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	<title>blog.sektionacht.at &#187; Keynes</title>
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	<description>Blog der Sektion 8</description>
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		<title>Versagen und Primat der Politik</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Oct 2008 06:47:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leonido</dc:creator>
				<category><![CDATA[Finanzmarktkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Keynes]]></category>
		<category><![CDATA[Marktversagen]]></category>
		<category><![CDATA[Politikversagen]]></category>
		<category><![CDATA[Regulierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Leonhard Dobusch
Auch wenn derzeit weitestgehend Einigkeit darüber herrscht, dass die Finanzkrise ein klarer Fall von Marktversagen ist, so kommt die Politik bei alledem keineswegs ungeschoren davon. Auf jeden Satz der Anerkennung für „verantwortungsvolles Handeln“ folgt unweigerlich ein vorwurfsvolles „aber“ die staatlichen Aufsichtsbehörden, die staatliche Regulierung oder die auch die staatlichen Banken hätten versagt. Offensichtlich ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="www.dobusch.net" href="http://www.dobusch.net" target="_blank"><em>Leonhard Dobusch</em></a></p>
<p>Auch wenn derzeit weitestgehend Einigkeit darüber herrscht, dass die Finanzkrise ein klarer Fall von Marktversagen ist, so kommt die Politik bei alledem keineswegs ungeschoren davon. Auf jeden Satz der Anerkennung für „verantwortungsvolles Handeln“ folgt unweigerlich ein vorwurfsvolles „aber“ die staatlichen Aufsichtsbehörden, die staatliche Regulierung oder die auch die staatlichen Banken hätten versagt. Offensichtlich ist Markt- nicht ohne Staats- oder Politikversagen denkbar. Gleichzeitig liegen hier zwei unterschiedliche Typen von Politikversagen vor: Hinter der Kritik fehlender oder falscher Regulierung von Märkten verbirgt sich die Erkenntnis, dass Märkte für ihr Funktionieren auf das des Staates angewiesen sind. Die Kritik am Scheitern einiger öffentlicher Kreditinstitute – Stichwort: deutsche Landesbanken (vgl. Leitartikel in der <a title="FR zu Landesbanken" href="http://www.fr-online.de/top_news/?em_cnt=1612729&amp;" target="_blank">Frankfurter Rundschau</a> sowie Replik dazu auf den <a title="Nachdenkseiten zu FR über Landesbanken" href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=3510" target="_blank">Nachdenkseiten</a>)– aber ist das altbekannte Argument, der Staat und staatseigene Betriebe seien ineffiziente Akteure auf Märkten und zwar unabhängig von deren Regulierung. Mit diesem Argument werden auch seit mehreren Jahrzehnten immer neue Wellen von Privatisierungen gerechtfertigt.<span id="more-84"></span></p>
<p>Der große Unterschied zwischen Politik- und Marktversagen ist nun der jeweilige Korrekturmechanismus: Abseits von politischen (Regulierungs-)Eingriffen sind Marktakteure auf die fast schon metaphysischen „Selbstheilungskräfte“ des Marktes angewiesen. Das Problem dabei ist, dass genau jene Mechanismen der „unsichtbaren Hand“ für Funktionieren wie Versagen des Marktes verantwortlich sind und deshalb keineswegs von alleine auf altes Niveau zurückführen müssen. Ein Umstand den die Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren empirisch und Keynes in seiner „<a title="Keynes General Theory" href="http://www.marxists.org/reference/subject/economics/keynes/general-theory/" target="_blank">General Theory</a>“ theoretisch gezeigt haben.</p>
<p><strong>Asymmetrie zwischen Markt- und Politikversagen</strong></p>
<p>Der Korrekturmechanismus des politischen Systems hingegen ist demokratische Kontrolle, die Möglichkeit der (Ab-)Wahl einer Regierung. Ohne auch nur im entferntesten die Unfehlbarkeit demokratischer Entscheidungsprozesse zu behaupten, ist ihr Vorteil in einer ökonomischen Krise der, dass sie einer anderen Logik folgen als die krisenauslösenden (Markt-)Mechanismen. Es ist dieser zum Marktmechanismus komplementäre, demokratische Korrekturmechanismus der Politik, der ihr Primat begründet. Hinzu kommt die Asymmetrie zwischen Markt- und Politikversagen: Denn <em>jeder </em>Fall von Markt- ist immer auch ein Fall von Politikversagen. Umgekehrt ist <em>nicht </em>jeder Fall von Poltikversagen (auch) ein Fall von Marktversagen – was insbesondere für so manches Landesbanken-Beispiel gelten mag.</p>
<p>So muss die Politik, gerade weil sie – zu Recht – auch im Falle des Marktversagens für fehlende oder falsche Regulierung verantwortlich gemacht wird, ganz generell das letzte Wort haben, ist im Attest des Politikversagens in der derzeitigen Finanz<em>markt</em>krise die Anerkennung ihres Primats (mit-)enthalten.</p>
