Die Volkswirtschaft ist eine Non-Profit Organisation

Wieso es widersprüchlich ist, dass sich Deutschland angeblich auf Kosten künftiger Generationen verschuldet, aber gleichzeitig ein Muskelprotz an Wettbewerbsfähigkeit ist. Wieso Staatsschulden im Vergleich zu Auslandsschulden eine völlig untergeordnete Rolle spielen und wieso es im Außenhandel Schulden gibt, aber keine Schuld. 

 

 

Nikolaus Kowall, Artikel für das Magazin INDES des Göttinger Instituts für Demokratieforschung.

In Deutschland geistern zwei sich strikt widersprechende Storys über die Potenz der eigenen Volkswirtschaft durch die Medien. Erstens, eine Art Schuldenhysterie, die immer wildere Blüten treibt. In düsteren Farben malte das Handelsblatt im September 2011 die mangelnde Krisenresistenz Deutschlands an die Wand: „Die amtliche Schuldenlast Deutschlands ist auf 2.000.000.000.000 Euro gewachsen. Wer ehrlich ist, muss gewaltige Verpflichtungen der Sozialkassen hinzu addieren. Keine gute Basis, um heil durch die Finanzkrise zu kommen.“[1] Ohne die Finanzkrise mit den entsprechenden Konjunktur- und Steuereinbrüchen auch nur zu erwähnen, wird das Vermächtnis der Kanzlerin ebenfalls düster beurteilt: „Allein in der bisherigen Amtszeit Angela Merkels vergrößerte sich dieser Berg um 500 Milliarden Euro. Die Kanzlerin steht damit für so viele neue Schulden wie alle Bundeskanzler in mehr als vier Jahrzehnten Bundesrepublik Deutschland zusammen.“[2] Zuletzt werden die alarmistischen „Berechnungen“ eines Freiburger Finanzwissenschaftlers zitiert, der eine billionenschwere Nachhaltigkeitslücke konstatiert: „Diese sieben Billionen sind ein ungedeckter Scheck auf die Zukunft, ausgestellt von uns allen und einzulösen von unseren Kindern und Enkeln.“ [3] Der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Michael Hüther assistiert im Oktober 2012 in einem Interview mit der Welt: „Seit den 70ern lebt Deutschland über seine Verhältnisse.[4]

In völligem Widerspruch dazu werden – oftmals von den gleichen Medien – euphorische  Jubelmeldungen verbreitet. So titelte das Online-Portal des Handelsblatt im Mai 2012: „Wettbewerbsfähigkeit: Deutschland ist der einzige Euro-Staat in den Top Ten.“[5] Und im folgenden September „Deutschland schlägt USA bei der Wettbewerbsfähigkeit.“[6] Von der deutschen Wettbewerbsfähigkeit, die oftmals an den Leistungsbilanzüberschüssen gemessen wird, träumen aber nicht nur die Medien. Jens Kramer, Chefvolkswirt der Nord LB konstatierte im August gegenüber dem Focus: „Die Überschüsse sind ein Beweis für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.[7] Der Bankvolkswirt ist damit einer Auffassung mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo aus München und mit Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Wirtschaftswoche bejubelt eine Befragung unter Top-Managern, die Deutschland als wettbewerbsfähigsten Eurostaat einstuft: „Insbesondere Deutschland hat eine rosige Zukunft vor sich.“[8]

Wird die Zukunft nun düster oder rosig? Wie passt es zusammen, dass Deutschland einerseits permanent über seine Verhältnisse lebt, andererseits aber ein wettbewerbsfähiger Gigant ist? Dass es sich einerseits auf Kosten zukünftiger Generationen verschuldet, andererseits aber regelmäßig Exportweltmeister oder Vize wird?  Die kognitive Dissonanz, sich zugleich eine rosige und düstere Zukunft auszumalen, scheint die eifrigen Verbreiter dieser Botschaften nicht weiter zu stören. Vielleicht deshalb, weil die Botschaften isoliert so einleuchtend wirken: Erstens, wer mehr ausgibt als einnimmt, kommt eben in die Bredouille. Zweitens, Deutschland wirtschaftet gut, die da unten schlecht. Doch heißt gut wirtschaften nicht mehr einnehmen als ausgeben und hat nicht auch Deutschland mehr ausgegeben als eingenommen? Wo kommen sonst die Schulden her und wie kann man beim Schuldenmachen wettbewerbsfähig sein? Diesen Widersprüchen auf den Zahn zu fühlen ist das Ziel dieses Artikels.

Sind Staatsschulden das größte Problem unserer Gegenwart?

Der damalige CDU-Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen Norbert Röttgen brachte im vergangenen Jahr die Verschuldungspanik in einem Kommentar für die Welt in ihrer ganzen Schlichtheit auf den Punkt: „Wir müssen das seit Jahrzehnten in der Politik geführte Leben auf Pump, die Ära des Lebens auf Kosten der nach uns kommenden Generationen beenden. (…) Wir beenden die »Ausbeutung der Enkel« (Kurt Biedenkopf) nur, wenn wir endlich die Verschuldungsspirale der öffentlichen Haushalte stoppen“[9] Von wirtschaftsliberaler Seite wird man nicht müde zu betonen, dass künftige Generationen die öffentlichen Schulden zu stemmen hätten, die von Regierungen in der Gegenwart gemacht werden. Was allerdings immer verschwiegen wird, ist die Aktivseite der Bilanz, denn irgendjemand muss ja auch die Forderungen haben und die entsprechenden Zinsen kassieren.

