Links der Woche – KW 13

Diese Woche in den Links der Woche: Ein kritische Auseinandersetzung mit Van der Bellen, die Ökonomisierung von Gefühlen im Arbeitsleben sowie ein Nachruf auf Imre Kertész. Außerdem: Die Spaltung der russisch-orthodoxen Kirche im Zuge des Ukraine-Russland Konflikts, ein Bericht über die einzige weibliche Ökonomie-Nobelpreisträgerin und vieles mehr. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Österreichische Politik

Marcel Andreu übt am Mosaik-Blog Kritik am Präsidentschaftskandidaten van der Bellen: „Die Jubelstimmung um Van der Bellens Kandidatur trägt nicht umsonst bisweilen irrationale Züge. Schließlich geht es darum, ein Bedürfnis nach einem sanften und weisen Patriarchen zu bedienen, der Sicherheit und in dieser Sicherheit auch Autorität vermittelt. Auf die Frage Armin Wolfs in einem ZIB-2-Interview, ob er mit seiner „unabhängigen“ Kandidatur nicht Menschen für dumm verkaufe, antwortet Van der Bellen: „Das darf ich mir schon als Intellektueller nicht erlauben.“ Die Message ist eher eine Schmeichelei an die WählerInnenschaft: Seht her, auch ihr seid intellektueller als der Rest. Er lässt sie an seiner Weisheit teilhaben und versichert: Ihr lasst euch nicht so leicht verschaukeln (während genau das mit dem Unabhängigkeitsschwindel geschieht).“

Alexander van der Bellen ist nicht nur Präsidentschaftskandidat, sondern auch das Kind von Flüchtlingen. In der Zeit erzählt Herwig G. Höller die Geschichte seiner Familie. So auch ein anderer Präsidentschaftskandidat, Andreas Kohl – seine Geschichte ist bereits im Jänner in der Presse erschienen.

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz ist auch international in aller Munde. Auch im Berliner Freitag findet sich ein Porträt: „Das postmoderne Charisma ist freilich eine kulturindustrielle Droge, sie wird nicht mehr vom politischen Exponenten erzeugt, sondern ihm verabreicht. Kurz hat kein Medienecho, er ist ein Medienecho.“

Internationale Politik

Der konservative John McCain hat einen Nachruf auf den letzten Überlebenden der im spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der KommunistInnen kämpfenden Lincoln-Brigade in der NY-Times geschrieben „Salute to a Communist“.

Hilary Wainwright fragt sich im Jacobin Magazine wie ein Linker wie Jeremy Corbyn es schaffte Labour Party Vorsitzender zu werden, wie sich Parteien, andere Institutionen, politische Programme und Strategien an neue Zeiten anpassen, und wie eine Corbyn Labour Party gemeinsam mit grassroot Initiativen im Jahr 2020 gewinnen könnte.

Der Krieg zwischen der Ukraine und Russland hat, auch wenn das vordergründig erstmal nicht so wichtig wirkt, auch die russisch-orthodoxe Kirche gespalten. Dieser Forbes-Artikel erklärt die derzeitige Lage und den Einfluss der Patriarchen und des Vatikans auf die zeitgeschichtlichen Ereignisse, angefangen bei der spirituellen Bemalung der Annexion der Krim bis hin zum Krieg in Syrien. Man bekommt auch einen recht guten Eindruck davon, welche Rolle Religion im modernen Russland spielt und wie sich die russisch-orthodoxe Kirche in Relation zum europäischen Liberalismus und dem politischen Islam sieht.

In vielen amerikanischen Medien scheint es ausgemachte Sache, dass Hillary Clinton in den Vorwahlen eindeutig besser ankommt. Die Huffington Post erklärt, was das mit dem ‚early voting‘ zu tun hat, mit dem Effekt, dass ‚early voting‘ demokratiepolitisch ziemlich kontraproduktiv wirkt.

