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	<title>blog.sektionacht.at &#187; Audimax</title>
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	<description>Blog der Sektion 8</description>
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		<title>10 Thesen für eine bessere Lehre</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 17:36:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>yussi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Audimax]]></category>
		<category><![CDATA[Lehre]]></category>
		<category><![CDATA[Universitätspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[Yussi Pick
Vorbemerkungen: In den letzten Tagen ist Unipolitik wieder in aller Blogs. Völlig zurecht hat Niki Kowall an dieser Stelle kritisiert (&#8221;Augenmerk auf die Lehre&#8220;), dass sich die Diskussion in der höheren Bildungspolitik nur um die „big picture“ Themen Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren dreht, nicht aber um die Qualität der Lehre. Er hat dabei den Ball [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Yussi goes to..." href="http://yussipick.wordpress.com/" target="_blank"><em>Yussi Pick</em></a></p>
<p><strong>Vorbemerkungen: </strong>In den letzten Tagen ist Unipolitik wieder in aller Blogs. Völlig zurecht hat <a title="Exilnik" href="http://exilnik.blogspot.com" target="_blank">Niki Kowall</a> an dieser Stelle kritisiert (&#8221;<a title="Niki Kowall &quot;Augenmerk auf die Lehre&quot;" href="http://blog.sektionacht.at/2009/11/augenmerk-auf-die-lehre/">Augenmerk auf die Lehre</a>&#8220;), dass sich die Diskussion in der höheren Bildungspolitik nur um die „big picture“ Themen Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren dreht, nicht aber um die Qualität der Lehre. Er hat dabei den Ball aufgenommen, den Jakob Huber in seinem Beitrag &#8220;<a title="Jakob Huber &quot;..Bessere Unis!&quot;" href="http://blogs.webzeilen.net/huber/2009/11/06/sanfte-lenkung-oder-fairness-bessere-unis/" target="_blank">Sanftheit oder Fairness? Bessere Unis!</a>&#8221; gespielt hat. Während Niki vor allem den Status Quo kritisiert, habe ich aufbauend und ergänzend, 10 Thesen zur Verbesserung der derzeitigen Situation geschrieben. Es ist das Ergebniss von sechs Jahren Unierfahrung in Österreich und einem Jahr als Teaching Assistant in den USA.­</p>
<p>Es sind bewusst kleine, unaufwändige und wenig kostspielige Veränderungen, die meine Studienerfahrung an der Uni Wien wesentlich besser gemacht hätten. Es sind keine großen, systemüberwindenden Würfe. Das könnte auch zu Schwierigkeiten bei der Umsetzung führen: Wenige davon sind per top-down Verordnung zu erreichen; die Thesen sind kulturverändernd, plädieren für eine Änderung des Lehrverhaltens jedes/r einzelnen ProfessorIn.</p>
<p>Die Liste ist weder vollständig noch geordnet und aus Perspektive eines Geisteswissenschaftlers geschrieben, was dennoch nicht zu allzu vielen „bei uns ist das aber ganz anders“-Reaktionen führen sollte.</p>
<p><strong>1. Referatsflut eindämmen</strong></p>
<p>Es kursieren zwei Argumente für die Methode „Studierendenreferate in Seminaren“. Erstens ist ein großer Teil von akademischer Arbeit die Präsentation von Ergebnissen, was während des Studiums geübt werden soll; zweitens besteht die romantische Vorstellung, Studierende würden Teilbereiche eines Themas bearbeiten und präsentieren. Die Realität sieht anders aus. Referate blockieren echtes Lernen und echte Diskussionen. Studierende lernen nichts, wenn sie Referate von KollegInnen anhören. Referate sind durchschnittlich schlecht gehalten (Wie können sie auch gut sein, wenn Studierende nie Rückmeldung darauf bekommen) und basieren nicht auf vorangegangenem Forschen. Will man in Seminaren wissenschaftliche Konferenzen simulieren (das scheint zumindest in der CTL Veranstaltung vom 17. April 2009 Mainstream zu sein, es stellt sich die Frage, ob Seminare, wenn schon Simulation, dann jene eines ForscherInnenteams sein sollte), so müssten Studierende zuerst eine Arbeit schreiben und erst dann ihre Ergebnisse präsentieren. Stattdessen halten Studierende Referate die zwar informieren, aber dadurch das Thema nicht aus einer wissenschaftlichen Perspektive vorstellen (Wie können sie auch, wenn sie noch nicht begonnen haben das Thema wissenschaftlich zu bearbeiten). <span id="more-382"></span></p>
<p>Es gibt zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: Entweder Studierende müssen vor Präsentation ihres Themas eine wissenschaftliche Arbeit dazu abgeben oder es muss auf Referate verzichtet werden. Auch wenn ich sie nicht während meiner Unikarriere gesehen habe, kann ich mir nicht vorstellen, dass es außer Referaten keine andere Lehrmethode in der Hochschuldidaktik gibt.</p>
<p><strong>2. Transparente Benotung und Feedback</strong></p>