Hierzu ein paar grundlegende Überlegungen vorweg. Zunächst, die Schulden der einen sind immer die Forderungen der anderen. Wenn niemand etwas verborgen will, kann sich niemand verschulden und umgekehrt. Wer aber hält die Forderungen gegenüber dem Staat? Typischerweise die Privaten, also Staatsbürger/innen und Unternehmen, die über Geldvermögen verfügen, das sie in verhältnismäßig sicheren Staatsanleihen angelegt wissen wollen. Eine kapitalistische Volkswirtschaft besteht nun mal nicht nur aus dem Staat, sondern auch aus einer wesentlich umfangreicheren Privatwirtschaft. Es ist entscheidend sich zu vergegenwärtigen, dass der Staat nur ein Teilsektor der gesamten Volkswirtschaft ist. Hieraus folgt, dass die Schulden des Staates den Forderungen der Privaten entsprechen. Wenn also die Privaten die Zinsen aus den Staatsobligationen kassieren, bedeutet dies, die Zinsen, die der Staat zu zahlen hat, fließen wieder an die deutsche Volkswirtschaft zurück – wenn auch nicht an den Staat selbst. Kurz gesagt: Die gesamte deutsche Volkswirtschaft hat  folglich die Schulden und hält die Forderungen aus der öffentlichen Verschuldung. Künftige Generationen zahlen zwar die Zinsen, aber sie bekommen auch die Zinsen – denn nicht nur die Schulden werden vererbt, sondern auch die entsprechenden Guthaben.

Nun sind Schulden und Forderungen nicht an Staatsgrenzen gebunden. Nicht nur der deutsche Privatsektor hält deutsche Staatsanleihen, sondern seit den 1970er Jahren auch mehr und mehr das Ausland. Das heißt, Zinsen, die der Staat aus seinem Steuereinkommen bezahlt, fließen auch an Anteilseigner im Ausland. Aber der deutsche Privatsektor hält umgekehrt selbst ein Vielfaches der deutschen Staatsverschuldung als Auslandsforderungen, dem stehen entsprechende Schulden des Auslands bei deutschen Privaten gegenüber. Zwar fließen Zinsen aus deutschen Staatsanleihen ans Ausland. Zugleich fließen aber noch viel mehr Zinsen und Dividenden aus anderen Forderungen nach Deutschland zurück. Entscheidend für die Gesamtzinsen und die Gesamtforderungen ist also nicht, wer wie viele Staatsschulden hält, sondern ob im Saldo Deutsche mehr Forderungen gegenüber dem Ausland, oder das Ausland mehr Forderungen gegenüber Deutschland hält: Die Deutsche Bundesbank beantwortet diese Frage eindeutig. Indem sie die entsprechenden Aktiva und Passiva vergleicht, wird offenkundig, dass Deutschland in den letzten 15 Jahren niemals eine negative Vermögensposition gegenüber dem Ausland aufwies. Vielmehr konnte Deutschland seit 2003seine positive Vermögensposition im Saldo sogar auf 980 Mrd. Euro (2012) deutlich ausbauen. An diesem volkswirtschaftlichen Überschuss an Forderungen wird deutlich, dass die Deutschen mehr Forderungen halten als der Staat Schulden hat

 

Auslandsvermögensstatuts Deutschland in Milliarden Euro, Aktiva (blau) und Passiva (rot) gegenüber dem Rest der Welt gemäß den Daten der Bundesbank. 

Eine letzte Vorbemerkung hierzu: Der Staat verschuldet sich nicht bei anderen Staaten, sondern (über Vermittlung von Banken) bei Privaten auf der ganzen Welt. Wenn alle Schulden Deutschlands gegenüber ausländischen Privaten und alle Forderungen deutscher Privater gegenüber dem Ausland aufgerechnet werden, verschuldet sich der deutsche Staat unterm Strich ausschließlich bei der eigenen Bevölkerung. Das bedeutet, es ist Unsinn zu behaupten, alle Deutschen hätten pro Kopf 25.000 Euro (Staats)Schulden, weil sie pro Kopf sogar deutlich mehr als 25.000 Euro an Forderungen verzeichnen.

Belasten Staatsschulden nicht trotzdem künftige Generationen? Das kommt darauf an, ob Ihre Kinder die Kinder wohlhabender Eltern sind, die Staatsanleihen in ihren Portfolios halten, oder die Kinder mittelloser Eltern, denen kein Cent überbleibt, um ihn zu veranlagen. Da der Staat unterm Strich wie gezeigt vollständig im Inland verschuldet ist, fließen auch alle Zinsen an die Staatsbürger zurück. Allerdings nur an jene Privaten, die dem Staat Geld geliehen haben. Bezahlen muss aber über das Steuersystem die gesamte Bevölkerung. Die Staatsschulden sind also kein volkswirtschaftliches, sondern ein verteilungspolitisches Problem. Alle zahlen Steuern, aber nur die Wohlhabenden bekommen sie auch als Zinsen auf ihre Staatsanleihen wieder zurück. Staatsschulden könnte man auch anders interpretieren: Die Veranlagung durch Wohlhabende in Staatsanleihen ist nichts anderes als das überflüssige Geld, dass der Staat unterlassen hat, im Vorfeld in dieser Einkommensklasse wegzusteuern. Mit Steuern wäre das Geld gratis gewesen, so kostet es die Allgemeinheit der Steuerzahler jene Zinsen, die nur von den Anlegern in Staatsanleihen (typischerweise hauptsächlich Geldvermögende) kassiert werden. Das ist insbesondere in Anbetracht der Tatsache absurd, dass Deutschland ohne die gewaltigen Steuersenkungen der letzten 15 Jahre für Besserverdienende und Unternehmen, deutliche Budgetüberschüsse einfahren würde.[10]