<p><!--[endif]--></p>
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		<title>„Keine ernsthafte Theorie“</title>
		<link>http://blog.sektionacht.at/2008/10/%e2%80%9ekeine-ernsthafte-theorie%e2%80%9c/</link>
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		<pubDate>Fri, 10 Oct 2008 16:29:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leonido</dc:creator>
				<category><![CDATA[Finanzmarktkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Keynes]]></category>
		<category><![CDATA[Neoklassik]]></category>
		<category><![CDATA[Volkswirtschaftslehre]]></category>

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		<description><![CDATA[ 

Leonhard Dobusch
Das Interview mit „Yale-Wirtschaftswissenschaftler Robert Shiller, 62, über Ursachen und Folgen der Finanzkrise“ in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ offenbart eine ganze Menge über den Zustand der Volkswirtschaftslehre. Denn als in mathematische Modelle auf Basis von absurden Annahmen verliebte Disziplin verbreitet der ökonomische Mainstream derzeit vor allem eines: Ratlosigkeit. Oder in [...]]]></description>
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<p class="MsoNormal"><a title="Leonhard Dobusch" href="http://www.dobusch.net"><em>Leonhard Dobusch</em></a></p>
<p class="MsoNormal">Das Interview mit „Yale-Wirtschaftswissenschaftler Robert Shiller, 62, über Ursachen und Folgen der Finanzkrise“ in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ offenbart eine ganze Menge über den Zustand der Volkswirtschaftslehre. Denn als in mathematische Modelle auf Basis von absurden Annahmen verliebte Disziplin verbreitet der ökonomische Mainstream derzeit vor allem eines: Ratlosigkeit. <span id="more-41"></span>Oder in den Worten des Yale-Professors:</p>
<p class="MsoNormal">
<blockquote>
<p class="MsoNormal"><em>„Wir haben es hier mit einem psychologischen Problem zu tun: Das Vertrauen bricht zusammen. Darauf liefern die meisten Finanztheorien leider keine Antwort. Was wir hier sehen ist eine Epidemie. Erst war es eine Epidemie von ungezügeltem Enthusiasmus für Immobilien – und dann das Gegenteil, ein massenhafter, ansteckender Vertrauensverlust. Diese Dinge sind schwer zu steuern, und dafür gibt es auch keine ernsthafte Theorie.“ (Der Spiegel 21/2008, 58)</em></p>
</blockquote>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Besonders verräterisch an dieser Aussage ist der letzte Teil, der Hinweis, es gebe „keine <em>ernsthafte</em> Theorie“, die das erklären könne. Denn jene Theorien, die von anderen Annahmen ausgehen oder mit anderen Methoden wirtschaftliche Vorgänge analysieren und zu erklären versuchen, werden von der herrschenden ökonomischen Kaste einfach als „unökonomisch“ oder gleich „unwissenschaftlich“ aussortiert. Christopher Hayes <a title="Hayes - theNation" href="http://www.thenation.com/doc/20070611/hayes" target="_blank">berichtet</a> in diesem Zusammenhang über einen E-Mailverkehr zwischen dem bekannten Verfasser von Mikroökonomie-Lehrbüchern Hal Varian aus Berkeley und Peter Dorman, einem eher „dissidenten“ Ökonomen vom Evergreen State College:</p>
<p class="MsoNormal">
<blockquote>
<p class="MsoNormal"><em><span lang="EN-GB">“Varian wrote to Dorman that there was no point in presenting ‘both sides’ of the debate about trade, because one side – the view that benefits from unfettered trade are absolute – was like astronomy, while any other view was like astrology. ‘So I told him I didn&#8217;t buy the traditional trade theory,’ Dorman said. ‘‘Was I an astrologer?’ And he said yes!’“</span></em></p>
</blockquote>
<p class="MsoNormal"><em></em></p>
<p class="MsoNormal">Da in kaum einer wissenschaftlichen Disziplin ist ein einziges theoretisches Paradigma derart dominant ist, wie das neoklassische in der Ökonomie, hat diese Einstellung zur Konsequenz, dass die herrschende Lehre zu Wirtschaftskrisen wie der aktuellen wenig zu sagen hat. Dieser Befund mag den ökonomischen Laien überraschen, insbesondere angesichts Regelmäßigkeit mit der Wirtschaftskrisen und Börsencrashs den Kapitalismus heimsuchen. Womit, wenn nicht mit diesen Vorkommnissen beschäftigt sich dann die zeitgenössische Ökonomie?