<p>Eigentlich ein „No-Brainer“, gleichzeitig aber ein durchaus schwieriges Unterfangen. In der Schulpolitik wäre es noch relativ leicht, transparentere Benotung zu gewährleisten: Anonymisierung von Schularbeiten; Benotung der anonymisierten Schularbeiten von fremden LehrerInnen, etc. Auf der Uni ist das nicht mehr so leicht möglich. Dennoch gibt es ein paar Grundregeln, die leicht implementiert werden können: Seminararbeiten dürfen nicht einfach so benotet werden. Es muss eine Überarbeitungsphase geben. In meiner Unikarriere habe ich ein einziges Mal eine Seminararbeit mit Anmerkungen zurück bekommen. Zwar war der größte Kritikpunkt des Lehrenden, dass mir die Überschrift des vierten Kapitels auf Seite 8 gerutscht ist, dennoch hatte ich zum ersten und einzigen Mal das Gefühl, dass meine Seminararbeit aktiv von einer Lehrperson gelesen wurde. Natürlich ist die ProfessorInnenseite verständlich, die mit einem Stapel von 50 Seminararbeiten pro Seminar schon ohne zweite Phase überfordert sind. Das spricht wieder für den für Studierende gewöhnungsbedürftige bis unangenehmen Vorschlag in These Nr. 1, die Arbeiten nicht nach dem Semester sondern während des Semesters zu verlangen. Außerdem – und das wird in These 3 diskutiert werden – ist nicht einzusehen, dass an dieser sinnfreien Seitenanzahl von 20 festgehalten wird. Klar ist, dass diese Maßnahme schwer kostenneutral einzuführen sein wird, als erster Schritt können aber etwa vermehrt Peer Reviews eingesetzt werden. Wenn Studierende gegenseitig ihre Texte lesen und feedbacken, würden auch die quälenden Gruppenarbeiten erträglicher (weil sinnvoll).</p>
<p>Fazit: Durch das Schreiben von Seminararbeiten allein werden wissenschaftliche Skills der Studierenden nicht besser. Durch die Diskussion der Arbeit mit einer Lehrperson schon.</p>
<p><strong>3. Weniger Seminararbeiten, mehr Essays</strong></p>
<p>Die beiden vorhergegangenen Thesen haben eine Fragestellung von zwei Seiten aufgeworfen: Unter welchen Voraussetzungen ist es Studierenden zumutbar, wissenschaftliche Arbeiten unter dem Semester und nicht in der vorlesungsfreien Zeit zu verfassen? Und unter welchen Voraussetzungen ist es Lehrenden zumutbar, diese Arbeiten fundiert und individuell zu kritisieren. Die Antwort ist einfach: Weg von (Pro)Seminararbeiten – vor allem in den ersten Semestern/Proseminaren – hin zu argumentativen Texten. Proseminararbeiten und auch die meisten Seminararbeiten sind Zusammenfassungen wissenschaftlicher Erkenntnisse, also nichts anderes als die Tätigkeit, auf 12-20 Seiten Wortwolken rund um herausgesuchte Zitate zu bauen. Statt dieser meist stupiden Tätigkeit ist es für die weitere Studienkarriere wesentlich hilfreicher, das Aufstellen von Thesen und schriftliches Verteidigen/Argumentieren dieser zu üben. Diese Texte, die nicht länge, als sieben Seiten sein müssen, haben den Vorteil, auch unter dem Semester geschrieben und werden zu können. Es ist Studierenden sogar zuzumuten, zwei dieser Papers zu verfassen und so auf einen gleich hohen Seitenzahlgesamtschreibaufwand bei höherer Qualität zu kommen als bei einer Proseminararbeit.</p>
<p><strong>4. Einrichtung eines Writing Centers</strong></p>
<p>Schreiben ist eine der Haupttätigkeiten des wissenschaftlichen Arbeitens. Trotzdem kümmert sich die universitäre Lehre nicht darum, dass Studierende es können – sie setzt es voraus. In der Schule wird es nicht gelehrt, wie sollen Studierende es also können? Soll die Universität es ihnen beibringen? Nein, Schreiben kann nicht beigebracht werden. Es soll keine Lehrveranstaltung „Wissenschaftliches Schreiben“ in den ersten Semestern des Studiums geben.</p>
<p>Hier zeigt sich die Unkreativität universitärer Lehre. Sie glaubt, zu Lernendes kann nur in Lehrveranstaltungen vermittelt werden. Dabei würde eine Institution, die an vielen anderen Unis der Welt völlig selbstverständlich ist, reichen: Ein Writing Center. Es soll die erste Anlaufstelle für Studierende sein, die an irgendeiner Stelle im wissenschaftlichen Schreibprozess Schwierigkeiten haben. Sei es bei der Formulierung einer These, beim Erstellen einer Gliederung, Argumentieren oder in der Endredaktion: Eine universitäre Einrichtung – am besten in der Bibliothek angesiedelt – in der Studierende von SchreibtrainerInnen Hilfe und Feedback erhalten, würde die Qualität von wissenschaftlichen Arbeiten enorm heben. Nicht der/die ProfessorIn ist die erste Person, die eine Seminararbeit sieht und sofort benotet, sondern Peers, die nur dafür bezahlt werden, Texte besser zu machen. Wissenschaftliches Schreiben ist ohnehin lange genug eine sehr einsame Arbeit.</p>
<p><strong>5. Mehr Texte in Seminaren</strong></p>