Wie verschuldet sich eine Volkswirtschaft?

Nachdem nun klar ist, dass die Staatsschulden nur ein Teil der Bilanz sind und die Verschuldung der gesamten Volkswirtschaft viel aussagekräftiger ist, stellt sich die Frage, wie Schulden der Volkswirtschaft zustande kommen. Volkswirtschaftliche Schulden entstehen, wenn eine Volkswirtschaft mehr verbraucht als sie produziert. Damit ist sie gezwungen, mehr Güter und Dienstleistungen zu importieren als sie selbst herstellt und exportiert: Der Saldo in ihrer sogenannten Leistungsbilanz fällt für das entsprechende Jahr negativ aus.

In dem Jahr wo eine Volkswirtschaft ein Defizit in der Leistungsbilanz verzeichnet, hat sie über ihre Verhältnisse gelebt und sich verschuldet. Den Schulden der Volkswirtschaft mit dem Importüberschuss entsprechen die Forderungen der Volkswirtschaft mit dem Exportüberschuss. Die Volkswirtschaft mit dem Exportüberschuss hat mehr produziert als verbraucht – und damit Forderungen gebildet. Das klingt im betriebswirtschaftlich konditionierten Ohr natürlich nach einem sehr erfreulichen Profit für das Land mit dem Exportüberschuss. In der öffentlichen Diskussion herrscht die Vorstellung vor, dass Volkswirtschaften wie Unternehmen funktionieren und Überschüsse in der Leistungsbilanz Profite des Wirtschaftssubjekts Volkswirtschaft sind, ein Handelsgewinn sozusagen. Analog zum Unternehmen glaubt man nun ein Geldpolster angespart zu haben, welches man zu einem beliebigen späteren Zeitpunkt an einem beliebigen Markt ausgeben kann. In Wirklichkeit sind Überschüsse in der Leistungsbilanz aber nur ein gewinnloser Tausch und haben mit einem volkswirtschaftlichen Profit nichts zu tun. Überdies bekommt der Gläubiger seinen Tauschanteil nur dann vollständig zurück, wenn die Forderungen irgendwann eingelöst werden. Womit die Form der Finanzierung wieder ins Zentrum des Interesses rückt.

Eine Volkswirtschaft mit Importüberschuss die über eine eigene Währung und eine eigene Zentralbank verfügt, kann ihre Geldvorräte selbst nachdrucken. Die Devisenmärkte werden das gedruckte Geld der importierenden Volkswirtschaft ab einem gewissen Zeitpunkt als Inflation betrachten. Darum wird der Wechselkurs bei permanenten Defiziten in der Leistungsbilanz zu einer Abwertung der Währung des Schuldnerlandes führen und dessen Importmöglichkeiten entsprechend einschränken. Die Abwertung bedeutet für den Gläubiger jedoch, dass alle seine bisher angehäuften Devisenreserven schlagartig an Wert verlieren. Er hat somit letztlich einen Teil der exportierten Güter und Dienstleistungen verschenkt, außerdem verliert sein ausländischer Absatzmarkt an Kaufkraft. Das Wechselkursventil löst in jedem Fall das Problem der Handelsungleichgewichte, entweder mit mehr oder weniger Anpassungsschwierigkeiten. Ein Handelsungleichgewicht liegt in der Verantwortung beider Volkswirtschaften, die Handel treiben, denn das Exportüberschussland drückt seine Importnachfrage womöglich durch Wechselkursmanipulationen – wie China – oder durch zu niedrige Lohnabschlüsse bei hoher Produktivität wie Deutschland. Dadurch werden nicht nur die Waren dieser Länder preiswerter, sondern auch ihre Nachfrage nach Importen sinkt, wodurch dann die Handelspartner weniger absetzen. Ein Defizit ist nicht die „Schuld“ des Schuldners. John Maynard Keynes prägte das Prinzip, dass es im Außenhandel Schulden gibt, aber keine Schuld.[11]

