spielindustrie gedacht hat. (Eurogamer ist neben IGN das größte Internetportal für Videospiel-Rezensionen). „This is a realisation that has slowly dawned on me over the last few years. Without really meaning to do so, I have been going around saying and doing things that demean women and casually downplay the importance of issues of gender discrimination all my life. It’s a horrible thing to recognise about yourself, gradually or not.“

Quelle: eurogamer.net

Europa

No wonder Cameron wants to celebrate the Magna Carta – back then plebs had the same human rights as a parsnip

David Cameron hat’s gerade nicht leicht. Seine Kampfansage an Europa dürfte wohl gescheitert sein, jetzt wirft er sich zur Rettung der „Britishness“ erneut ins Gefecht. Charlie Brooker sagt uns im Guardian seine Meinung dazu: “ David Cameron has responded to this crisis by declaring we need to celebrate „Britishness“ with more enthusiasm. More enthusiasm? More? We’ve been celebrating Britishness with the strained determination of a man desperately trying to shit a cricket ball for the past five years. There’s a Union Flag on every cushion, bedspread and Rimmel commercial. […] We had the Olympics, for Christ’s sake. We spent the whole of 2012 waving flags like a semaphore dictionary on fast-forward. And that wasn’t enough? „

Quelle: theguardian.com

Alexis Tsipras’ support for Juncker shows the extent to which the UK’s position is out of sync with public opinion across the EU

Der spanische Politologe Miguel Otero-Iglesias zeigt in seinem Artikel auf dem LSE Europablog, wie weit entfernt Camerons „Last Stand“ von der öffentlichen Meinung in Europa entfernt ist, wenn sogar Alexis Tsipras sich hinter Juncker stellt.

Quelle: blogs.lse.ac.uk/europpblog

Falsche Schlacht

Die Autorin Tessa Szyszkowitz erklärt auf ihrem Blog, warum sich die BritInnen so über Juncker ereifern „Die britische Debatte dreht sich um Junckers Charakter, doch in Wahrheit geht es darum, dass die britischen Inseln unter der Führung eines visionslosen Premierministers immer weiter vom europäischen Kontinent abdriften.“

Quelle: tessaszy.com

Who’s going where? Tracking the musical chairs in the European Parliament

Fröhliches Sesselrücken im Europaparlament: Jetzt wo die ersten Plenarsitzungen anstehen wird es spannend, wie die Fraktionszusammensetzung für die nächste Legislaturperiode aussehen wird. Mittlerweile haben sich auch die meisten neuen Parteien entschieden. (Nur „die Partei“ ist noch unentschlossen). „Europedecides“ bietet für die Zusammensetzung einen schönen Überblick.

Quelle: europedecides.eu

„Wenn es in Europa nur um Märkte geht, werden wir nie die Vorstellung eines gemeinsamen Schicksals entwickeln“

„Was an der Funktionsweise der EU derzeit am dringendsten geändert werden muss, ist ihr Fokus auf eine rein märkteschaffende Agenda und ihre daraus folgende Vernachlässigung der ausgleichenden Sozialagenda, die dafür notwendig ist.“ „Postdemokratie“-Autor Colin Crouch im Interview mit Manuel Müller.

Quelle: foederalist.blogspot.de

Wirtschaft

Österreich ist Schulden-frei – ist Österreich Schulden-frei?

Wer es noch nicht längst tut, sollte unbedingt den Arbeit&Wirtschaft-Blog abonnieren (z.B. via Facbook oder Twitter unter @AundW). Diese Woche unter anderem wieder lesenswert zum Thema Schulden und Sparen: „Es ist fatal wenn alle Geld zur Seite legen wollen und niemand etwas sinnvolles damit tut.“

Quelle: blog.arbeit-wirtschaft.at

„In den Konzernen herrschen weiße, deutsche Männer“

Absolut lesenswert ist – wieder einmal – ein Interview mit Thomas Sattelberger, ehemals Personalvorstand der Deutschen Telekom, zum Thema Vielfalt in Unternehmen. 

Quelle: zeit.de

The SPD Under Angela Merkel

Der führende deutsche Sozialwissenschaftler Wolfgang Streeck analysiert die politische Landschaft Deutschlands unter der großen Koalition und die problematische Situation der SPD in dieser Konstellation. Auch die deutschen ÖkonomInnen kommen vor: „Like the minimum wage, both pension reforms are fought tooth and nail by German economists, a neoliberal monoculture of astonishing internal conformity that has never been more predictably opposed than now to anything looking only slightly like it might be social-democratic.“

Quelle: jacobinmag.com

Gesellschaft

Wie entsteht ein gerechtes Gemeinwesen?

Sozialphilosoph Oskar Negt schreibt im Standard: „Nachdem in den vergangenen Jahrhunderten alle Einigungsversuche gescheitert sind, hängt jetzt alles davon ab, ob politische Lösungen der sich verschärfenden sozialen Konflikte gefunden werden. Der Angstrohstoff wächst bedrohlich. Weil die Menschen im sozialdarwinistischen Überlebenskampf entweder mutlos resignieren oder sich als Wutbürger abreagieren, ohne das Gefühl zu bekommen, Änderungen bewirkt zu haben, präsentieren sich im europäischen Zusammenhang immer offener rechtsradikale Programme.“

Quelle: derstandard.at

Aus die Maus

„Es ist das Ende einer langen Diktatur.“ Und jetzt einmal ausnahmsweise etwas 100% Postives: Diddls Schreckensregime ist zu Ende: „Diddl war die mausgewordene Infantilisierung der Realität.“

Quelle: zeit.de

Last Week Tonight with John Oliver: Net Neutrality

Für alle die sich noch immer fragen, ob Netzneutralität wirklich so wichtig ist, hier eine ausgezeichnete (und sehr unterhaltsame) Zusammenfassung von John Oliver auf HBOs Last Week Tonight Show: „The cable companies have figured out the great truth of America. If you want to do something evil, put it in something boring.“ 

Quelle: youtube.com

Jugend ohne Sex

In Japan läuft ein Experiment ab, wie es noch keines gegeben hat. Es dauert nun schon ein Vierteljahrhundert, und ein Ende ist nicht in Sicht: Die Japaner testen, was mit einer hoch entwickelten Zivilisation geschieht, die im Stillstand verharrt.“ Die Zeit schreibt über den offenbar gar nicht so kleinen Teil der japanischen Jugend, der irgendwie nicht Tritt fassen konnte im Arbeitsmarkt: arbeitslos oder in prekärer Beschäftigung, bei den Eltern lebend, ohne PartnerInnen – keine schöne Perspektive.

Quelle: zeit.de

 

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