<p>Eine Problematik, mit der sich die Unis in Österreich seit neuestem beschäftigen, ist die Frage, wie „Forschungsgeleitete Lehre“ funktionieren kann. Die einfache Antwort: Gebt uns aktuelle Artikel und Bücher/Kapitel zu lesen! Eine Studienkollegin von mir muss für ihre Diplomprüfung in einer Sprachwissenschaft einen Artikel lesen, in dem sinngemäß steht: „Bald werden silberne Scheiben, von denen der Computer mit Laser Daten ablesen kann, die Verwendung von Wörterbüchern revolutionieren.“ Es wäre schön, wenn diese Geschichte als Ausnahme vom Tisch gewischt werden könnte. Die gute Nachricht ist: Diese Lehrperson arbeitet zumindest mit Artikeln. Das ist nicht immer der Fall. Oft gibt es nicht einmal Literaturlisten in Seminaren (geschweige denn aktuelle), viele Studierende können keine fünf akademischen Journale ihrer Disziplin aufzählen, wissen selten was der/die ProfessorIn eigentlich forscht und wissen vor allem nicht über aktuelle Publikationen Bescheid. Das ist nicht ihre Schuld. Es ist die Schuld der Referatskultur (siehe These 1). Wäre es nicht viel sinnvoller, anstatt sinnloser wöchentlicher Referate zur Vorbereitung des Themas jede Woche ein bis zwei Texte zu lesen zu geben? Bisher wurden Referate – angeblich um den Teilaspekt eines Themas zu beleuchten – gehalten und danach (irgendetwas) diskutiert. Die DiskutantInnen (also alle nicht referatshaltenden Studierenden, die die Scheu vor dem in der LV den Mundaufmachen überwunden haben) hatten dabei zwei Ressourcen für ihre Argumente: Das Referat, dessen durchschnittliche Qualität im Laufe dieser Thesen bereits mehrfach angezweifelt wurde, und ihr Vorwissen – beides keine besonders stichhaltigen Quellen. Würde man Studierenden statt Referaten Texte vorlegen, wäre die Diskussion im Seminar qualitätvoller und die Summe aller Teilaspekte nachhaltiger vermittelt, als durch schlecht gehaltene Referate.</p>
<p><strong>6. Verkettungen nur, wo sie sinnvoll sind</strong></p>
<p>Voraussetzungsketten haben sich in den letzten Jahren langsam eingeschlichen. Man kann LV-B nur machen, wenn man LV-A absolviert hat. Manchmal macht das inhaltlich Sinn. Meistens ist es aber nur ein einfacher Weg der Finanz- und Controllingabteilung, Studierende in Kohorten und Jahrgänge einzuteilen. Für die Planung ist es gut, für die Studiendauer der Studierenden nicht. Es ist eine Dreifaltigkeit, die unnötige Verkettungen für Studierende zu einem Problem macht: Jahrgangssystem, Anmeldung zu Lehrveranstaltungen vor Beginn des Semesters und eben Verkettungen. Dieses Dreigestirn zwingt Studierende vermehrt dazu, Lehrveranstaltungen zu besuchen, die sie nicht besuchen wollen. Haben sie sich einmal angemeldet – ohne den Inhalt der Lehrveranstaltung zu kennen, schließlich steht im Vorlesungsverzeichnis nicht sehr oft mehr als ein Titel – haben sie durch die Verkettung nur zwei Möglichkeiten: Die für sie uninteressante LV zu besuchen oder abzubrechen und damit ihr Studium um ein Jahr zu verzögern – denn LV-A wird nur im Wintersemester angeboten. Verkettungen sind also aus einer Planbarkeitsperspektive das non plus ultra, schrauben aber sonst nur die Quote gelangweilter Studierender in die Höhe, die die LV unfreiwillig weiter besuchen.</p>
<p><strong>7. Shopping Week</strong></p>
<p>Der Weg weg von Referaten hin zu Texten und weg von Seminararbeiten hin zu Essays hätte noch einen Vorteil: Studierende könnten vor Begin der Lehrveranstaltung besser einschätzen, ob sie ihren Vorstellungen entspricht. Bisher gibt es über die Lehrveranstaltung nicht viel mehr Informationen als den Titel. Das wäre nicht so schlimm, könnte man sich die LV für eine gewisse Zeit ansehen. Das wird aber durch die Anmeldephase vor Beginn des Semesters verhindert: Zwar kann man sich gegen eine Lehrveranstaltung entscheiden, aber nicht ohne sein Studium zu verzögern.</p>
<p>Diesen blinden Entscheidungen für  Lehrveranstaltungen kann eben dadurch entgangen werden, dass Lehrende vor Beginn des Semesters den Seminarfahrplan mit Angaben zu zu lesenden Texten online stellen. Zusätzlich dazu sollte die Anmeldephase in die zweite oder dritte Semesterwoche verschoben werden. Zugegeben, ein Alptraum für jene Kräfte an der Uni, die Qualität gerne mit Zahlen ausdrücken und unter dem Schlagwort „Planbarkeit“ die Anmeldesysteme in ihre Kontrolle gebracht haben. Dennoch: Studierenden die Möglichkeit zu geben, eine Lehrveranstaltung und ihre/n -leiterIn ein bis zwei Wochen lang anzusehen, bevor sie sich ein ganzes Semester verpflichten würde die Uni ein großes Stück besser und Studierende ein großes Stück interessierter machen.</p>
<p><strong>8. Orientierungsphase sinnvoll gestalten</strong></p>
<p>Die durch die UG-Novelle zu implementierenden Studieneingangsphasen können als Chance genutzt werden, sinnvolle Orientierungsphasen zu implementieren. Sie können aber auch – weniger sinnvoll – als bloße Zugangsbeschränkungen gesehen werden. Auch wenn ich Zugangsbeschränkungen sehr kritisch gegenüberstehe, gibt es einen wichtigeren Fokus, denn woran bei den Diskussionen um Orientierungsphasen – und das wird auch bei der Gestaltung der Studieneingangsphasen nicht anders werden – nie gedacht wird, ist die Situation nach der negativen Orientierung. Damit meine ich, was ein/e StudierendeR macht, wenn er/sie sich gegen die Studienrichtung entschieden hat oder auch die Uni sich gegen den/die StudierendeN entschieden hat. Zu dem Zeitpunkt, wo die Entscheidung gefällt ist, sind nämlich alle anderen Orientierungsphasen auch schon angelaufen und der/die Studierende muss ein Semester warten, um sich in die nächste Orientierungsphase zu stürzen. Die Entscheidung für ein Studium muss man absurderweise noch immer vor der Orientierungsphase treffen. NACH der Orientierungsphase kann man sich nicht für Studium A oder B entscheiden, sondern nur mehr für oder gegen Studium A.</p>