Wie sieht das Szenario für eine Volkswirtschaft ohne eigene Währung und ohne eigenen Wechselkurs aus, wie es in der Eurozone der Fall ist? Die verschuldeten Volkswirtschaften können nicht selbst Geld drucken. Ohne Kredite von anderswo (z.B. IWF) oder Geldspitzen der EZB, liefert die Gläubiger-Volkswirtschaften nun auf offene Rechnung. Das heißt eine Volkswirtschaft mit einem Exportüberschuss von z.B. einer Milliarde Euro hat – sofern nicht cash bezahlt wurde – nichts anderes, als Forderungen (Ansprüche) auf Güter und Dienstleistungen der verschuldeten Volkswirtschaft in der Höhe von einer Mrd. Euro erhalten. Hat die verschuldete Volkswirtschaft keine Quellen mehr ihre Schulden extern zu finanzieren – z.B. via IWF oder EZB, ist die einzige Möglichkeit wie die verschuldete Volkswirtschaft ihre Schulden begleichen kann, in Form von Gütern und Dienstleistungen. Sie muss Überschüsse in der Leistungsbilanz erwirtschaften, um Importe und Schuldendienst aus ihren laufenden Einnahmen finanzieren zu können. Zwei Wege führen dorthin: Exporte steigern oder Importe senken. Weil sich Sortiment, Qualität und Preis der potentiellen Exportgüter nicht von heute auf morgen völlig verändern lassen, bleibt meist nur die radikale „Bremsung“ des Importhungers durch Kürzung bei Beschäftigung, Löhnen und Staatsausgaben. Das hat jedoch negative Rückwirkungen auf die Gläubiger, die ja durch ihre Überschüsse Kredit gegeben haben. Reduziert ein Land seine Ausgaben, reduziert es notwendig auch die Einnahmen des Rests der Welt und damit auch die Einnahmen des Gläubigers; verlangt der Gläubiger sogar einen Schuldenschnitt, heißt das, dass er die eigenen Forderungen abschreiben muss – damit hat er all die exportierten Waren und Dienstleistungen einfach verschenkt.

Wir sehen also, es handelt sich bei Exportüberschüssen (v.a. auf offene Rechnung) keineswegs um einen Profit, nicht einmal um einen Tausch, sondern schlicht um einen Kredit. Die Unterschiede sind elementar: Erstens kann sich die Volkswirtschaft mit dem Überschuss nicht aussuchen wo sie ihre Forderungen geltend macht: sie muss ihren Polster beim Schuldner verbrauchen. Zweitens kann sie den Zeitpunkt der Rückzahlung nicht bestimmen, sondern maximal grob beeinflussen. Drittens, tritt dieser Zeitpunkt überhaupt nur dann ein, wenn die Volkswirtschaft einmal selbst mehr verbraucht als produziert. Volkswirtschaften sind also keine profitorientierten Wirtschaftssubjekte, sondern Non-Profit-Organisationen.

Welche Schulden sind gefährlicher ?

Ob die Staatsschulden oder die gesamten volkswirtschaftlichen Schulden die größere Bedrohung für die Stabilität einer Volkswirtschaft darstellen, hat sich zumindest im Rahmen der Eurokrise relativ deutlich gezeigt. Wieso haben einige südeuropäische Staaten solche Probleme? Weil der Staat und die Privatwirtschaft im Saldo verschuldet sind, und die Schulden in diesem Fall nur gegenüber dem Ausland bestehen können. In diese Kerbe schlägt auch die Ratingagentur Standard & Poor‘s wenn ihr Chefanalyst in Bezug auf die Krisenursachen sagt: “Unsere Schlussfolgerung ist, dass es eben nicht primär eine Krise der öffentlichen Budgets ist, sondern eine Krise, die weiter darüber hinausgeht, über Verschuldung auch des Privatsektors.[12] Die südeuropäischen Staaten haben volkswirtschaftliche Schulden, das heißt sie haben als ganze Volkswirtschaft Schulden im Ausland und nicht nur als Staat (unterm Strich) Schulden im Inland. Volkwirtschaftliche Schulden können im Gegensatz zu Staatsschulden ein ernsthaftes Problem werden. Flassbeck undSpiecker sind der Auffassung „(…) dass ein Land mit hohem Auslandsschuldenstand tatsächlich seine zukünftigen Generationen belastet, weil sie auf die in Zukunft erwirtschaftete Gütermenge nur teilweise Anspruch erheben können.“ [13]

Ein anschauliches Beispiel dafür, dass volkwirtschaftliche Schulden viel gravierendere Auswirkungen haben als Staatsschulden bietet Spanien. Das von der EU-Kommission vor der Krise als Musterschüler gepriesene Land hatte damals nur eine halb so hohe Staatsschuldenquote wie Deutschland, aber große Defizite in der Leistungsbilanz. In der Krise haben die Finanzmärkte deshalb Spanien das Vertrauen entzogen und verlangten bis zu vier Mal höhere Zinsen auf spanische Schuldtitel als auf deutsche, obwohl Deutschland damals immer noch eine höhere Staatsschuldenquote aufwies als Spanien. Deutschland verfügt jedoch über eine positive Leistungsbilanz.

Lebt Deutschland über seinen Verhältnissen?

„Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt“, war sich Angela Merkel bei ihrer Neujahrsansprache am 31. Dezember 2010 sicher. Das sagte sie an der Jahreswende von einem Leistungsbilanz-Rekordjahr zum anderen – womit Merkel zeigt, dass sie den Staat, dessen Verschuldung sie hier wohl meint, mit der gesamten Volkswirtschaft gleichsetzt. Der Wert der deutschen Exporte von Gütern und Dienstleistungen überstieg den Wert der deutschen Importe 2012 laut Berechnungen des Münchener Ifo-Instituts  um 210 Mrd. – der in absoluten Zahlen weltweit höchste Leistungsbilanzüberschuss, noch vor China und Japan.[14] Die deutsche Volkswirtschaft verzeichnet seit zwölf Jahren durchgehend Leistungsbilanzüberschüsse. Wenn Deutschland als Volkswirtschaft mehr exportiert als importiert, bedeutet dies, dass es mehr produziert als es verbraucht. Das hat vor allem eine fundamentale Implikation: Die gesamte deutsche Volkswirtschaft lebt nicht über, sondern unter seinen Verhältnissen. Über seinen Verhältnissen würde Deutschland ja nur leben, wenn es mehr verbrauchen als produzieren würde. Das heißt nichts anderes, als dass Deutschland seine Bevölkerung künstlich ärmer hält als sie in Wirklichkeit ist – seit 15 Jahren sackt das Lohniveau gegenüber dem Produktivitätsniveau mehr und mehr ab. Jedes Jahr wird ein Teil der deutschen Produktivität ins Ausland abgeführt, ohne dass ein Ausgleich dieses asketischen Daseins in Sicht wäre. Deutschland gefährdet die Industrien der Handelspartner und macht andere Volkswirtschaft zu seinen Schuldnern, indem es Waren und Dienstleistungen auf Kredit ausführt, ohne einen Gegenwert zu bekommen. Eine klassische Lose-lose Situation. Entweder Deutschland hält künftig seine Leistungsbilanzüberschüsse aufrecht und verzichtet auf die entsprechenden Forderungen (verschenkt also bewusst Waren und Dienstleitungen), oder es kassiert seine Forderungen indem es einen Pfad einschlägt der den Handelspartnern ermöglicht, die Mittel für die Rückzahlung zu erwirtschaften. Dafür müssten sich die deutschen Löhne an die heimische Produktivität anpassen, was über mehrere Jahre hinweg Lohnsteigerung deutlich über dem Produktivitätszuwachs bedeuteten würde.  Deutschland müsste merklich an preislicher Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Also genau die gegenteilige politische Agenda zu jener, von der die deutschen Eliten derzeit relativ einhellig überzeugt sind.

Conclusio

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Staat nur ein Teil der Volkswirtschaft ist. Ob die Volkswirtschaft verschuldet ist oder nicht, hat viel weitreichendere Konsequenzen als die Frage, ob der Staat verschuldet ist, denn eine kapitalistische Volkswirtschaft ist immer mehr als nur der Staat. Im Jahr 2011 standen den Verbindlichkeiten von Ausländern gegenüber Deutschland in der Höhe von 5.700 Mrd. Euro Forderungen von Deutschen gegenüber dem Ausland in der Höhe von 6.600 Euro gegenüber. Deutschlands Saldo gegenüber dem Ausland ist also deutlich positiv. Die Verschuldung der öffentlichen Hand ist sozusagen ein lokales Problem zwischen dem Staat und den Privaten, aber kein Problem der gesamten Volkswirtschaft. Jegliche Hysterie in Bezug auf die Staatsschuld ist in Volkswirtschaften mit stabiler Leistungsbilanz völlig unangebracht, weil die künftigen Generationen in ihrer Bilanz nicht nur die Schulden verbuchen, sondern auch die Forderungen. Ohne die enormen Steuersenkungen der letzten Jahre wäre der Staatshaushalt gar kein Thema und entsprechend leicht ist das Problem mittels stärkerer Besteuerung im Bereich der Vermögen und hohen Einkommen zu beheben. Volkswirtschaftliche Schulden und Überschüsse entstehen im Außenhandel, wenn eine Volkswirtschaft mehr verbraucht als sie produziert und umgekehrt. Auf den ersten Blick ist erfreulich, dass Deutschland als Volkswirtschaft mehr Forderungen als Schulden hält und damit ökonomisch sehr stabil scheint. Eigentlich ein Hinweis auf eine eindeutig rosige Zukunft. Das Problem ist nur, dass Forderungen keine Profite sind sondern Kredite die  platzen können. So hat etwa die Finanzkrise einen nicht geringen Teil der deutschen Forderungen gegenüber dem Ausland – vor allem US-amerikanischen Banken – einfach verpuffen lassen. Darüber hinaus kann eine aggressive Außenhandelspolitik dazu führen, dass die Handelspartner und damit die eigenen Absatzmärkte kollabieren, was im Moment in der Eurokrise zu beobachten ist. Insofern sind die steigenden deutschen Leistungsbilanzüberschüsse wiederum eine Quelle der Instabilität für Deutschland und eine existenzielle Bedrohung für viele europäische Partner. Deutschland ist sozusagen zu wettbewerbsfähig.

 


[1] Dirk Heilmann u. Axel Schrinner: Staatsverschuldung. Die unbequeme Wahrheit, in: Handelsblatt, 23.09.2011.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Harald Hüther: „Immer nur mehr Geld“, in: Die Welt, 27.10.2012

[5] O.V.: Deutschland ist der einzige Euro-Staat in den Top Ten, in Handelsblatt Online, 31.05.2012, online einsehbar unter http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/wettbewerbsfaehigkeit-deutschland-ist-der-einzige-euro-staat-in-den-top-ten/6692666.html [eingesehen am 29.01.2013].

