Links der Woche – KW 34

Diese Woche in den Links der Woche: In Seattle schließen sich FahrerInnen von Uber, Lyft und Ähnlichem zusammen, um Entgelt und Arbeitsbedingungen kollektiv zu verhandeln; ein Journalist macht sich auf die Suche nach Frauen in Burka und es gibt Neues von den Panama Papers.

Außerdem: wie die Medien reagieren, wenn sich eine Frau vor einem Wettkampf in Trashtalk gegenüber ihren Gegnerinnen übt; die ersten Erfahrungswerte mit Arbeitsverkürzung aus Schweden und wie die digitale Gesellschaft Mythen, Faktoide und irrelevante Tatsachen zu neuen Wahrheiten aufbläst und was das politisch bedeutet.

Arbeit

Nach 61 Tagen Streik haben die ausgelagerten Reinigungs- und Bewachungskräfte in London einen respektablen Erfolg erzielt (insb den London Living Wage) – mehr dazu kann man hier nachlesen.

In der NZZ gibt es einen Artikel über die Chancen von traditioneller Arbeitskraft gegen Roboter. Spoiler: „Die zunehmende Automatisierung bedroht immer mehr Arbeitsplätze. Wie hart der Strukturwandel einzelne Branchen und Länder treffen wird, wird unter Experten noch rege debattiert. Studien zeichnen die unterschiedlichsten Szenarien. Eines haben sie jedoch gemein: In Österreich sind im internationalen Vergleich viele Stellen in Gefahr.“

Die Zeit berichtet über die ersten Erfahrungswerte mit Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich in Schweden – wäre auch in Österreich einen Versuch wert!

Einer der wirklich interessanten Zugänge zur Gig-Economy ist die rechtliche Regelung in Seattle, die es FahrerInnen bei Uber, Lyft und Ähnlichen erlaubt sich zusammenzuschließen und Entgelt und Arbeitsbedingungen kollektiv zu verhandeln (undabhängig davon ob sie ArbeitnehmerInnen oder Selbständige sind) – das gefällt der Wirtschaft natürlich nicht, die erste gerichtliche Anfechtungsrunde hat die Regelung jedoch überstanden. Nachzulesen bei Bloomberg.

Gesellschaft

„Was macht die Autoritären so stark? Unsere Arroganz“, schreibt Elisabeth Raether in der Zeit. Indem die Sozialdemokratie das Primat der Politik gegenüber der Ökonomie aufgegeben und sich vor allem auf kulturelle Fragen konzentriert hat, hat sie nicht nur die letzten Reste eines Klassenbewusstseins der Arbeiter zerstört, sondern auch dazu beigetragen dass diese zu Ausgegrenzten wurden. Wir, die Weltbürger, die den guten Kampf für die Rechte der Frauen und Minderheiten gekämpft haben, haben diese Leute ignoriert weil sie nicht in unsere Welt passten. Zusammen mit der Dauerprekarisierung des ganzen Milieus führt diese Ausgrenzung zu einer Politisierung zugunsten der rechtspopulistischen Parteien.

Im Standard gibt es gerade eine tolle Sommer-Reihe zum Thema „war früher wirklich alles besser?“. Nach Berufseinstieg und Familie ist nun das Thema Kaufkraft dran. Der Sukkus des Artikels: Mieten sind teurer und der Berufseinstieg findet später statt. Wer aber einen Job hat, der nach Kollektivvertrag bezahlt wird, bekommt heute deutlich mehr als früher.

Hope Solo, die Torhüterin des olympischen Frauen-Fußballteams der USA, bezeichnete ihre Gegnerinnen als „bunch of cowards“ und wird dafür scharf angegriffen. Einem männlichen Sportler würde das nicht passieren. Nachzulesen bei Quartz.

Liest man diese Tage Boulevard-Medien glaubt man, dass es in ganz Österreich und Deutschland von Burka-Trägerinnen wimmelt. Fabian Köhler von Bento hat sich auf die Suche nach ihnen gemacht und keine einzige Frau in Deutschland gefunden, die Burka trägt.

Die digitale Welt ersetzt Fakten mit Faktoiden, Halbwahrheit und irrelevante Tatsachen. Es zählt nicht was Wahrheit ist, sondern wie Information, sei es wahr oder falsch, den Gemütszustand ändert. Man lebt in einer Bubble in der die eigene Wahrheit mit Hilfe der sozialen Netzwerke ein Bestätigungsbias bekommt. Die Suchmaschine verstärkt die „Nichtwissenwollengesellschaft“ indem Wissen und Googeln gleichgesetzt wird. Ein Beispiel dafür: Rudy Giuliani hat vor kurzem angedeutet dass Hillary Clinton gesundheitliche Probleme hat und, als ihm gesagt wurde, dass dies falsch sei, sagte er nur: „Go online and put down ‘Hillary Clinton illness,’ take a look at the videos for yourself“. Nachzulesen in der NZZ.

„Ich wohne seit einiger Zeit in einem der lebendigsten Viertel dieser Stadt, am Yppenplatz in Ottakring. An dem Tag, als ich in meine neue Wohnung zog, wurde vor meiner Haustüre eine Frau erschlagen, und das war nicht irgendein Mord.“ Florian Klenk, der Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung Falter, schrieb einen Brief über den Mord am Brunnenmarkt an Le Monde Diplomatique.

Wirtschaft und Fiskalpolitik

Dieter Wermuth am Herdentrieb-Blog mit einem gewohnt nüchternen, angesichts der neuerlich überbordenden Außenhandelsüberschüsse Deutschlands allerdings auch besonders ernüchternden Kommentar zur wirtschaftlichen Lage Europas.

SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel ist zwar von seiner Unterstützung von TTIP abgerückt, macht sich aber für das Freihandelsabkommen CETA stark. Das führt zu vermehrten Widerstand in der SPD –  nachzulesen in der Süddeutschen.

Suzanne Barlyn in einem Reuters Special Report über den Stand der Disskussion in den USA bzw. speziell in Delaware zur Transparenz der wirtschaftlich Berechtigten von US-Briefkastanfirmen.

Neuigkeiten von den Panama Papers: Wenig überraschend ist die panamaische Regierung anscheinend nicht an einer vollständigen Aufklärung interessiert. Zwei Mitglieder der bestellten Aufklärungskommission, Joseph Stiglitz und der Anti-Korruptionsexperte Mark Pieth, sind nun von ihrem Amt zurückgetreten und kritisieren die Regierung heftig.

Sebastian Bräuer in der NZZ am Sonntag über die ab 2017 beginnende Ära der totalen Transparenz bei den Steuern – nur nicht in den USA.

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