<p>Dieses Dilemma ist leicht aufzulösen: Die Entscheidung für eine Studienrichtung soll erst nach einer Orientierungsphase fallen müssen. Es gibt genug Lehrinhalte, die in einem ersten Semester disziplinübergreifend gelehrt werden können und die in einer solchen allgemeinen Orientierungsphase abgewickelt werden können. Dabei will ich die Uni in ihrer Phantasie nicht überfordern: Die allgemeinen Orientierungsphasen können durchaus in größere Disziplinen (Fakultäten) unterteilt werden, wie ja auch die Interessen der Erstsemestrigen meist in eine Richtung gehen. Es soll aber durchaus möglich sein, Lehrveranstaltungen aus absolut anderen Disziplinen anzusehen.</p>
<p>Konkret: Im ersten Semester machen Studierende eine Hand voll Kernlehrveranstaltungen der jeweiligen Fakultät; Sozialwissenschaftliches Arbeiten, Methoden, Wissenschaftstheorie, etc. Zusätzlich dazu besuchen die Erstsemestrigen je eine Lehrveranstaltung aus zwei bis vier Studienrichtungen ihrer Wahl, die ihnen natürlich im späteren Studienverlauf problem- und bürokratielos angerechnet werden. Als begleitende Maßnahme besuchen sie ein Tutorium, das von einem/r Doktoratsstudierenden geleitet wird und in dem sie über Studienwahl, Startschwierigkeiten, etc. mit Studierenden interdisziplinär reflektieren. Nach einem Semester entscheiden sie sich dann für eine Studienrichtung.</p>
<p><strong>9. BibliothekarInnen als Ressourcen nicht als VerwalterInnen</strong></p>
<p>Die wichtigste Institution des akademischen Schreibens sind die Bibliotheken. Leider sind viele der Fachbibliotheken an der Uni Wien keine Bibliotheken, sondern nur Räume in denen Bücher stehen. Die besseren Bibliotheken sind zumindest gleichzeitig Arbeitsräume für Studierende – allerdings nur für die einsamste aller Arbeiten: dem Schreiben. Nachdem LehrveranstaltungsleiterInnen zum Leid vieler Gruppenarbeiten eingeführt haben, hätten die Bibliotheken längst reagieren müssen und Gruppenarbeitsräume einrichten müssen. Denn von den Studierenden eine Sozialform abzuverlangen, aber nicht einmal den Hauch einer Infrastruktur dafür zur Verfügung zu stellen ist eigentlich ein Witz. Das Argument des fehlenden Raumes sei der Fairness halber erwähnt. Eine Verbesserung ist allerdings sehr schnell, sehr leicht zu treffen: In Moment sind die BibliothekarInnen vor allem BücherschlichterInnen und EinordnerInnen. Die einzige Auskunft, die sie einem/r wissenschaftlich arbeitenden Studierenden geben können ist, in welchem Regal das Buch steht. Das ist eine Verschwendung an Potential. Alle Angestellten in den Fachbibliotheken sollten ebenfalls das sein: vom Fach. Sie sollten Studierenden als Ressource dienen, als Recherchehilfe. Natürlich können sie nicht zu jedem Thema SpezialistInnen sein, aber sie sollten einen grundsätzlichen Überblick  über Forschungsliteratur, aktuelle Diskurse, Fragestellungen haben und damit Studierenden als erste Anlaufstelle bei Rechercheproblemen dienen.</p>
<p><strong>10. Vier kleine zum Abschluss</strong></p>
<p>Ich gehöre zu den Menschen, die sich immer schon gewundert haben, warum man sich als ersten Wunsch von der Glücksfee nicht einfach unendlich viele Wünsche wünscht. Dementsprechend sind hier kleinere Thesen als eine zehnte zusammengefasst.</p>
<ul>
<li><em>a.Textbasierte Vorlesungen:</em> Vorlesungen sind autodidakte Lehrveranstaltungen. Das heißt, man muss nicht hingehen. Aus einem mir nicht nachvollziehbaren Grund werden Studierende dennoch gezwungen in VOs zu gehen, weil es für viele einfach kein Skriptum gibt und sich Studierende auf schlecht zusammenfassende Mitschriften von KollegInnen verlassen oder selbst in die VO schleppen müssen. Selbst wenn man ProfessorInnen die Freiheit zugesteht, kein Skriptum für ihre Vorlesung zu schreiben, sollte dennoch Pflicht werden, eine Basis an Texten zu veröffentlichen mit Hilfe derer die Prüfung ohne Anwesenheit in der VO mit einem Sehr Gut bestanden werden kann. Wenn man besonders studierendenfreundlich ist, könnte man den Stoff noch auf eine gewisse Seitenanzahl beschränken. Wir wollen aber nicht übermütig werden.<br />
Was auf jeden Fall, ohne große Kosten und sofort eingeführt werden kann und sollte, ist die Digitalisierung von Vorlesungen. Nur wenige PionierInnen bietet ihre Vorlesungen bereits als mp3 zum Download an.</li>
