Links der Woche – KW 6

Eine breites Themenspektrum haben wir diese Woche zusammengetragen: Novomatic hat einen Prozess verloren, in Schottland gibt es nun die Ehe für alle, Gerhard Schröder hat die deutsche Wettbewerbsfähigkeit doch nicht verbessert, und Karl Marx war ein guter Prophet, findet der Rolling Stone. Die EU-Wahlen und Investitionsschutzabkommen bleiben auch diese Woche thematische Begleiter. Berührt hat uns Dylan Farrow, wir haben zu sexueller Gewalt und ihrer öffentlichen Thematisierung nachgelesen.

Wien

Niederlage für Novomatic vor Gericht

Das Wiener Oberlandesgericht hat ein Urteil gegen Novomatic gefällt. Die Glücksspielautomaten des Konzerns umgehen das Gesetz, denn durch das Betätigen einer „Action-Taste“ können SpielerInnen mit einem Klick mehr Geld einsetzen, als im Gesetz erlaubt.

Quelle: derstandard.at

Die Punks als Pizzabäcker: Besetztes Haus vor Räumung

Dieser Fall hat in Wien schon einiges an Bekanntheit erlangt: Die Castella GmbH erwirbt ein Haus und möchte die verbleibenden MieterInnen loswerden. Dazu „wirbt“ sie Punks an und bietet ihnen an, in den leerstehenden Wohnungen schlafen zu dürfen. Es kommt anders als gedacht: AltmieterInnen und Punks solidarisieren sich, im Erdgeschoss wird die leerstehende Pizzeria wieder aufgemacht – als Volxküche. Doch das Happy End währt(e) nur eine gewisse Dauer – die Räumung soll unmittelbar bevor stehen.

Quelle: derstandard.at

Welt

They’re Taking Over!

Die Meeresbiologin Lisa-Ann Gershwin hat im Frühling des vorigen Jahres ein Buch über die rasche Ausbreitung der Quallen in den Meeren veröffentlicht. In einer September-Ausgabe der New York Review of Books wurde diese bedrückende Rezension von Tim Flannery – ebenfalls Biologe – abgedruckt: „Gershwin leaves us with a disturbing final rumination: ‚[…] I now sincerely believe that it is only a matter of time before the oceans as we know them and need them to be become very different places indeed.‘

Quelle: nybooks.com

Scotland’s same-sex marriage bill is passed

Schottland wird heuer möglicherweise gleich zweimal Geschichte schreiben. Im September wird dort ein Referendum über die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich abgehalten und Schottland könnte zum Präzedenzfall für die Teilung von EU-Staaten werden. Diese Woche hat das devolvierte Parlament mit 108 zu 15 Stimmen der gleichgeschlechtlichen Ehe zugestimmt. „What took us so long?“, fragt ein Kommentar im Scotsman. Follow-Tipp auf Twitter zum Thema: @PTrentOlsen ist Doktorand an der University of Edinburgh, er forscht zu sexueller Orientierung und Geschlechteridentität als Fluchtgrund im Rahmen der Flüchtlingskonvention.

Quelle: bbc.co.uk

Wirtschaft

Marx Was Right: Five Surprising Ways Karl Marx Predicted 2014

Walmart, iPhone, Krise: Fünf Gegebenheiten im Jahr 2014, die Karl Marx vor mehr als einem Jahrhundert korrekt voraussagte.

Quelle: rollingstone.com

Die große Hartz-Illusion

Seit einigen Tagen sorgt ein Papier zu den Ursachen der Verbesserung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit in den vergangenen Jahren für Aufmerksamkeit. Die Antwort der Autoren – linker Umtriebe unverdächtige Ökonomen des University College London, der Humboldt-Universität und der Universität Freiburg – ist eindeutig: Gerhard Schröder war es nicht.

Quelle: blog.zeit.de/herdentrieb

Investitionsschutz

„Freihandelsgespräche mit den USA gehören abgebrochen“

Freihandel mit den USA ist bis auf technische Normierungsprobleme (Steckdose) schon heute weitgehend verwirklicht, es gibt für Unternehmen keine gegenseitige Diskriminierung im Handel. Der nun geplante Investitionsschutz im Rahmen des neuen Freihandelsabkommens soll dazu führen, dass international operierende Unternehmen keinen demokratischen Entscheidungen mehr unterliegen.

Quelle: focus.de

Der verklagte Atomausstieg

Investitionsschutzabkommen sollten ursprünglich Firmen aus Industrienationen im Ausland Sicherheiten bieten. Die bisherigen Verfahren richten sich hauptsächlich gegen Entwicklungsländer, westeuropäische Staaten stehen nur im Ausnahmefall vor dem Schiedsgericht. Doch letztes Jahr hat es auch Deutschland erwischt: Vattenfall klagt die Republik auf 3,7 Milliarden Euro Schadenersatz, denn durch den geplanten Atomausstieg hätten die Investitionen des Energiekonzerns in Deutschland an Wert verloren.

Quelle: freitag.de

Europa

VoteWatchEurope

Auf www.votewatch.eu kann man unter anderem das Wahlverhalten der EP-Abgeordneten nachschauen. Man kann selbst „abstimmen“ und dann überprüfen mit welchen MEPs man die meiste Übereinstimmung hat.