</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Nun, die herrschende Lehre beschränkt sich vor allem darauf, den „gewöhnlichen“ Gang der Dinge zu analysieren. Ob ihr auch das mehr schlecht als recht gelingt, sei hier dahingestellt (vgl. aber: Keens Buch „<a title="Amazon - Debunking Economics" href="http://www.amazon.de/Debunking-Economics-Emperor-Social-Sciences/dp/1856499928/" target="_blank">Debunking Economics</a>“), jedenfalls basiert ihr Instrumentarium dabei auf der Figur des „homo oeconomicus“. Der wiederum ist rational, vollständig informiert und hat sowohl stabile Präferenzen als auch Erwartungen. Krisen werden bestenfalls ausgelöst durch „externe Schocks“, die durch die „unsichtbare Hand“ des Marktes einem Naturgesetz gleich bewältigt werden und so in einem neuen Gleichgewicht münden.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Es war genau diese Einstellung, die den Ökonomen John Maynard Keynes zu seinem meistzitierten Satz veranlasst hat:</p>
<p class="MsoNormal">
<blockquote>
<p class="MsoNormal"><em><span lang="EN-GB">„In the long run we are all dead. Economists set themselves too easy, too useless a task if in tempestuous seasons they can only tell us that when the storm is long past the ocean is flat again.<span class="quote">“</span></span></em><span class="quote"><span lang="EN-GB"> </span><em>(</em></span><em>1923, A Tract on Monetary Reform. Macmillan, 65)</em></p>
</blockquote>
<p class="MsoNormal"><span class="quote"> </span></p>
<p class="MsoNormal">Das Dilemma der ÖkonomInnen des Jahres 2008 ist, dass sie ebendiesem John Maynard Keynes zwar in zahlreichen Lippenbekenntnissen Respekt zollen, dessen Arbeit allergrößtenteils aber eben nicht zu den „ernsthaften“ Theorien zählen. Insbesondere sein Hauptwerk, „<a title="Keynes - General Theory (Volltext)" href="http://www.marxists.org/reference/subject/economics/keynes/general-theory/">The General Theory of Employment, Interest, and Money</a>” ist 1936 als Antwort auf die Fragen der Weltwirtschaftskrise erschienen und von atemberaubender Aktualität. So beschreibt er im <a title="Keynes - General Theory (12. Kapitel)" href="http://www.marxists.org/reference/subject/economics/keynes/general-theory/ch12.htm" target="_blank">12. Kapitel </a>ausführlich und auch für den Laien verständlich, warum unregulierte Finanzmärkte notwendigerweise zu Übertreibungen, Blasen und Krisen führen. Als einen zentralen Punkt nennt Keynes dabei die kurzfristige Orientierung von (auch: professionellen) Investoren auf unregulierten Finanzmärkten – unabhängig von ihren Informationen über die Realwirtschaft:</p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB"> </span></p>
<blockquote>
<p class="MsoNormal"><em><span lang="EN-GB">„They [professional investors, Anm. L.D.] are concerned, not with what an investment is really worth to a man who buys it “for keeps”, but with what the market will value it at, under the influence of mass psychology, three months or a year hence. Moreover, this behaviour is not the outcome of a wrong-headed propensity. It is an inevitable result of an investment market organised along the lines described. For it is not sensible to pay 25 for an investment of which you believe the prospective yield to justify a value of 30, if you also believe that the market will value it at 20 three months hence.” (1936/1997, General Theory of Employment, Interest and Money. Prometheus Books, </span></em><span lang="EN-GB">147 ff)<em></em></span></p>
</blockquote>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal">Eine von Keynes inspirierte Minderheit unter den Ökonominnen und Ökonomen wie die Österreicher <a title="Stephan Schulmeister" href="http://stephan.schulmeister.wifo.ac.at/" target="_blank">Stephan Schulmeister</a> und <a title="Markus Marterbauer" href="http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?id=282&amp;typeid=9&amp;language=1&amp;fid=23916" target="_blank">Markus Marterbauer</a> oder ihre deutschen KollegInnen am <a title="IMK" href="http://www.boeckler.de/31923.html" target="_blank">Institut für Makroökonomie (IMK)</a> forderten genau aus diesen Gründen bereits seit Jahren eine stärkere Regulierung der globalen Finanzmärkte – auch auf nationaler Ebene. Sie haben auch konkrete Vorschläge dafür, wie jetzt zumindest die Folgen der Krise eingedämmt werden könnten (vgl. Schulmeister im <a title="Schulmeister - Ö1-Mittagsjournal" href="http://oe1.orf.at/inforadio/97111.html " target="_blank">Ö1-Mittagsjournal</a> oder eine aktuelle <a title="IMK-Studie" href="http://www.boeckler.de/37883_93118.html" target="_blank">Studie </a>des IMK). Bleibt zu hoffen, dass wenn schon nicht ihre KollegInnen aus der volkswirtschaftlichen Orthodoxie, so zumindest die Politik ihre Theorien „ernsthaft“ in Erwägung zieht.</p>
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