<li><em>b.Studierende sind keine Bürde:</em> Ich hätte gerne an einer Uni studiert an der ProfessorInnen Studierende nicht als Bürde ansehen. Ja, eine Stunde Sprechstunde in der Woche hält vom Schreiben und damit Publizieren ab. Trotzdem will ich nicht vor verschlossenen Türen wieder umdrehen &#8211; vor allem wenn ich extra Arbeitszeiten getauscht habe, um Ihre Sprechstunde besuchen zu können. Ich weiß, ich bin nicht der einzige Studierende, der Ihnen ein Email schreibt, aber in 48 Stunden kann das wohl beantwortet werden. Und wenn sie schon „Herr Kollege“ zu mir sagen, dann meinen sie das doch auch so. Nur ein bisschen.</li>
<li><em>c.Einrichtung eines Learning Centers:</em> Das steht wirklich ganz ganz unten auf der Liste. Aber irgendwann, wenn alle anderen Verbesserungen erreicht sind, könnte man anerkennen, dass manche Studierende Lernschwächen haben könnten und trotzdem eine Daseinsberechtigung an der Uni haben. Wenn man diesen Schritt getan hat, dann könnte man ein Learning Center einrichten, in dem man diesen Studierenden einen Rahmen gibt, in dem sie die Prüfung absolvieren können, etwa durch Ausdehnung der Prüfungszeit. Dort könnten die Studierenden dann auch hingehen, um ihr Lernen zu verbessern, sich neue Techniken anzueignen.</li>
<li><em>d.Weg mit der Bürokratie:</em> Ich habe am 18. Juni 2008 mein Diplomarbeitsthema eingereicht. Genau zwölf Monate später hatte ich meine Sponsion. In den ersten sechs Monaten habe ich 20 Stunden gearbeitet, 16 Semesterwochenstunden absolviert und 130 Seiten Diplomarbeit geschrieben. In den folgenden sechs Monaten habe ich auf Formulare gewartet, sie abgeholt, gewartet, unterschreiben lassen, abgegeben, gewartet und abgeholt. Die Bürokratie (vor allem) am Ende des Studiums macht dieses unerträglich und unnötig lang – dafür den Abschied wesentlich leichter.</li>
</ul>
<p><em>Weitere Texte zum Download finden sich auf: <a title="Yussi goes to..." href="http://www.yussipick.net" target="_blank">www.yussipick.net</a></em></p>
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		<title>Augenmerk auf die Lehre</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Nov 2009 19:28:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>niki</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Argentinien]]></category>
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		<category><![CDATA[Jakob Huber]]></category>
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		<category><![CDATA[Universitätspolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwei Aspekte stehen im  Vordergrund der durch die Uni-Besetzungen losgetretenen Debatte: Die Finanzierung der Hochschulen sowie der Kampf gegen Zugangsbeschränkungen. Völlig unterbelichtet wird eine Diskussion über die Qualität der Lehre. Jakob Huber hat eine diesbezügliche Diskussion in seinem Beitrag &#8220;Sanftheit oder Fairness? Bessere Unis!&#8221; begonnen, das Thema möchte ich nun an Hand meiner persönlichen Studienerfahrungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zwei Aspekte stehen im  Vordergrund der durch die Uni-Besetzungen losgetretenen Debatte: Die Finanzierung der Hochschulen sowie der Kampf gegen Zugangsbeschränkungen. Völlig unterbelichtet wird eine Diskussion über die Qualität der Lehre. Jakob Huber hat eine diesbezügliche Diskussion in seinem Beitrag &#8220;<a title="Jakob Huber &quot;..Bessere Unis!&quot;" href="http://blogs.webzeilen.net/huber/2009/11/06/sanfte-lenkung-oder-fairness-bessere-unis/" target="_blank">Sanftheit oder Fairness? Bessere Unis!</a>&#8221; begonnen, das Thema möchte ich nun an Hand meiner persönlichen Studienerfahrungen aufgreifen. </strong></p>
<p><strong></strong><a title="exilnik" href="http://exilnik.blogspot.com/" target="_blank"><em>Nikolaus Kowall</em></a></p>
<p>Wenn man der Auffassung ist, dass weder punktuelle Tests noch die Maturanoten eines irrwitzigen Schulsystems über die Zukunftschancen eines jungen Menschen entscheiden sollten, kann man nur gegen universitäre Zugangsbeschränkungen sein. Wenn man der Auffassung ist, dass Kinder aus sozial oder geographisch benachteiligten Regionen, deren Eltern noch nie eine Uni von innen gesehen haben ermutigt werden sollten den Sprung auf die Uni zu wagen, kann man nicht für Studiengebühren sein. Wenn man der Auffassung ist, dass sie bestmögliche Bildung für alle ein sinnvolleres und gerechteres Konzept ist als ein System privater Eliteunis und wenn man möchte dass sich universitäre Bildung sich nicht nur an Hand ökonomischer Verwertungskriterien orientiert, muss man für eine ordentliche öffentliche Finanzierung der Universitäten eintreten. In einer rechtsliberal dominierten Meinungsöffentlichkeit, ist es notwendig für alle diese Forderungen zu kämpfen. Für den Studienalltag der Studierenden stehen aber oft andere Fragen im Vordergrund, als jene organisatorischen Rahmenbedingungen, die beim Sprung auf die Uni ausschlaggebend waren.</p>