Als Hillary Clinton in den Vorwahlen 2008 immer mehr junge Wählerinnen an Barack Obama verlor, warf man ihr vor, ihre Rolle als Frau in der Politik nicht stark genug zu betonen. In den aktuellen Vorwahlen ist das anders. Mit der Betonung von Frauenrechten versucht Clinton einen Kontrast zu Bernie Sanders und dessen inhaltlichen Schwerpunkten auf Klasse und Einkommensunterschiede zu ziehen. In einem grandiosen Essay in der New York Review of Books untersucht Zoë Heller die Beziehung von Hillary Clinton und Frauenpolitik.

Ökonomie und Utopie

Auf Evonomics wird die Geschichte der einzigen weiblichen Nobelpreisträgerin für Ökonomie Elinor Ostrom erzählt, die mit ihrem Werk dazu beitrug, aufzuzeigen, dass und wie kollektives Handeln möglich ist. Dadurch wurde das Paradigma der Mainstream-Ökonomie der ‚Tragedy of the commons‘ teilweise widerlegt, welches vom Scheitern kollektiven Handelns ausgeht und dadurch freie Marktwirtschaft und Privatbesitz propagiert.

Großbritannien schafft die Besteuerung von Tampons ab. Durchgesetzt wurde das von EU-Gegnern. Die international durchaus übliche Besteuerung von Tampons und Binden ist nichts anderes als Sexismus. „Die Debatte muss ein Anlass sein, gesetzgeberisch klar zu definieren, was ein Luxusgut und was reine Notwendigkeit ist“, meint die Taz.

Ist Superintelligenz die größte Gefahr für die Menschheit? Künstliche Intelligenz wird laufend besser. Sobald sie jedoch gut genug wird, um sich selbstständig zu verbessern, explodiert ihre Leistungsfähigkeit. In diesem Moment entsteht Superintelligenz. Diese wird uns in jeder Hinsicht überlegen sein, und es ist denkbar, dass sie die Menschheit eliminieren wird. Viele kluge Köpfe sehen daher die Superintelligenz als größte aktuelle Bedrohung der Menschheit, wie auf Seriengründer nachzulesen ist.

Arbeit

Der Soziologe Otto Penz forscht zur Ökonomisierung von Gefühlen im Arbeitsleben und fragt, welche Auswirkungen das auf Geschlechter- und Arbeitsverhältnisse hat. Der Standard hat ihn interviewt.

„It is a peculiarity of capitalists and the bourgeoisie to think that we workers have no culture,“ adds the novelist, whose many tattoos include one of Karl Marx on his left arm. Hier.

Kultur

Bereits vor zwei Jahren hat Imre Kertész gesagt: „Ich glaube, ich habe alle meine Augenblicke schon erlebt. Es ist fertig, und ich bin noch da.“ Jetzt hat es der großartige Schriftsteller und Buchenwald-Überlebende hinter sich. Über sein Lebensthema, „die schier unendliche Biegsamkeit des Menschen“, seine Sicht auf Ungarn und Österreich, und die groteske Nazi-Erinnerungsindustrie, die darauf besteht, auch seinen Opferstatus zu perpetuieren, geht es in diesem bereits zwei Jahre alten Zeit-Interview. (Es lohnt sich auch, den Verlinkungen zu folgen.) In einem noch älteren Interview mit der FAZ spricht er vor allem über Ungarn, dass ihn die Faschisten dort nicht interessieren, und darüber, was er vom Leben noch will: sein Werk vervollständigen. „Wo alles mit allem zusammenhängt, langsam etwas gebaut ist, eine volle Welt. Und da fehlt noch etwas. Daran arbeite ich. Und wenn ich offen sein darf: Mich langweilt das alles. Es inspiriert mich nicht.“ Sein selbstgestecktes Ziel ist ihm noch mit Leichtigkeit gelungen, sein letztes Buch, ein Tagebuch namens ‚Letzte Einkehr‘, ist 2013 erschienen. Er ist trotz allem ein freier Mensch geworden, über die überwältigende Mehrheit seiner Zeitgenossen würde er dasselbe wahrscheinlich nicht behaupten.

Hellboy ist überhaupt einer der besten Comics derzeit, vielleicht nicht immer die Story aber definitiv die Ästhetik, wie comics alliance schreibt. Warum grafic novels gelesen werden (sollen) wird hier erklärt.

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