[6] Hans Christian Müller: Deutschland schlägt USA bei der Wettbewerbsfähigkeit, in: Handelsblatt Online, online einsehbar unter http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/wirtschaftsstudie-deutschland-schlaegt-usa-bei-der-wettbewerbsfaehigkeit/7097218.html [eingesehen am 29.01.2013].

[7] Simon Che Berberich: Gefahr oder Verdienst?: Volkswirte streiten über den deutschen Export-Triumph, 13.08.2012, online einsehbar unter http://www.focus.de/finanzen/news/konjunktur/gefahr-oder-verdienst-der-streit-um-den-deutschen-export-triumph_aid_799136.html [eingesehen am 29.01.2013].

[8] O.V.: Deutschland zieht den Euro-Partnern davon, in: Wirtschaftswoche Online, 05.04.2012, online einsehbar unter  http://www.wiwo.de/politik/europa/wettbewerbsfaehigkeit-zwischen-deutschland-und-sued-europa-liegen-welten/6471750.html [eingesehen am 29.01.2013].

[9] Norbert Röttgen: Wir Babyboomer, in: Die Welt, 21.04.2012.

[10] Truger, Achim:  Steuersenkungen reißen Milliardenlöcher, in: Böckler Impuls, 13/2011, S. 1.

[11] Vgl. Flassbeck (2010), S. 209

[12] Nikolaus Kowall: Für eine Hysteriebremse – Licht ins Dunkel rund um 18 Schuldenmythen, in: Blog Acht, Die Diskussionsplattform der Sektion 8, online einsehbar unter http://blog.sektionacht.at/2011/12/fur-eine-hysteriebremse-licht-ins-dunkel-rund-um-18-schuldenmythen/ [eingesehen am 29.01.2013].

[13] Heiner Flassbeck u. Friederike Spiecker: Das Ende der Massenarbeitslosigkeit. Mit richtiger Wirtschaftspolitik die Zukunft gewinnen, Frankfurt a.M. 2007.

[14] Simon Che Berberich: Gefahr oder Verdienst? Volkswirte streiten über den deutschen Export-Triumph, in; Focus Online, 13.08.2012, online einsehbar unter http://www.focus.de/finanzen/news/konjunktur/gefahr-oder-verdienst-der-streit-um-den-deutschen-export-triumph_aid_799136.html [eingesehen am 29.01.2013].

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14 Responses to Die Volkswirtschaft ist eine Non-Profit Organisation

  1. Heinrich Elsigan 22. April 2013 at 10:17 #

    Zum letzten posting noch eine Anmerkung:
    Sinn und Kowall haben beide vollkommen recht,
    wenn sie behaupten, die Löhne in Deutschland müssen steigen.
    Es jubeln viele zwar über die gute Leistungsbilanz,
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-19042013-AP/EN/2-19042013-AP-EN.PDF
    Wir sehen die Industrie wächst knapp um 0,4%
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/4-12042013-AP/EN/4-12042013-AP-EN.PDF
    Der Bausektor schrumpft um 0,8%
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/4-17042013-AP/EN/4-17042013-AP-EN.PDF
    Aber die Arbeitslosenrate steigt auf 21% an:
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/3-19042013-BP/EN/3-19042013-BP-EN.PDF
    Die Angst durch steigende Löhne in eine Hyperinflation zu geraten ist Humbug, denn die Inflation ist auf 1,7% gesunken:
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-16042013-AP/EN/2-16042013-AP-EN.PDF

  2. Heinrich Elsigan 22. April 2013 at 04:47 #

    Zum letzten posting noch eine Anmerkung:
    Sinn und Kowall haben beide vollkommen recht,
    wenn sie behaupten, die Löhne in Deutschland müssen steigen.

    Es jubeln viele zwar über die gute Leistungsbilanz,
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-19042013-AP/EN/2-19042013-AP-EN.PDF

    Wir sehen die Industrie wächst knapp um 0,4%
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/4-12042013-AP/EN/4-12042013-AP-EN.PDF

    Der Bausektor schrumpft um 0,8%
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/4-17042013-AP/EN/4-17042013-AP-EN.PDF

    Aber die Arbeitslosenrate steigt auf 21% an:
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/3-19042013-BP/EN/3-19042013-BP-EN.PDF

    Die Angst durch steigende Löhne in eine Hyperinflation zu geraten ist Humbug, denn die Inflation ist auf 1,7% gesunken:
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-16042013-AP/EN/2-16042013-AP-EN.PDF

  3. Heinrich Elsigan 20. April 2013 at 19:06 #

    Zitat: http://nachrichten.finanztreff.de/news_news.htn?sektion=wirtschaftpolitik&id=8997781
    „Leider gehen die Verbesserungen der Leistungsbilanz auf Einkommenseffekte zurückkehren, stellen auch Hans-Werner Sinn vom Münchener Ifo-Institut und Akos Valentinyi von der Cardiff Business School fest. Mit sinkenden Einkommen gehe auch die Nachfrage nach importierten Gütern zurück. Gebraucht werde aber eine steigende Nachfrage nach den Produkten der Krisenländer. Helfen würde eine relativ höhere Inflation von Löhnen und Preisen in Kernländern wie Deutschland – auf die sei aber wegen politischen Widerstands nicht zu hoffen, so die Forscher.“

    Dass Prof. Sinn, der für Wettbewerb pur steht, das sagt, ist einmal bemerkenswert.
    Warum der politische Widerstand in Deutschland so groß ist, bleibt mir schleierhaft.
    Mag Merkel Deutschland nach chinesischen Vorbild regieren?