<p>Der folgende Text ist ein Plädoyer dafür den Fokus nicht nur auf die Organisation, sondern auch auf die Qualität der Universität zu lenken. Dabei gehe ich von meinen persönlichen Erfahrungen mit Volkswirtschaft an der WU und Geschichte an der Uni Wien aus und konzentriere mich auf die Sozial- und Geisteswissenschaften. Bei den anderen Studienrichtungen kenne ich mich nicht aus. Jakob Huber hat <a title="Jakob Huber &quot;..Bessere Unis!&quot;" href="http://blogs.webzeilen.net/huber/2009/11/06/sanfte-lenkung-oder-fairness-bessere-unis/" target="_blank">einige konkrete Ideen</a> für Innovationen im Bereich der Lehre gebracht, so schlägt er etwa ein Grundstudium der Sozial- und Geisteswissenschaften und plädiert für mehr Elemente des Selbststudiums mittels neuer Medien. An diese Ausweitung der Diskussion auf die Lehre möchte ich anschließen. Da ich derzeit in Argentinien lebe und mit vielen Studierenden der Sozial- und Geisteswissenschaften diskutiere, werden die Argumente – dort wo es Sinn macht – im Vergleich mit der Situation in Buenos Aires herausgearbeitet. <span id="more-380"></span></p>
<p>Die öffentliche Universität von Buneos Aires (UBA) ist ein bürokratischer Koloss, mit dem ich selbst im Zuge eines 8-wöchigen Spanischkurses meine Erfahrungen gemacht habe. Mein Kurs (Niveau 5) wurde wegen Mangel an Angemeldeten abgesagt. Natürlich hat man mich nicht informiert, nach Gesprächen mit fünf völlig ahnungslosen „Verantwortlichen“ ließ ich mich ins Niveau 4 versetzten. Der Informationsfluss funktioniert weder auf dieser noch auf sonst einer Fakultät, das Betreuungsverhältnis ist generell schlecht. Von Punks besetzte Häuser in Wien sind in einem besseren Zustand als die Räumlichkeiten dieser Universität. Die Heizung funktioniert natürlich nicht und der enorme Straßenlärm dröhnt durch die undichten Fenster. Die UBA ist ein <em>Monstrum</em> mit über 300.000 Studierenden (Uni Wien: 70.000). Sie gehört in mindestens zehn kleinere Unis aufgedröselt, benötigt gewaltige bauliche Investitionen sowie eine wesentlich effektivere Verwaltung. Trotz dieser miesen Rahmenbedingungen glaube ich, dass die Ausbildung in den sozial- und geisteswissenschaftlichen Fächern deutlich besser ist als in Wien. (siehe dazu &#8220;<a title="Exlnik &quot;Gebildetes Argentinien&quot;" href="http://exilnik.blogspot.com/2009/11/gebildetes-argentinien-anlasslich-der.html" target="_blank">Gebildetes Argentinien</a>&#8220;) Politikwissenschaft und Soziologie gelten an der UBA keineswegs als einfache Studien, Kommunikationswissenschaft wird sogar als besonders anspruchsvoll betrachtet. Das hat mehrere Gründe:</p>
<p><strong>Die Quellen:</strong> Mein Volkswirtschaftsstudium an der WU war nicht schlecht, aber im Nachhinein wird mir klar, wie viel mehr man hätte herausholen können. So wurde etwa ein einziges Mal im Rahmen des Studiums ein Buch gelesen, und das nicht in einem Pflicht- sondern Vertiefungsfach. Auch kürzere Originaltexte gab es nur in wenigen Lehrveranstaltungen. Viel öfter arbeitete man mit Skripten, mit Mitschriften oder mit Sekundärliteratur. Das halte ich für einen totalen Fehler, denn nichts hat mich jemals so viel weiter gebracht, wie Smith, Ricardo, Marx, Keynes, Schumpeter oder Hayek original zu lesen. Es ist unvergleichbar viel nachhaltiger sich die Originalgedanken im Detail anzueignen, als die oberflächlichen, gekürzten und in ihrer Wichtigkeit subjektiv gewerteten Skripten irgendwelcher mittelmäßigen Professor/innen zu lesen. Es ist aber auch eine Knochenarbeit, die von cleveren Lehrenden begleitet gehört. Originaltexte lesen, im Anschluss strukturiert darüber diskutieren und den Inhalt interpretieren. Das wäre meiner Auffassung nach eigentlich Studieren. Dies ist einer von drei Gründen, weshalb argentinische Sozialwissenschaftler/innen wesentlich profunder ausgebildet sind als jene bei uns. Sie lesen jede Menge Originaltexte und vor allem ganze Bücher.</p>
<p><strong>Der Inhalt:</strong> Studieren in Wien entspricht oft dem Zusammenstückeln eines Fleckerlteppichs, ich möchte das an Hand meines Geschichtsstudiums illustrieren. Das <a title="Vorlesungsverzeichnis Geschichte" href="http://online.univie.ac.at/vlvz?kapitel=701&amp;semester=W2009" target="_blank">Vorlesungsverzeichnis</a> der Geschichte (mit 6.000 Studierenden die größte im deutschsprachigen Raum) ist ein Hochgenuss. Da wird ein Schmankerl nach dem anderen angeboten, die man sich dann jedes Semester herauspickt. Einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Themen herzustellen ist jedoch oft schwierig. Selbst wenn sich im Laufe des Studiums ein paar solide Wissensbastionen ergeben, letztlich entsteht der Eindruck man habe viel isoliertes Detailwissen angesammelt, aber das große Ganze blieb einem teilweise verborgen. Anders in Buenos Aires, wo sich die Studierenden erste einmal die klassischen Überblicksvorlesungen reinziehen müssen. Das manifestiert sich organisatorisch im so genannten „Ciclo Básico Común“ (CBC), einer einjährigen Eingangsphase. Egal was man an der UBA studiert, man muss die beiden Vorlesungen „Staat und Gesellschaft“ sowie „Wissenschaftstheorie“ belegen. Zwei weitere Fächer orientieren sich an der Fakultät und zwei weitere an der Studienrichtung. Für Soziologie und Politikwissenschaft ergeben sich damit z.B. identische CBC’s.</p>
