Links der Woche – KW 28

Die besten Links der letzten Woche: einige kluge und kritische Stimmen zu Griechenland und zu Austeritätspolitik, eine interessante Radiosendung zum Neoliberalismus, ein Gespräch über die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und der Video-Beweis, dass Pessimismus öfter mal zu Ignoranz führt.

Griechenland & Austeritätspolitik

Friederike Kaltheuer in einem kurzen Beitrag zur Rolle von Ideologie bzw. dem Ideologie-Vorwurf in der Griechenlandfrage:

Eine kleine Geschichte der Austerität, die nun „Europas gefährlichste Idee“ ist: nachzulesen im Tagesanzeiger.

Die Politologin und Sozialdemokratin Gesine Schwan warnt in der Griechenland-Debatte vor einer Renationalisierung Europas. Sie kritisiert die Rolle der SPD-Führung, die sich von der CDU in dieser Frage nicht wesentlich unterscheidet, und warnt vor dem Versuch, politische Alternativen wie Syriza einfach zu verhindern.

Stefan Schulmeister zeichnet im Profil den Weg in die Depression nach, den Griechenland bislang gegangen ist.

Ideologie & Geschichte

Im Dissent Magazine gibt es anlässlich des 4. Juli ein Gespräch mit der Professorin Danielle Allen über die amerikanische Unabhängigkeitserklärung. Sie erklärt unter anderem die Gedanken der amerikanischen Gründerväter im Hinblick auf die Gewichtung von Gleichheit und Freiheit und die Beziehung zwischen beiden.

Sigmar Gabriel ist in vielerlei Hinsicht auf Abwegen unterwegs: seine Rüstungspolitik und vor allem ihre Darstellung in der Öffentlichkeit ist eine so eine Sache. Im Freitag.

„Der Neoliberalismus, das Internet und wir – Pathologien der Freiheit“. Die Radiosendung „Pathologien der Freiheit“ zeichnet den kritischen Netzdiskurs nach – von den 1980er-Jahren bis heute – und zeigt, wie im zweiten Anlauf aus der Asche der Dot.com-Krise und der Twin Towers das neoliberale Internet entsteht, in dem Staaten, Geheimdienste und Unternehmen vor allem Kalkulierbarkeit und Kontrolle der Individuen anstreben. Erfüllt sich hier eine Befürchtung des französischen Philosophen Michel Foucault? Der warnte bereits in den 1970er-Jahren vor einer Gesellschaft, die auf den „homo economicus“ baut, ein Subjekt, das sich gezwungen sieht, sich ständig selbst zu optimieren und sich dabei in einer „Freiheitsfalle“ verheddert.

Chantal Mouffe behält Recht: obwohl ein knapper Ausgang in den britischen Wahlen prophezeiht wurde, war es am Ende recht klar. Owen Jones argumentiert in Le Monde Diplomatique, dass die Labour-Partei von den Wählern abgestraft wurde, weil sie sich zu wenig vom Rechtspopulismus der Konservativen unterscheidet.

Entwicklung

Der kubanischen Forschung ist es gelungen, die Übertragung des HIV-Viruses von schwangeren Müttern auf ihre Kinder zu verhindern. Der Direktor der WHO nennt es eine der größten denkbaren Errungenschaften im Bereich der öffentlichen Gesundheit und einen wesentlichen Schritt in Richtung einer zukünftigen Welt ohne AIDS. Pro Jahr werden Schätzungen zufolge 1,4 Millionen HIV-positive Frauen schwanger, ohne Behandlung liegt die Wahrscheinlichkeit für die Übermittlung der Krankheit bei 45% – mit den neuen Behandlungsmöglichkeiten fällt sie auf 1%.

Wer die Zahl der schwangeren HIV-kranken Frauen höher geschätzt hätte, ist ein Fall für Hans und Ola Roslings Lebensprojekt: den Menschen zu erklären, dass wir eine statistische Voreingenommenheit haben, mit unseren Schätzungen über die Entwicklung allgemeiner Indikatoren zur Weltgesundheit und Entwicklung weit daneben zu liegen. Das TED-Video ‚How not to be ignorant about the world‘ dauert 20 Minuten und ist eine sympathische Lektion mit hilfreichen Tipps, die eigene Intuition wieder in richtige Bahnen zu lenken.

 

 

 

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