  4. Basisdemokrat 8. April 2013 at 03:42 #

    Unter dem „Auslandsvermögensstatuts-Chart Deutschland in Millionen Euro…“ müssen Mrd. und nicht Millionen Stehen.
    Im Conclusio:
    „Im Jahr 2011 standen den Verbindlichkeiten von Ausländern gegenüber Deutschland in der Höhe von 5.700 Mrd. Euro Forderungen von Deutschen gegenüber dem Ausland in der Höhe von 6.600 Euro gegenüber.“ (6.600 Mrd. €!)

    Ansonsten eine selten gut verständliche Zusammenfassung- auch für Einsteiger.
    Eine Frage wäre noch, ob die Sicherheitsleistungen für die Gläubiger einen Zugriff zur Plünderung des „Tafelsilbers“ die Target 2 Überschüssler begünstigen. Sonst müsste man ja fragen, warum unsere Regierungen uns so hassen, oder die Süd- Schiene so lieben, dass sie all das mehr oder weniger schöne Zeug verschenken!
    Gruß BD

  5. Ein denkender Mensch 7. April 2013 at 23:30 #

    Was der Autor nicht bedenkt ist die Frage der Verzinsung.
    Wenn ich 100000 auf dem Konto habe, die mit 0,5 verzinst werden, bekomme ich bei jährlicher Zahlung 500.
    Leihe ich mir 100000 zu 7% zahle ich 7000 im Jahr.
    Ich bin zwar formal plus-minus null was meine Vermögensbilanz betrifft, habe aber jährlich 6500 Kosten.
    Was er auch nicht versteht, ist, dass zwischen eintreibbaren und nicht eintreibbaren Schulden unterschieden werden muss.

  6. Wolfgang 5. April 2013 at 10:24 #

    Bis gestern habe ich Niko Kowall nicht gekannt. Möglicherweise bedauerlich, aber nicht zu ändern. Fakt ist jedenfalls: Ich schmücke mich nicht mit fremden Federn. Wenn ich eine Meinung übernehme/zitiere, gibt es auch einen Link. Ist das nicht möglich, nenne ich wenigstens die Quelle. Für mich ist das eine Sache von Respekt und Fairness. Es ist also dem Zufall geschuldet, wenn ich in meinem Beitrag am 02.04. eine Kowall-ähnliche Meinung vertreten habe.

  7. Andreas 4. April 2013 at 20:53 #

    Das ist völlig richtig erklärt, leider begreifen die meisten Deutschen diesen simplen Zusammenhänge aber nicht. Wir erwirtschaften ständig mehr, als wir verbrauchen, glauben aber, wir müßten sparen, wegen der hohen Staatsschulden. Alleine, dass Schulden immer irgendwo gegengebucht sein müssen, kommt den Menschen nicht in den Sinn.

  8. Heinrich Elsigan 4. April 2013 at 03:29 #

    Am Beispiel Italiens sehen wir, dass unabhängig von den ganzen Hochfinanz- und riskanten Bankengeschäften, genau das im Artikel erwähnte Preisdumping von Deutschland in Zusammenhang mit der geringen Kaufkraft der deutschen Arbeiter für die italienische Realwirtschaft zum Problem wurde. Bei Italien gab es im staatlichen und privaten Bereich weder extremevBlasenbildungen, noch hochriskantes Badbankchaos, sondern der staatliche und private Sektor tümpeln langsam stetig nur leicht immer mehr nach unten.

  9. Heinrich Elsigan 4. April 2013 at 02:53 #

    Es gibt einen Artikel im Format, der im Gegensatz zu Kowalls exzellentem Artikel hier eher schlecht und ungenau dieses Thema aufgreift:
    http://www.format.at/articles/1314/931/355877/euro-rettungspakete-wer

    Der Autor dieses Artikels im Format vermischt Staatsschulden von eigenen Gläubigern und Pensionsfonds aus anderen €uro-Staaten, die Staatsanleihen zeichneten und weiters auch Bilanzschulden, bilaterale Unterstützungen für staatliche Kreditaufnahme und nationale Notenbanknotkredite für marode Banken genehmigt via EZB, die sich natürlich privat verschuldeten. (toxische Subprime Market bzw. ähnliche Schrottpapiere in ihren Bilanzen und geplatzte Bauboomkredite, die sie als Sicherheiten für neue Interbankkredite bei ihren Kreditgebern z.B. der deutschen Bank hinterlegten und durch in Schwierigkeiten gerieten.

