Die Pandemie ist aus dem öffentlichen Diskurs weitgehend verschwunden – ihre gesundheitlichen Folgen jedoch nicht. Rund 500.000 Menschen hatten oder haben in Österreich Long Covid – eine Erkrankung, deren Symptome von extremer Müdigkeit und Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen und körperlicher Schwäche bis hin zu einer ausgeprägten Belastungsintoleranz reichen. Die Besonderheit: Die Beschwerden werden durch eine Infektion mit COVID-19 ausgelöst und bleiben auch danach bestehen – manchmal für wenige Monate, oft bis heute. Die Ursachen sind bis heute nicht eindeutig geklärt, ebenso uneindeutig ist die Datenlage zur Häufigkeit. Je nach Studie sind zwischen fünf und 15 Prozent der infizierten Personen betroffen. Es handelt sich also nicht um ein Randphänomen, sondern um eine ernstzunehmende gesellschaftspolitische Herausforderung.
Im aktuellen Regierungsprogramm sucht man konkrete Maßnahmen zu chronischen viralen Erkrankungen wie Long Covid allerdings vergeblich. Zwar wird auf Seite 119 der Ausbau von Expertisezentren für seltene Erkrankungen (etwa ME/CFS) angekündigt. Weder COVID-19 noch Long Covid werden jedoch ausdrücklich erwähnt. Dabei kämpfen weiterhin viele Menschen mit den langfristigen Folgen einer Infektion. Auch der bereits 2024 ausgearbeitete Aktionsplan zu postakuten Infektionskrankheiten wurde bislang nicht umgesetzt.
Forschungslage? Nicht genügend!
Besonders wenig Beachtung findet Long Covid bei Kindern und Jugendlichen. Für Österreich existieren für diese Gruppe keine verlässlichen, absoluten Zahlen. Zwar entwickeln jüngere Menschen statistisch gesehen seltener Long Covid als ältere, doch die gesundheitlichen und sozialen Folgen können für sie umso gravierender sein. Viele betroffene Jugendliche berichten davon, dass die Erkrankung ihren Schulalltag massiv erschwert. Erschöpfung und Konzentrationsprobleme führen zu hohen Fehlzeiten, Leistungsabfällen, sozialer Isolation und nicht selten zu zusätzlichen psychischen Belastungen. Eine groß angelegte Studie im Auftrag des deutschen Gesundheitsministeriums hat erstmals systematisch die Erfahrungen betroffener Jugendlicher analysiert. Es wird deutlich, dass starre schulische Strukturen die Situation häufig weiter verschärfen. In Kombination mit schweren Krankheitsverläufen kommt es nicht selten zu Schulwechseln, zum Sitzenbleiben oder sogar zum Schulabbruch.
Eine vergleichbare Untersuchung fehlt in Österreich bislang. Dabei ist klar: Forschung ist der erste Schritt, um gezielte Verbesserungen für Betroffene zu ermöglichen. Dass Long Covid im Regierungsprogramm nicht ausdrücklich erwähnt wird, zeigt, wie sehr das Thema aus dem politischen Fokus geraten ist – obwohl es weiterhin eine signifikante Menge an Menschen betrifft.
Unser Antrag am SPÖ-Bundesparteitag
Für uns als Sektion Acht ist klar: Eine sozialdemokratische Bildungspolitik muss garantieren, dass jedes Kind kontinuierlich am Bildungssystem teilhaben kann – unabhängig von gesundheitlichen Einschränkungen. Bildung ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben. Für Schüler:innen mit Long Covid bedeutet das von Beginn an eine enge Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften, medizinischem Fachpersonal und Familien, um individuelle Unterstützungsstrategien zu entwickeln. Erfahrungen zeigen, dass bereits einfache Maßnahmen viel bewirken können: Kurze Wege bei Raumwechseln, individuelle Lern- und Prüfungspläne mit möglichen Nachteilsausgleichen oder die Befreiung von einzelnen Fächern wie Sport können den Schulalltag deutlich erleichtern und Überforderung vermeiden.
Damit solche Maßnahmen flächendeckend und wirksam umgesetzt werden, braucht es vor allem Aufklärung und Sensibilisierung im schulischen Bereich. Die Sektion Acht fordert daher gemeinsam mit der SPÖ Alsergrund die Ausarbeitung und gezielte Verbreitung von Informationsmaterialien zu Long Covid bei Kindern und Jugendlichen für Lehrkräfte, Schulärzt:innen, Direktor:innen und schulisches Verwaltungspersonal. Darüber hinaus wollen wir, dass sich die SPÖ für die Schaffung eines umfassenden Angebots an Schulungen und Fortbildungen für Lehrkräfte einsetzt, etwa über Pädagogische Hochschulen oder die Bildungsdirektionen.
Long Covid ist kein abgeschlossenes Kapitel der Pandemie, sondern eine fortdauernde Realität für viele Menschen – auch für junge. Wer Bildungsgerechtigkeit ernst nimmt, darf diese Realität nicht ignorieren.


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