<p>Ich glaube es würde Sinn machen, in den Sozialwissenschaften einen solchen „Ciclo Básico Común“ einzuführen. Eine inhaltliche Grundlage die garantiert, dass es ein gemeinsames Terrain gibt auf dem sich alle überblicksmäßig auskennen. Dazu würde sich auch eine Verlängerung des Studiums um zwei Semester auszahlen, acht Semester Geschichte ist sowieso ein Witz für dieses Wissensuniversum, von dem dreijährigen Bachelor-Schwachsinn ganz zu schweigen. Selbstverständlich müsste die staatliche Unterstützung der Studierenden entsprechend adaptiert werden, damit es sich auch sozial schlechter gestellte Studierende leisten können länger nicht zu arbeiten. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen, und auch das zweites Jahr dem allgemeinen Wissensstock widmen, allerdings innerhalb der jeweiligen Studienrichtung, wie ich am Beispiel von Geschichte ausführen möchte. Z.b. könnte es Überblicksvorlesungen bezüglich Epochen (Antike, Mittelalter), Räumen (österreichische Geschichte, europäische Geschichte) oder Aspekten (Wirtschaftsgeschichte, Frauengeschichte) geben, die jede/r absolvieren muss. Das ist eine Verschulung, aber ich ärgere mich oft maßlos nur Bruchteile der Geschichte des antiken Griechenlands oder der Entstehung der britischen Demokratie intus zu haben. Ich finde Historiker/innen sollten über beides bescheid wissen. Nach diesen beiden verschulten Jahren sollte dafür absolute Wahlfreiheit herrschen (Methodenfächer ausgenommen), es bestünde also noch genug Zeit sich mit ganz spezifischen Themenfeldern zu beschäftigen. Analog sollte man in allen anderen Sozialwissenschaften im zweiten Studienjahr traditionelle Überblicksinhalte vermitteln. Ich bin überzeugt es hilft für eine umfassende Ausbildung mehr als sich ohne jeden Konnex ein Studium lang willkürlich Schmankerl aus einzelnen Themenbereichen herauszupicken. Der CBC und die traditionellen Überblicksvorlesungen sind der zweite Grund, weshalb meine Freund/innen und Bekannten in Buenos Aires auf einer solideren Wissensgrundlage stehen als wir.</p>
<p><strong>Die Beurteilung:</strong> Die oft katastrophal schlecht strukturierten und präsentierten Referate der Studienkolleg/innen sind ebenso Beurteilungsgrundlage wie die Abschlussarbeit. Diese wird zum jeweiligen Referatsthema zwei Tage vor dem letzten Abgabetermin hektisch niedergeschrieben. Wer sich nicht offensichtlich dumm anstellt bekommt zumindest ein Gut. Von den Themen der Anderen hat man letztlich keine Ahnung, bestenfalls gewann man einen Einblick in das eigene Thema. Aus meiner Erfahrung glaube ich, dass eine gut gemachte schriftliche Uni-Arbeit – wenn es Mindeststandards von Seiten der/des LV-Leiters/in gibt – trotzdem das ist, womit man noch am meisten lernt. Die Abschlussarbeit kann aber immer nur einen Aspekt der Übung behandeln, denn jede/r Teilnehmer/in schreibt ja über ein anderes Thema. Ich glaube es sollte über Möglichkeiten nachgedacht werden, wie alle Teilnehmer/innen vom gesamten Stoffgebiet etwas mitbekommen und nicht nur vom eigenen Referatsthema. Das ist der dritte und recht banale Grund, weshalb die argentinischen Studierenden wesentlich profunder ausgebildet sind als jene bei uns. Dort wird traditionell abgeprüft, Studierende müssen für Vorlesungen und Übungen richtige Bücher lesen. Der Stapel den sie für eine Prüfung zu pauken haben ist 15 cm. hoch. Sie lesen, lesen und lesen.</p>
<p><strong>Die Schwäche der Methodenfächer:</strong> In vielen sozialwissenschaftlichen Studienrichtungen gibt es einen Stock an Methodenfächern, was prinzipiell zu begrüßen ist. Doch die Intention ist oft besser als die Umsetzung. Wissenschaftstheoretische Erkenntnisse in Kombination mit methodischem Verständnis (wie gehe ich an einen sozialwissenschaftlichen Text heran etc.) ergeben einen Kompass, der entscheidend für die Arbeit im Wissenschaftsbetrieb ist. Ist man diesbezüglich sattelfest, kann man sich alles was man persönlich wissen möchte als Autodidakt erarbeiten. Leider sind Methodenfächer oft völlig isoliert vom Rest des Studiums und es ist für Studierende schwer, einen Zusammenhang zu ihrem Studienalltag herzustellen.</p>
<p><strong>Die Wissensvermittlung in der Vorlesung: </strong>Faktum ist, dass viele Lehrende didaktisch katastrophal sind und keine Anstrengungen unternehmen, ihr Wissen in attraktiver Form zu vermitteln. Während in den USA zu Recht auch großer Wert auf das Wie und nicht nur auf das Was gelegt wird, sind es in Österreich nur einzelne Ausnahmelehrende, die in einer Vorlesung wirklich für Spannung oder gar für Begeisterung sorgen können. Natürlich ist nicht jede Person witzig, charismatisch oder rhetorisch brillant, aber einige Mindeststandards die Form der Präsentation betreffend, kann man schon verlangen. Einer gewissen Vorbildung bezüglich interessanter Wissensvermittelung könnte man Uni-Lehrende ruhig unterziehen. Eine Kultur der aufregenden Wissensvermittlung – ohne Abstriche beim Inhalt versteht sich – wäre auch bei uns absolut anzustreben.</p>