    Ich möchte zu den Handelsbilanzen innerhalb der €-Zone noch was anmerken:
    Der Interbankzahlungsverkehr innerhalb der €-Zone, aber auch der einzelnen €uro-Staaten funktioniert über die jeweiligen nationalen Notenbanken und der EZB als Hauptmittler im Target-2 System. Hans Werner Sinn hat sich am intensivsten mit Target-II beschäftigt:
    Er kritisierte das Fehlen eines realen Ausgleichs (wie mit Gold bei festen Wechselkurssystemen analog zum Bretton-Woods-System) oder mit Fonds, wie es die einzelnen FED districts seit Beschluss des Emergency Economic Stabilization Act of 2008 handhaben [siehe: http://en.wikipedia.org/wiki/Federal_Reserve_Bank und http://en.wikipedia.org/wiki/Emergency_Economic_Stabilization_Act ]

  10. Blog Querverweis Info 4. April 2013 at 01:27 #

    Dieser Artikel hier http://der-oekonomiker.blogspot.co.at/2013/04/standpunkt-593-nachrichten-ticker-0204.html bezieht sich wahrscheinlich auf Kowalls Artilel.
    Leider wird die fundierte Aussage von Kowall ohne Zitat und link verwässert und die Quintessenz geht eigentlich unter 🙁

  11. Heinrich Elsigan 2. April 2013 at 21:34 #

    Danke Niko Kowall für diesen exzellenten, sehr differenzierten und umsichtig analytischen Artikel.

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  1. Ist Österreich wettbewerbsfähig? - Kontrast Blog - 24. Mai 2017

    […] einnimmt. Bereinigt man die Liste um Irland und Luxemburg, die auf Grund von Besonderheiten 2 schwer mit den anderen EU-Staaten vergleichbar sind, dann liegt Österreichs Exportentwicklung im […]

  2. Der Wert von Einstimmigkeit und Kritik | blog.sektionacht.at - 17. Januar 2014

    […] Die Volkswirtschaft ist eine Non-Profit Organisation […]

  3. Hinweise des Tages | NachDenkSeiten – Die kritische Website - 4. April 2013

    […] Die Volkswirtschaft ist eine Non-Profit Organisation Wird die Zukunft nun düster oder rosig? Wie passt es zusammen, dass Deutschland einerseits permanent über seine Verhältnisse lebt, andererseits aber ein wettbewerbsfähiger Gigant ist? Dass es sich einerseits auf Kosten zukünftiger Generationen verschuldet, andererseits aber regelmäßig Exportweltmeister oder Vize wird? Die kognitive Dissonanz, sich zugleich eine rosige und düstere Zukunft auszumalen, scheint die eifrigen Verbreiter dieser Botschaften nicht weiter zu stören. Vielleicht deshalb, weil die Botschaften isoliert so einleuchtend wirken: Erstens, wer mehr ausgibt als einnimmt, kommt eben in die Bredouille. Zweitens, Deutschland wirtschaftet gut, die da unten schlecht. Doch heißt gut wirtschaften nicht mehr einnehmen als ausgeben und hat nicht auch Deutschland mehr ausgegeben als eingenommen? Wo kommen sonst die Schulden her und wie kann man beim Schuldenmachen wettbewerbsfähig sein? Diesen Widersprüchen auf den Zahn zu fühlen ist das Ziel dieses Artikels… Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Staat nur ein Teil der Volkswirtschaft ist. Ob die Volkswirtschaft verschuldet ist oder nicht, hat viel weitreichendere Konsequenzen als die Frage, ob der Staat verschuldet ist, denn eine kapitalistische Volkswirtschaft ist immer mehr als nur der Staat. Im Jahr 2011 standen den Verbindlichkeiten von Ausländern gegenüber Deutschland in der Höhe von 5.700 Mrd. Euro Forderungen von Deutschen gegenüber dem Ausland in der Höhe von 6.600 Euro gegenüber. Deutschlands Saldo gegenüber dem Ausland ist also deutlich positiv. Die Verschuldung der öffentlichen Hand ist sozusagen ein lokales Problem zwischen dem Staat und den Privaten, aber kein Problem der gesamten Volkswirtschaft. Jegliche Hysterie in Bezug auf die Staatsschuld ist in Volkswirtschaften mit stabiler Leistungsbilanz völlig unangebracht, weil die künftigen Generationen in ihrer Bilanz nicht nur die Schulden verbuchen, sondern auch die Forderungen. Ohne die enormen Steuersenkungen der letzten Jahre wäre der Staatshaushalt gar kein Thema und entsprechend leicht ist das Problem mittels stärkerer Besteuerung im Bereich der Vermögen und hohen Einkommen zu beheben. Volkswirtschaftliche Schulden und Überschüsse entstehen im Außenhandel, wenn eine Volkswirtschaft mehr verbraucht als sie produziert und umgekehrt. Auf den ersten Blick ist erfreulich, dass Deutschland als Volkswirtschaft mehr Forderungen als Schulden hält und damit ökonomisch sehr stabil scheint. Eigentlich ein Hinweis auf eine eindeutig rosige Zukunft. Das Problem ist nur, dass Forderungen keine Profite sind sondern Kredite die platzen können. So hat etwa die Finanzkrise einen nicht geringen Teil der deutschen Forderungen gegenüber dem Ausland – vor allem US-amerikanischen Banken – einfach verpuffen lassen. Darüber hinaus kann eine aggressive Außenhandelspolitik dazu führen, dass die Handelspartner und damit die eigenen Absatzmärkte kollabieren, was im Moment in der Eurokrise zu beobachten ist. Insofern sind die steigenden deutschen Leistungsbilanzüberschüsse wiederum eine Quelle der Instabilität für Deutschland und eine existenzielle Bedrohung für viele europäische Partner. Deutschland ist sozusagen zu wettbewerbsfähig. Quelle: blog acht […]

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