Warum wir jetzt kämpfen müssen

Martin Schulz, Spitzenkandidat der europäischen Sozialdemokratie, schreibt im FAZ Feuilleton über seine Sicht auf die Digitalisierung unserer Lebenswelten: „Internetkonzerne und Geheimdienste wollen den determinierten Menschen. Wenn wir weiter frei sein wollen, müssen wir uns wehren und unsere Politik ändern“

Quelle: faz.net

Wie in Brüssel Entscheidungen getroffen werden

Am 25. Mai sind die EU-BürgerInnen dazu aufgerufen, ihre VertreterInnen für das Europäische Parlament zu wählen. Wie aber werden in Brüssel überhaupt Entscheidungen getroffen und welche Aufgabenbereiche verbleiben bei den Nationalstaaten? Eine kurze Zusammenfassung von Wolfgang Marks.

Quelle: neuwal.com

Hinter dem Schmiss

Ewald Stadler, Spitzenkandidat der Reformkonservativen für die EU-Wahl im Portrait. Ein tiefgehender Einblick in die Welt eines konservativ – fundamentalistischen Politikers, Freimaurer-Verschwörung und ein Reiserosenkranz inklusive.

Quelle: datum.at

Geschlechterpolitik

Kommt Ihnen etwas seltsam vor?

Die Salzburger Watchgroup gegen sexistische Werbung hat eine Kampagne lanciert, in der Männer „laszive Frauenposen“ einnehmen: „und siehe da: wenn Männermodels die allseits bekannten sexistischen Frauenposen aus der Werbung übernehmen, sehen sie dabei nur noch absurd und skurril aus.“

Quelle: diestandard.at

Children don’t want sexist pink and blue toys

Die Spielzeugindustrie zwängt Kinder in Geschlechterrollen. Kampagnen wie Pink Stinks machen seit Jahren auf das Problem aufmerksam und engagieren sich für progressive Mädchenbilder. Auch Kinder wehren sich: Im Internet machte kürzlich ein Beschwerdebrief eines Mädchens an Lego die Runde – „Lego boy toys have all the fun“, aber die Mädchen nicht, analysierte die 7-Jährige. Die Everyday Sexism Begründerin Laura Bates schreibt im Guardian über den Fall.

Quelle: theguardian.com

Sexuelle Gewalt und Öffentlichkeit

Dylan Farrow, Woody Allen’s Adoptivtochter, schilderte letzte Woche in einem offenen Brief sexuellen Missbrauch durch ihren Vater. Farrow schloss den Text mit einen Appell an Hollywood: „What if it had been your child, Cate Blanchett? Louis CK? Alec Baldwin? What if it had been you, Emma Stone? Or you, Scarlett Johansson?“ Allen hatte kürzlich einen Preis für sein Lebenswerk bekommen, rund um die Verleihung waren die Anschuldigungen, die Anfang der 90er gegen ihn erhoben wurden, nicht thematisiert worden.

„Nicht so schnell“, meinen aber einige. Allen sei damals in einem Verfahren nicht verurteilt worden, schreibt zum Beispiel Dokumentarfilmer Robert B. Weide im Daily BeastAaron Bady von The New Inquiry argumentiert anders: Zwar sei es für Gerichte unabdingbar, nur dann ein Urteil zu fällen, wenn keine Zweifel an der Schuld bestehen, doch für eine persönliche Meinung gelte das nicht. Wer meint, dass Allen unschuldig ist, muss auch meinen, dass Farrow lügt: „if one of them has to be lying for the other to be telling the truth, then presuming the innocence of one produces a presumption of the other’s guilt. And Woody Allen cannot be presumed to be innocent of molesting a child unless she is presumed to be lying to us.“

Tenor vieler Kommentare zu den Vorwürfen ist, dass der Öffentlichkeit kein Urteil abverlangt werden könne, das sei eine Sache die innerfamiliär geklärt werden müsse. Ein Kommentar im New Yorker widmet sich diesem Argument: „When we ask how we can ever know what happened, we are, to some extent, repeating an old-fashioned cliché: “It’s not our business.“ […] The Farrow-Allen story, powered by fame, raises the question of which cases of alleged sexual assault the public thinks are matters of general concern, and which it thinks are not.“

Welche Defizite die öffentliche Diskussion um sexuelle Gewalt aufweist, insbesondere, wenn Täter beliebte und bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind, zeigt sich in vielen Fällen: Dominique Strauss Kahn, Julian Assange, Chris Brown, Sean Penn, Roman Polansky, Charly Sheen… Opfer werden als unglaubwürdig abgewertet oder als mit schuld gesehen, während moralische Ansprüche an das Verhalten und die Verantwortung der Täter als unwichtig oder kleinlich dargestellt werden. Ein Grund dafür heißt „Rape Culture“:

What is Rape Culture?

„Rape Culture“ bezeichnet jene kulturelle Praxis in der sexuelle Gewalt als Norm angesehen wird – eine Kultur in der den Menschen nicht beigebracht wird nicht zu vergewaltigen sondern nicht vergewaltigt zu werden. Der Begriff wurde in den 1970ern geprägt. Der Blogeintrag fasst aktuelle Aspekte zur Rape Culture zusammen – mit amerikanischem Fokus zwar aber mit viel Relevanz auch für Österreich.

Quelle: buzzfeed.com

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