<p><strong>Die Wissensvermittlung in der Übung:</strong> Oft sind Uni-Lehrende einfach nur extrem bequem und heilfroh, den Unterricht auf Referat auslagern zu können. Dann werden in der ersten Stunde Referatsthemen vergeben, den Rest des Semesters hören sich die Studierenden die stinklangweiligen Referate ihrer Kolleg/innen an, die methodisch noch deutlich schlechter aufbereitet sind als der Vortrag der Lehrenden selbst. Übung und Referat sind quasi identische Begriffe. Das Referat ist meiner Auffassung nach das didaktische Grundübel in den Sozialwissenschaften. Leider halten die Studierenden diesen Betrieb für normal. Sie wissen gar nicht wie fordernd und aufregend Uni sein könnte. Das alles hat nichts mit freier Lehre zu tun, sondern mit Ignoranz und Mangel an Motivation vieler Lehrender. Das Referat gehört aus dem Unibetrieb verbannt. Überhaupt gilt für Übungen: Weniger ist mehr: Die Quantität an zu absolvierenden Pflichtübungen im Curriculum kann ohneweiters zu Gunsten der Qualität der einzelnen Übungen gekürzt werden.</p>
<p>Wo die Schule zu autoritär ist, ist die SOWI zu Laissez-faire. Und zwar Laissez-faire im schlimmsten Sinne, nämlich in jenem der „Wurschtigkeit“. Das liegt auch, aber nicht nur an den schlechten Betreuungsverhältnissen und den überfüllten Hörsälen. Schlechte oder chaotische Referate werden nicht sofort abgebrochen und an den Start zurückgeschickt, sondern beinhart bis zum Schluss akzeptiert. Minutenlange inhaltsleere oder konfuse Monologe von ahnungslosen (meist männlichen) Studienkollegen im Hörsaal werden akzeptiert, weil ja jede Meinung zählt. Lustlos hingeknallte Arbeiten werden oft bestenfalls überflogen und mit Gut oder Sehr gut bewertet. Generationen von jungen Uni-Lehrenden sind es gewohnt, das unheilvolle Wurschtigkeitsregime einfach gleichgültig weiterzuführen. Freunde von mir, die auf der Uni arbeiten und ein bisschen mehr verlangen, stoßen auf teils erbitterte Widerstände. Es mag sein, dass der Unibetrieb in Argentinien konservativer ist. Mit verpflichtenden Überblicksvorlesungen, mit ganzen Büchern, die gelesen werden müssen, mit richtig großen Klausuren, die bestanden werden müssen. Faktum ist, dieser Weg führt zu einer solideren Ausbildung als das bei uns der Fall ist.</p>
<p>Zwischen autoritär und laissez-faire gibt es viel Spielraum und auch andere Modelle als das argentinische, können erfolgsversprechend sein. Optimal sind fachkundige Lehrende, die einen partnerschaftlich durch den Stoff führen. Also Leute mit Autorität die nicht autoritär sind. Nennen wir das den „Vermittlungsstil der partnerschaftlichen Führung“. An der WU gab es einige wenige Lehrende, die diesem Idealbild nahe gekommen sind, allen voran ein Professor der ökonomischen Theoriegeschiche. Seine Übung war folgendermaßen aufgebaut: Die Teilnehmer/innen wurden in Lesegruppen unterteilt, die bis zur nächsten Stunde einen <em>Originaltext</em> oder ein <em>Kapitel eines echten Buches</em> in der Kleingruppe zu lesen hatten, sowie Fragen schriftlich beantworten mussten. Die Antworten wurden dem Prof. vorab geschickt, anhand derselben wählte er eine Gruppe aus, die spontan zur Präsentation dran kommen konnte. Es hatten also immer alle den Text gelesen, denn man konnte ja immer dran kommen. Alle wussten worum es geht, was die Qualität der Diskussionen, die den spontanen Präsentationen folgten, deutlich steigerten. Am Ende des Semesters gab es noch einen schriftlichen Abschlusstest über das gesamte Stoffgebiet. Hatte man die Diskussionen mitverfolgt und am Vortag alle Fragen aller Einheiten nochmals wiederholt, konnte nichts schief gehen. Wer meinen Theoriegeschichte-Prof. kennt, weiß, dass er alles andere als ein autoritärer Typ ist. Aber er hat seine Studierenden gefordert und ihnen dabei Wissen vermittelt wie wenige andere.</p>
<p>Übrigens: Eine anspruchsvollere sozialwissenschaftliche Ausbildung hätte auch einen politstrategischen Vorteil. Das inhaltliche Unterfutter der tendenziell linken Absolvent/innen sozialwissenschaftlicher Studiengänge wäre deutlich profunder. Das würde der Seriosität und der Schlagkraft ihres gesellschaftlichen Wirkens, wo auch immer sie tätig sein mögen, mit  Sicherheit nicht schaden.</p>
<p>Ich plädiere dafür, nicht nur über Zugangsbeschränkungen und Uni-Finanzierung, sondern vor allem auch über die Qualität in den Sozialwissenschaften öffentlich zu diskutieren. Das Thema ist mindestens genauso wichtig und ein Kulturbruch bei Lehrenden und Studierenden absolut erforderlich.</p>
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